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50 Jahre im Verein
Ein Leben für die Tauben

Für sein 50-jähriges Engagement in der Taubenzucht ist Reinhard Trepsdorf mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter ausgezeichnet worden.
Für sein 50-jähriges Engagement in der Taubenzucht ist Reinhard Trepsdorf mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter ausgezeichnet worden. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Doberlug-Kirchhain. Seit 50 Jahren ist Reinhard Trepsdorf im Taubenzüchterverein aktiv. Nun ist er dafür mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet worden. Von Daniel Friedrich

Die Tauben von Reinhard Trepsdorf dürfen so ziemlich alles: Sie kommen in die Waschküche gelaufen, setzen sich auf den Liegestuhl und können sogar regelmäßig in einem kleinen Becken baden – das ist gut für Gefieder und Gesundheit. Seit seiner Kindheit ist der 74-Jährige ganz vorn mit dabei, wenn es um Tauben geht. Sein Vater hat ihn an das spannende Hobby herangeführt.

1967 trat der Doberlug-Kirchhainer mit damals 24 Jahren in die Sektion „Sporttaube“ der DDR ein. 1988 vertiefte er seine Tauben-Kenntnisse mit einer Prüfung und ist seitdem als Preisrichter tätig. „Die weiteste Strecke, die eine meiner Tauben jemals zurückgelegt hat, war 976 Kilometer lang“, weiß Trepsdorf zu berichten. Das war ein Flug von London bis nach Doberlug-Kirchhain. Während die besten Vögel noch am selben Abend in der Heimat ankamen, brauchte seine Taube zwei Tage. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Tiere wieder ihren Weg zurückfinden“, schwärmt der Taubenexperte, der noch viele weitere Fakten zu den faszinierenden Tieren aufzählen kann: „Eine Taube kann bis zu 16 Stunden ohne Pause fliegen. Durch ihr dickes Federkleid kann sie auch Temperaturen im tiefen Minusbereich ohne Probleme überleben, sie benötigt nur hin und wieder etwas Wasser. Auch ein Gewitter macht jungen Tauben nichts aus.“ Diese Eigenschaften machen die Tauben als fliegende Nachrichtenüberbringer nützlich. Woran sie sich dabei orientieren, ist bis heute nicht sicher geklärt.

Gefährlich können den Tauben besonders große Greifvögel werden. Das hat Reinhard Trepsdorf erst kürzlich selbst erlebt: „Als einige Tauben schon in ihrem Käfig saßen, aber die Tür noch nicht geschlossen war, hat ein Greifvogel genau diesen Zeitpunkt abgepasst und ist bis in die Voliere gekrochen.“ Er sei gerade im Begriff gewesen, sich eine Taube zu schnappen. „Ich habe versucht, ihn mit der Hand rauszuziehen und wurde dann dabei selbst von ihm verletzt“, berichtet der Doberlug-Kirchhainer und zeigt einige Fotos von seiner blutenden Hand.

Reinhard Trepsdorf vor einer historischen Konstatieruhr. Mit ihr wurde einst festgestellt, wann eine Taube ihr Ziel erreicht hat. Heute übernehmen elektronische Sensoren diese Aufgabe.
Reinhard Trepsdorf vor einer historischen Konstatieruhr. Mit ihr wurde einst festgestellt, wann eine Taube ihr Ziel erreicht hat. Heute übernehmen elektronische Sensoren diese Aufgabe. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Inzwischen befindet sich Reinhard Trepsdorf im beruflichen Ruhestand und seine Tauben fliegen höchstens noch von Nordhausen oder Kassel zurück in die Lausitz. Doch aktiv ist er nach wie vor im Taubenverein „Heimatliebe“ Hohenleipisch. Für seine 50-jährige Mitgliedschaft hat er jüngst die goldene Ehrennadel vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter überreicht bekommen. „Das macht mich sehr stolz, denn ich habe viel Zeit und Geld in mein Hobby investiert“, sagt er.

Und so verbringt Reinhard Trepsdorf bis heute jede freie Minute mit seinen gefiederten Tieren. Einmal am Tag lässt er sie – rund 150 sind es an der Zahl – aus ihren Volieren heraus. Dann fliegen sie aus und kommen meist nach ein bis zwei Stunden wieder zurück. „Ich könnte meine Tauben stundenlang beobachten. Da ist immer was los“, schwärmt der langjährige Züchter.