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Ein Handwerk, das Kunst, Biologie und Chemie vereint

Dachs, Möwe, Waschbär und Elster sehen täuschend echt aus.
Dachs, Möwe, Waschbär und Elster sehen täuschend echt aus. FOTO: ikk1
Doberlug-Kirchhain. Selbst der am besten ausgebildete Präparator kann aus einer Mücke keinen Elefanten machen. Aber mit viel Geschick und Liebe zum Detail bekommt er so ziemlich jedes Tier hin, als wäre es noch am Leben. Ivonne Kommolk/ikk1

So wie Klaus-Dieter Jost. Noch arbeitet er in Wismar, aber im Mai wird er zurückkehren in seine alte Heimat, in Bagenz bei Spremberg. Ein Zufall brachte ihn mit dem Doberlug-Kirchhainer Museumsleiter Andreas Hanslok zusammen, der ihn schnell dafür begeistern konnte, im Weißgerbermuseum einige Präparate auszustellen.

So sind unter dem Motto "Von der Mücke bis zum Elefanten - Einblicke in die zoologische Präparation" Dachs, Waschbär, Möwe und Elster zu sehen - alles scheint, als würde es gleich loslaufen oder fliegen.

Geduld gefragt

Dem Betrachter wird schnell klar, dass es sich nicht ausschließlich um ein Handwerk handeln kann. Es ist Kunst, Biologie und Chemie. Der Präparator braucht Kenntnisse in Kunststofftechnik, Holzbearbeitung und Geduld bei der Beobachtung der Tiere und ihrer Lebensgewohnheiten.

Klaus-Dieter Jost ist Theaterdekorateur und Polsterer. Als Hobby-Ornithologe wollte er schon als Jugendlicher etwas mit Tieren machen. Durch Zufall las er ein Stellengesuch für einen Präparator und beschloss sofort, sich darin ausbilden zu lassen. Er erhielt seinen Facharbeiter an der Humboldt-Universität Berlin. Später legte er dort noch ein Fernstudium ab. Er arbeitete für das Cottbuser Bezirksmuseum und das Kreisheimatmuseum in Goldberg. Nach der Wende waren seine Abschlüsse erst mal nichts mehr wert, in der Bundesrepublik ist der Berufsstand des Zoologischen Präparators nicht geschützt. Aber seine Ausbildung und die langjährigen Erfahrungen halfen ihm, sich erfolgreich selbstständig zu machen. "Das Handwerk hat sich verändert, man stopft Tiere nicht mehr aus. Heutzutage werden Tierkörper aus Gips oder Kunststoff hergestellt und Haut, Fell und Feder darüber verarbeitet", erzählt Klaus-Dieter Jost den vielen Gästen der Ausstellungseröffnung.

"Echte" Lebensräume

Fasziniert und interessiert bestaunen die Besucher die ausgestellten Tiere und die bis ins kleinste Detail dargestellten Lebensräume. "Ich bin sehr an dem Berufsbild eines Präparators interessiert. Meins wäre es nicht, aber ich finde es sehr interessant und lehrreich, dass es Menschen gibt, die so was hier anfertigen können", sagt Mathias Homagk, stellvertretender Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums der Stadt. An seiner Schule gibt es keine Tierpräparate. Generell geben weiterführende Schulen diese lieber an die Grundschulen ab. "Schulen sind inzwischen leider wenig daran interessiert, sich solche doch sehr echten authentischen Tiere anzusehen. Manche Schulen lehnen es direkt ab, sagen, dass sie das alles im Internet ansehen können", berichtet Jost.

Wer seinen Kindern oder Enkelkindern dieses "Naturgut" nahebringen möchte, hat dazu Zeit bis zum 23. April im Weißgerbermuseum. Schüler und Kita-Kinder sind willkommen.

Klaus-Dieter Jost wird ab 1. Mai seine Werkstatt in Bagenz haben. Anfragen unter www.tierpr äparation-jost.de oder Telefon 0157 37256667.