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| 02:36 Uhr

Ein Energiewald entsteht in Massen

Massen. Ein neues Hackschnitzelwerk unweit vom Netto-Markt, wo früher mal Langes Gut stand, soll künftig Wärme für Massen liefern. Von hier aus werden Heizleitungen zur Schule, zur Turnhalle und zum Sitz der Amtsverwaltung gelegt. Damit das Heizwerk genügend "Futter" bekommt, entsteht im Gewerbegebiet ein neuer Energiewald. Am Wochenende ist mit der Pflanzung begonnen worden. Dieter Babbe

In der Rudolf-Diesel-Straße, das SIAG-Werk in Sichtweite, wachsen künftig Pappeln. Die Kurzumtriebsplantage, wie Experten dazu sagen, soll am Ende 17 Hektar groß sein. Auf den ersten drei Hektar sind am Freitag die Stecklinge in den Boden gebracht worden. Bereits in drei, spätestens vier Jahren können die ersten Hölzer geerntet werden - "noch in diesem Jahr werden die Bäume 1,50 Meter hoch", kündigt Dr. Lutz Böcker von der Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden an - ein Verein, dem Massen unlängst erst beigetreten ist und der die Gemeinde und das Amt bei der Pflege des Energiewaldes berät.

Bei der ersten Ernte wird mit fünf Tonnen Holz gerechnet, bei der zweiten bereits mit der doppelten Menge. 20 bis 30 Jahre wachsen die Pappeln immer wieder nach. Lutz Böcker: "Allerdings muss man nach dem Pflanzen die Bäume besonders im Blick haben. Sie werden nicht nur von Unkräutern und Krankheiten bedroht, auch von Wild und trockenem Wetter. Sollte es jetzt lange nicht regnen, muss künstlich bewässert werden. Gegen Wildverbiss helfen Weidezäune - und wir bitten die Jäger, mit ihrer Flinte ein Auge auf die Plantage zu haben."

Ein zwei Tonnen schwerer Raupenpanzer von der Firma P&P Baumschulen in Großthiemig, die in ganz Europa Kurzumtriebsplantagen anlegt, zieht am Freitag auf dem Acker seine Bahnen - mit etlichen Arbeitern auf einer Plattform im Schlepptau. Sie führen die 20 Zentimeter langen Stecklinge in den Boden, die von den Ketten festgedrückt werden. Alle 40 Zentimeter guckt ein Steckling heraus, die Reihen sind 2,50 Meter auseinander - so weit, damit später Erntemaschinen bequem durchkommen.

"1000 Schüttgutmeter Holz verbraucht das neue Hackschnitzelwerk im Jahr. 200 Schüttgutmeter kommen aus dem Massener Gemeindewald. Den Rest soll diese Kurzumtriebsplantage liefern", erklärt Amtsdirektor Gottfried Richter. In vier Jahren - so die Rechnung - können Amt und Gemeinde nach und nach ihr gesamtes Energieholz für das Hackschnitzelwerk von hier beziehen. Bürgermeister Wilfried Klähr sieht Massen als Vorreiter einer umweltfreundlichen Entwicklung, die nicht nur in der Region, auch in ganz Deutschland erst ganz am Anfang steht.

Zum Thema:
Das neue Hackschnitzelkraftwerk soll im ersten Bauabschnitt die Schule und die Turnhalle sowie im zweiten Bauabschnitt das Gebäude der Amtsverwaltung und das Energie-Service-Center versorgen. Finanziert werden soll das 900 000-Euro-Projekt zu 75 Prozent mit Fördergeld. Eine Hälfte des Rests wird die Gemeinde Massen aufbringen, für die zweite kommen die anderen Gemeinden im Amt auf - wobei Massen auch bei dieser Hälfte seinen finanziellen Anteil leistet.

Dr. Lutz Böcker von der Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden erläutert, wie ein Energiewald funktioniert. Foto: Dieter Babbe
Dr. Lutz Böcker von der Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden erläutert, wie ein Energiewald funktioniert. Foto: Dieter Babbe FOTO: Dieter Babbe