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| 16:19 Uhr

Neuer Bahnsteig feierlich in Betrieb genommen
Ein Sonderzug nach Schacksdorf

 Bürgermeister Ditmar Gurk, Amtsdirektor Gottfried Richter und Ortsvorsteher Jürgen Glauch (v.l.n.r) bei der Einweihung des Bahnsteigs.
Bürgermeister Ditmar Gurk, Amtsdirektor Gottfried Richter und Ortsvorsteher Jürgen Glauch (v.l.n.r) bei der Einweihung des Bahnsteigs. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde/Schacksdorf. Von Glück und Unglück an der Zschippchenbahn, die jetzt einen neuen Bahnsteig hat. Von Dieter Babbe

Bereits ein Jahr nach der Inbetriebnahme der Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn, im Volksmund liebevoll Zschippchen genannt, hat es einen schweren Unfall gegeben. Der mit Arbeitern aus den Kohlegruben vollbeladene Zug kippte in Schacksdorf um. Ein Unwetter hatte das Gleisbett im Dorf unterspült, ein Waggon entgleiste, es soll zwei Tote und zahlreiche Verletzte gegeben haben, die mit Gespannen ins Krankenhaus transportiert worden sind, weiß Ortschronistin Helga Habermann zu berichten.

Schwere Unfälle gab es in den letzten acht Jahren, seit die Zschippchenbahn wieder fährt, an der Bahnstrecke nicht, dennoch war das Ein- und Aussteigen in Schacksdorf nicht ganz ungefährlich.

Der Abstand vom letzten Trittbrett bis zum Bahnsteig war so hoch, dass man beim Aussteigen regelrecht abspringen und beim Einsteigen hochklettern musste – unüberwindlich für Menschen mit Behinderung, obwohl jedes Mal eine kleine Rampe angestellt wurde. Doch die gehört jetzt der Vergangenheit an: Am Freitag ist der neue Bahnsteig feierlich in Betrieb genommen worden, von dem aus man jetzt barrierefrei ein- und aussteigen kann. 80 000 Euro hat der Bau gekostet, etwa 90 Prozent mit Geld des Bundes gefördert. „Mehr als zwei Jahre haben die Planungen gedauert, gebaut wurde ganze sechs Wochen“, informierte Gottfried Richter beim Durschneiden des Bandes.

Der Amtsdirektor hatte seine Mitarbeiter in der Mittagspause zu einer Sonderfahrt von Massen nach Schacksdorf eingeladen – und seinen Finsterwalder Amtskollegen Jörg Gampe auch. Die Sängerstadt und das Amt Kleine Elster sind gemeinsam Besitzer der Bahnstrecke, die derzeit in der warmen Jahreszeit jeden Sonntag zu Pendelfahrten einlädt – in diesem Jahr noch bis zum 6. Oktober.

Um die 6000 Fahrgäste zählt der Bahnunternehmer Torsten Ratke in der Saison – „zusätzlich kommen die Charterfahrten von Firmen und von Privatleuten anlässlich von Geburtstagen und anderen Jubiläen dazu. Die haben in der letzten Zeit stark zugenommen“. Noch ist gegenwärtig in Lichterfeld Endstation, von wo aus es nur wenige Schritte bis zum „Liegenden Eiffelturm“ sind. Mittelfristig soll bis nach Sallgast weiter gefahren werden – „doch nicht, bevor wir einen Nutzer für das Schloss Sallgast gefunden haben“, sagt Gottfried Richter – und der sei noch immer nicht in Sicht. Unterdessen ist als nächstes geplant, den Bahnhof in Massen zu sanieren, auch hier muss der Bahnsteig angehoben werden. In Finsterwalde ist eine neue Haltestelle auf dem Bahnhofsgelände vorgesehen.

Auch die Schacksdorfer versprechen sich von der Bahnverbindung und dem neuen Halt mehr Besucher, die hier nicht nur durchfahren, sondern auch aussteigen. Der schöne Spielplatz im Dorf ist allemal eine Reise mit Kindern wert, ebenso der alte und liebevoll erhaltene Bauernhof Alwine, auch die Wirtin der Gaststätte gleich am „Hauptbahnhof“ verteilte Flyer: Am 26. Oktober und am 2. November ist im Gasthaus Zierenberg zünftiges Oktoberfest – zu deftigen Gerichten und zum süffigen Bier präsentieren Einheimische aus Lichterfeld, Lieskau und Schacksdorf ein buntes und lustiges Programm.

Wegen eines Ventilschadens an der „Ferkeltaxe“, wie der Triebwagen früher wegen der tierischen Transporte auch genannt wurde, musste Torsten Ratke bei der Sonderfahrt am Freitag eine Diesellok vorspannen. Das interessierte Oskar, den jüngsten Besucher, bei der Bahnsteigeinweihung ganz besonders. Der 6-Jährige ließ sich von Torsten Ratke alles erklären. Ob er denn Lokführer oder doch lieber Feuerwehrmann werden möchte, wisse er noch nicht, sagte der Sechsjährige, der nächstes Jahr in die Schule kommt.

 Torsten Ratke erklärt Oskar (6) aus Schacksdorf, wie eine Diesellok fährt.
Torsten Ratke erklärt Oskar (6) aus Schacksdorf, wie eine Diesellok fährt. FOTO: Dieter Babbe

Unzählige Berichte und Fotos, die zusammen 42 Bände füllen, hat die 87-jährige Ortschronistin Helga Habermann in den drei Jahrzehnten seit der Wende zusammengetragen. Letzten Freitag ist wieder eine neue Seite dazu gekommen – und was schreibt sie? „Solch einen so schönen und sicheren Bahnsteig hatte Schacksdorf in den über 130 Jahren, in denen die Zschippchenbahn hier fährt und hält, noch nie.“