ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:00 Uhr

Ein Park ist nie fertig

Fürstlich Drehna.. Eine grüne Idylle grenzt an das Schloss in Fürstlich Drehna. 200 Jahre alte Bäume bilden mit jüngeren Anpflanzungen und dem Schlossteich eine Kulisse, bei der Besucher glauben, in einem verwunschenen Märchenpark zu sein. Das Schloss und der gusseiserne Pavillon sind von einer Bank aus zu sehen, die der 56-jährige Ardo Brückner zu seinem Lieblingsplatz erklärt hat. Von Gabriele Bernhardt

„Sehen Sie, wie sich das Laub der Blutbuchen färbt und wie die Sonne die Farben funkeln lässt.“ Ardo Brückner, der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Fürstlich Drehna, macht kein Hehl daraus, dass er dieses Stückchen Erde liebt. Mindestens einmal pro Woche besucht er den Park, in den 80er Jahren war er in jeder Stunde seiner Freizeit dort, um zu arbeiten.
„Schon als Kind hatte dieser Landschaftspark für mich etwas Besonderes“ , sagt der studierte Automatisierer. Für ihn war ein Spaziergang mit der Familie im Park keine lästige Pflichtaufgabe, sondern eine Freude. Schon damals faszinierte ihn der alte Baumbestand. Dass er aber einmal Partei für diese Anlage ergreifen würde, ist ihm nicht in die Wiege gelegt worden.

22 Hektar Park für die Kohle
„Allen Einwohnern war schon Mitte der 70er-Jahre bekannt, dass die Braunkohle hierher kommt“ , sagt Ardo Brückner. Normal sei das gewesen, schließlich war der Tagebau Schlabendorf-Süd in sichtbarer Nähe. Als es dann 1982 Tatsache wurde, die Hälfte des Parkes abgeholzt und der 15 Hektar große Ziegelteich verschwunden waren, wollten sich die Einwohner nicht damit abfinden. „Schneidermeister Albert Pösch war einer der Initiatoren, die sich für den Erhalt und den Wiederaufbau des ehemals 52 Hektar großen Parkes stark gemacht hatten“ , sagt Brückner. Pösch sei es vor allem gewesen, der die jüngeren Männer drängte, den Park wieder aufzuforsten, nachdem die Abraumbagger mit ihrer Arbeit fertig waren. 22 Hektar hatten die vom Park gefressen. Für Ardo Brückner eine der „schwärzesten Stunden“ in der Geschichte des Parkes, dessen Aufbau 1813 mit Graf Moritz zu Lynar begonnen hatte.
„Mit zwölf Mitgliedern haben wir unser Parkaktiv gegründet“ , erinnert sich Brückner an die Anfangsjahre. Sicherungs- und Sanierungsprogramme der Braunkohle seien keine Erfindung der Neuzeit, die habe es schon zu DDR-Zeiten gegeben, betont er. Geld war da und die Parkfreunde waren - im Gegensatz zu etlichen Einwohnern - voller Enthusiasmus. „Helmut Rippl stand uns von der ersten Stunde zur Seite“ , ist Brückner noch heute froh über die fachliche Unterstützung durch den Cottbuser Garten- und Landschaftsarchitekten. Nach dessen Konzept wurde der Park auf dem Papier gestaltet und geformt, waren Bäume und Sträucher ausgesucht worden, die zu dem wertvollen alten Baumbestand passten. Bis zu 2000 Stunden ihrer Freizeit hatten sich die Aktiven pro Jahr ans Bein gebunden, haben Zäune aufgestellt und die „Mondlandschaft“ neu bepflanzt. An die Anzahl der Bäume und Sträucher kann sich Brückner nicht mehr erinnern.

„Rippls Idee war es auch, am Schloss einen neuen Teich entstehen zu lassen.“ Mit Hilfe von Meliorationsbetrieben aus der Region war der innerhalb von vier Jahren gebaut und 1989 vollendet worden. Mit den Aushubmassen des neuen Teiches wurde ein welliges Bodenprofil geschaffen. Ein Kammweg über dem Parkniveau ermöglicht einen traumhaften Blick. Nach und nach sei es gelungen, die Schäden des Bergbaus wie den gestörten Wasserhaushalt und die veränderten Luftbewegungen sowie die Windbruchgefahr zu beseitigen, so der 56-Jährige.

Offener Park für Besucher
Einen weiteren Glücksumstand nennt Brückner: Die Brandenburgische Schlösser GmbH. Sie ist nach der Wende Eigentümerin des Schlosses und des Parks geworden. „Das ist ein Garant dafür, dass der Park auch immer öffentlich bleiben wird“ , betont er. Und dass das Grün, das unter den Händen der Parkfreunde wieder neu entstanden ist, auch gepflegt wird. „Zwei Mitglieder aus den Reihen des Vereins, Ulrich Natusch und Ramona Borchert, sind von der Schlössergesellschaft für die Parkpflege eingestellt worden“ , so Brückner. Die beiden leisteten eine engagierte Arbeit, die von Parkbesuchern anerkennend zur Kenntnis genommen wird.


Werk vieler Generationen

Für Brückner ist ein Park das Werk vieler Generationen. „Unser ist noch nicht endgültig fertig“ , betont er. Und keiner der Aktivisten werde den endgültigen Zustand erleben, wenn die neuen Bäume 100 Jahre alt sein werden. Ein Park brauche Zeit. Bäume müssten wieder entfernt werden, um bestimmte Sichtachsen entstehen zu lassen, und die Brücke muss vollendet werden. „Als sich die LMBV Ende der 90er-Jahre zurückgezogen hatte, war für den Weg über den Parkgraben kein Geld mehr da“ , sagt er. Das letzte Detail aus Rippls Konzept ist für die Fürstlich Drehnaer eine neue Her ausforderung. Der Kultur- und Heimatverein als Nachfolger des Parkaktivs will das Bauwerk ehrenamtlich und mit Hilfe von Sponsoren vollenden.

Eigentlich im alten Ziegelteich
„Und von hier aus kann man kaum noch erkennen, dass wir eigentlich im alten Ziegelteich sitzen“ , sagt er von der Bank aus, die auf der Anhöhe steht. Der 56-Jährige macht auf die ehemalige Grenzlinie zwischen Park und Tagebau aufmerksam, die Besucher heute als fließenden Übergang vom alten Baumbestand in lichtere Anpflanzungen wahrnehmen können. Von seiner Bank aus eröffnet sich ein weiter Blick über Park, Teich und Schloss sowie über den ehemaligen Tagebau mit seinen aufgeforsteten Flächen. Harmonisch begegnen sich der alte und der neue Park. Und wachsen zusammen.

Hintergrund Landschaftspark in Fürstlich Drehna
  Die Parkgeschichte in Fürstlich Drehna hatte 1813 mit Graf Moritz zu Lynar begonnen. Damals war die elf Hektar große Parkfläche mit Laub- und unzähligen fremdländischen Gehölzen bepflanzt worden.
1877 kaufte sich der Bremer Reeder Wätjen die Standesherrschaft in Fürstlich Drehna. Er hatte den Park in nördlicher Richtung erweitert und den Ziegelteich bewirtschaften lassen. Ab 1917 war ein neuer Parkteil mit Laubgehölzen auf einer Fläche von 52 Hektar entstanden.
1945 ging der Park in staatliches Eigentum über, 1982 begann der Braunkohleabbau auf insgesamt 22 Hektar Fläche.
Als neue Eigentümerin begann die Brandenburgische Schlösser GmbH 1994 mit der Sanierung des Schlosses und der Parkpflege.