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| 02:34 Uhr

Ein Gastwirt mit Leib und Seele

Klaus-Dieter Umlauf mit seiner Frau Annett, Tochter Nadine, Sohn Marc und den Enkelkindern Klara (3) und Melina (2).
Klaus-Dieter Umlauf mit seiner Frau Annett, Tochter Nadine, Sohn Marc und den Enkelkindern Klara (3) und Melina (2). FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Finsterwalde. "Wenn die Finsterwalder Stadthalle tatsächlich steht, bewerbe ich mich als Kulturchef", sagt Klaus-Dieter Umlauf – freilich mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht. Jedenfalls will der 66-Jährige das schon mal dem Bürgermeister so sagen, wenn der ihn kommenden Sonntag zu seinem Jubiläum besuchen wird. Dieter Babbe / dbe1

Und dann wird der dienstälteste Gastwirt von Finsterwalde diese Geschichte erzählen: Zwar nicht eine Stadthalle, aber immerhin ein großes und modernes Jugendklubhaus sollte Klaus-Dieter Umlauf mal leiten. Mit diesem Versprechen ist der gelernte Werkzeugmacher Mitte der 70er-Jahre vom Metallbetrieb Fimag in den staatlichen Handelsbetrieb HO abgeworben worden. "Weil ich als Vorsitzender des städtischen Jugendklubs einiges auf die Beine gestellt, viele Konzerte, Tanzveranstaltungen, Jugendkarneval organisiert habe, ist man bei der HO auf mich aufmerksam geworden", erinnert er sich. So stand er am 15. Januar 1977 das erste Mal hinterm Biertresen der "Erholung".

Immer ein volles Haus

Dass aus einer der ältesten Gaststätte der Stadt doch kein Jugendklubhaus, sondern eine beliebte "Wohngebiets-Gaststätte" wurde, hatte mit Geld, Material und Bauleuten zu tun, was in der DDR immer und überall fehlte. Doch das tat der Karriere von Klaus-Dieter Umlauf, der sich zum "Kneiper mit Leib und Seele" mauserte, wie er selbst über sich sagt, keinen Abbruch. Als Gaststättenleiter sorgte er mit Betriebs-, Brigade- und Familienfeiern, mit Disko am Mittwoch, Bartanz am Donnerstag und vielen Jugendveranstaltungen am Wochenende immer für eine volles Haus und machte die "Erholung" zu einer der besten Gaststätten im HO-Kreisbetrieb - "Spitze war das Jahr 1988, als wir mit 1,4 Millionen Mark den höchsten Umsatz hatten."

Ein Feierlokal für Familien und Vereine ist die "Erholung" geblieben, als Umlauf die Gaststätte nach der Wende für viel Geld von der Treuhand kaufte, modernisierte und zusätzlich eine Pension daraus machte. Inzwischen ist der nach 40 Berufsjahren langjährigste Gastwirt von Finsterwalde dabei, kürzer zu treten. Dafür scharren bereits die Nachfolger mit den Füßen - Sohn Marc, der Koch ist, und Tochter Nadine, die Restaurantfachfrau, werden die "Erholung" in diesem Jahr übernehmen. Beide haben große Pläne mit der Traditionsgaststätte, die es seit mehr als 120 Jahren im Finsterwalder Süden gibt. Der kleinste von den drei Sälen, der als der älteste Teil der Gaststätte nur über Stufen zu erreichen ist, soll abgerissen und neu errichtet werden, in dem Zuge werden die Toiletten auf Vordermann gebracht. Auch in die Pensionszimmer, inzwischen 20 Jahre alt, ziehen noch einmal Bauleute ein.

Manches will sich Klaus-Dieter Umlauf allerdings auch künftig nicht aus den Händen nehmen lassen. Das Programm für den diesjährigen "Herbstkracher", das traditionelle Oktoberfest in Finsterwalde und "mein Kind", wie Umlauf nicht ohne Stolz sagt, steht. Bei der zehnen Auflage will er es im Festzelt auf dem Marktplatz wieder richtig krachen lassen - und sogar noch eine Schippe drauflegen. "Neben den bayrischen Stimmungsmachern ,Echt stark` kommt erstmals ,Pures Glück", eine Spitzenband aus Köln, nach Finsterwalde", freut sich der Vereinsvorsitzende.

Und dass die einzigartige Angelbörse in Südbrandenburg, wo nicht Händler, sondern nur Angler Angelzeug anbieten, im März bereits zum 15. Mal in seiner Gaststätte stattfindet, hat auch etwas mit der großen Leidenschaft des Gastwirts zu tun. Seit seiner Kindheit brennt Klaus-Dieter Umlauf für die Angelei, der längst nicht mehr nur am Rückersdorfer Teich, am Falkenberger Kiebitz oder an der Elbe bei Mühlberg seine Angelplätze hat. Zweimal im Jahr geht es auf große Fahrt - nach Norwegen und inzwischen sogar bis nach Island. Mit 1,20 Meter Länge und einem Gewicht von 15 Kilo war ein Seelachs sein bisher größter Fang. Kulturchef in der Finsterwalder Stadthalle, das hat Klaus-Dieter Umlauf nur spaßig gemeint. Doch dass die "Erholung" - auch unter der Regie seiner beiden Kinder - weiter eine Zukunft hat, das hofft der Gastwirt. Beim kleinen Jubiläumsempfang am Sonntagnachmittag will er darauf mit Sohn und Tochter und seinen Gästen anstoßen.

Zum Thema:
"Altgediente" Gastwirte im Bereich Herzberg, die noch immer hinter den Tresen stehen, sind Monika und Otto Große (seit 1960) in Arnsnesta, Brigitte und Heinz Hollmig (seit 1961) in Polzen, die heute 75-jährige Hannelore Heinze mehr oder weniger von Kindesbeinen an im "Heitern Blick" in Herzberg sowie Christine Pietsch (seit 1979) in Malitschkendorf. In Doberlug-Kirchhain ist Reinhold Marticke seit 1972 Wirt in der Gaststätte "Zur Linde". Als Wirtin vom Gasthof Strauch in Schönewalde, Ortsteil von Sonnewalde, hat Jutta Köllner seit 1977 auch schon mehrere Generationen erlebt.Thekla Beyer im Gasthaus "Zum frischen Glase" in Prestewitz steht seit 1979 und heute noch hinter dem Tresen, hat aber an den Sohn übergeben. Ähnlich ist es in den Gaststätten Seiler in Lausitz, "Zum goldenen Löwen" in Hohenleipisch, in Schülers Gasthof in Plessa und im Gasthaus "Zum schwarzen Adler" in Rothstein, wo die Vorbesitzer im Hintergrund noch aktiv sind, aber Töchter oder Söhne inzwischen die Häuser führen.