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"Ein solcher Steinway ist eine Perle”

So könnte er aussehen, der Konzertflügel von Steinway & Sons für die Finsterwalder Stadthalle. Es soll ein sogenannter C-Flügel sein, der in seiner Größe zum hiesigen Konzertsaal am besten passen würde. Siegfried Fritsche und Nassib Ahmadieh haben klare Vorstellungen.
So könnte er aussehen, der Konzertflügel von Steinway & Sons für die Finsterwalder Stadthalle. Es soll ein sogenannter C-Flügel sein, der in seiner Größe zum hiesigen Konzertsaal am besten passen würde. Siegfried Fritsche und Nassib Ahmadieh haben klare Vorstellungen. FOTO: Montage: Steinway / Böttcher
Finsterwalde. Erst zu Wochenbeginn ist Nassib Ahmadieh von einer Tournee mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Leitung von Daniel Barenboim nach Finsterwalde zurückgekehrt. Argentinien, Chile, die Schweiz und auch die Berliner Waldbühne gehörten zu den Stationen des 1999 ins Leben gerufenen Orchesters. Gabi Böttcher

Es vereint Musiker aus Israel, Palästina, Syrien, Ägypten, dem Iran und anderen Staaten des Nahen Ostens, um mit der Kraft der Musik den Dialog der Kulturen zu fördern. Nassib Ahmadieh lebt seit 13 Jahren in Deutschland. Vor sieben Jahren wurde er vom damaligen Leiter der Kreismusikschule "Gebrüder Graun", Siegfried Fritsche, mit einem Standbein als Musikschullehrer an die Region gebunden. Der aus dem Libanon stammende Musiker setzte sich von Anfang an mit Herzblut für eine Stadthalle in Finsterwalde ein. "Meine erste Abstimmung, die ich mit meinem gerade erhaltenen deutschen Pass machte, war die Abstimmung für die Stadthalle", sagt der mit seiner Frau und Musiker-Kollegin Johanna Zmeck in Finsterwalde wohnende Nassib Ahmadieh. Geradezu eine logische Folge war sein Beitritt in den Förderverein der Stadthalle, in dem in mehreren Arbeitsgruppen das Finsterwalder Zukunftsprojekt aktiv begleitet wird. Die gemeinsame Wellenlänge in Sachen Musik ließen ihn und Siegfried Fritsche gemeinsam die Idee von einer Sammelaktion für einen hochwertigen Konzertflügel entwickeln, im Vorstand des Vereins vortragen und praktisch vorantreiben.

Nur noch zwei Plätze sind in dem Bus frei, der Finsterwalder am 23. Oktober zum weltbekannten Hersteller von Konzertflügeln - Steinway & Sons - nach Hamburg bringt. Von diesem Besuch versprechen sich Siegfried Fritsche und Nassib Ahmadieh eine spürbare Ausstrahlung auf die ehrgeizige Aktion, in Finsterwalde einen Konzertflügel der Extra-Klasse zu etablieren.

"Vielleicht drei bis fünf Pianisten weltweit bringen ihren eigenen Flügel zu Konzerten mit. Für die anderen ist es die erste Frage an einen Veranstalter, welchen Flügel er zur Verfügung stellen kann. Ein solcher Steinway ist eine Perle für die Region und wichtig für die Konkurrenzfähigkeit der Stadthalle", ist der Musiker überzeugt, der selbst Violoncello spielt. Und es sei, trotz der sechsstelligen Summe, eine lohnende Investition in die Zukunft. Noch heute könne auf einem Steinway und Sons gespielt werden, auf dem bereits Johannes Brahms gespielt habe. Diese Instrumente seien auch nach mehr als 100 Jahren noch spielbar. Zu 80 Prozent von Hand gemacht, seien sie für die Ewigkeit bestimmt.

Siegfried Fritsche betont, dass das Instrument zur Größe einer Konzerthalle passen und das entsprechende Klangvolumen erzeugen müsse. "Auch ein Laie hört da den Qualitätsunterschied", versichert Nassib Ahmadieh. Siegfried Fritsche sieht in der Zukunft nicht nur eine Anziehungskraft für namhafte Pianisten, sondern auch die Wirkung für junge Künstler. Für sie wäre es Auszeichnung und Motivation, auf einem solchen Flügel zu spielen", ist er sich sicher. Nassib Ahmadieh: "Wenn man nicht investiert, bekommt man nichts zurück." Die Anschaffung des ersten großen Marimbafons an der Kreismusikschule habe auch ganz neue Möglichkeiten eröffnet und zu künstlerischen Erfolgen geführt, nennen beide ein Beispiel für ertragreiche Investitionen.

Was einen aus dem Libanon stammenden Neu-Finsterwalder bewegt, sich so für ein Projekt in Finsterwalde einzusetzen? "Es ist ein befreiendes Gefühl, in einem demokratischen Land zu leben. Ich nehme es mit Freude an, dafür auch Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten", sagt Nassib Ahmadieh mit einem ansteckenden Funkeln in den Augen. Er hält viel davon, "ganz groß zu träumen" und sieht gleichzeitig reale Chancen. Meisterkurse seien überall auf der Welt verbreitet und das nicht selten in kleinen Orten. Als Beispiel führt er Kronberg an, die "Welthauptstadt des Cellos" im Taunus. Abseits der Metropolen böten kleinere Orte den Großen der Branche die Möglichkeit, etwas Eigenes, Persönliches zu entwickeln. Warum nicht in Finsterwalde? Scheitern werde die Sammelaktion für den Konzertflügel als ein Teil breit gefächerter Aktivitäten des Fördervereins nicht. Siegfried Fritsche und Nassib Ahmadieh sind voller Zuversicht, dass in den Finsterwaldern die Kraft dafür steckt. Bisher sei ihnen keine einzige ablehnende Stimme zu Ohren gekommen.

Beim Tag des offenen Denkmals werde man im künftigen Foyerbereich der Stadthalle für das Vorhaben werben.

Zum Thema:
Im Industriedenkmal "Alte Schaeferschen Tuchfabrik" spielen in der denkmalgeschützten Shedhalle am Sonntag, 10. September, ab 17 Uhr junge Talente und Preisträger der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" auf. Karten gibt es für 5 Euro in der Touristinformation und im Bürgerservice im Schloss. Kinder von vier bis 14 Jahre zahlen 2,50 Euro.