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Ein Blick dorthin, wo Generationen die Schulbank drückten

Massen. Zum zweiten Mal hat die Euros-Stiftung, die sich die Entwicklung des ländlichen Raumes auf die Fahnen geschrieben hat, einen Jahreskalender mit Hausgeschichten veröffentlicht. "2015 bei der Premiere war es eine Art Schnellschuss. leh

Diesmal haben wir die Sache etwas Längerfristig in Angriff genommen", so der Vorstandsvorsitzende Gottfried Richter. Jedes Jahr wird dem Kalender ein anderer Schwerpunkt gegeben. Für 2017 sind das die Schulen im Amtsgebiet.

Damals und Heute

Viele historische Ansichten wurden aktuellen Aufnahmen gegenübergestellt. Das macht den Kalender sehenswert. Lesenswert sind die Texte, die überwiegend von den Ortschronisten erarbeitet wurden und mit vielen Fakten Geschichte vermitteln, aber auch aufzeigen, wie einst dorfbildprägende Gebäude heute genutzt werden.

Die einzelnen Monatsblätter zeigen die alte Dorfschule Dollenchen, die ehemalige Schule in Massen, das Gasthaus in Gahro, die Schule Klingmühl, die Schule in Crinitz, die Grund- und Oberschule Massen, das Schneiderhaus Wesnick im Vorwerk Schacksdorf, das Wohn- und Geschäftshaus am Dorfplatz Sallgast, die Bahnstation Massen, die Schule in Tanneberg, das Gasthaus "Zur Deutschen Eiche" in Sallgast und die Schule Schacksdorf.

Der Schulbetrieb in Massen ist bis 1575 nachweisbar. Ortschronist Manfred Kauer bezieht sich auf ein Kirchenvisitationsprotokoll, in dem Dorfschulunterricht erwähnt wird. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Schulgebäude in der Dorfstraße errichtet, das drei Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen hatte. 1950 kamen Schüler ab der 5. Klasse aus den umliegenden Dörfern in die Zentralschule Massen. Bis zu 40 Schüler lernten in einer Klasse, für den Sportunterricht wurde die Doppelturnhalle in Finsterwalde genutzt - wohin alle zu Fuß gelangten. 1956/57 verbesserten sich die Lernbedingungen entscheidend mit dem Bau der Schule in der Finsterwalder Straße - heute noch Grund- und Oberschule Massen.

Strittmatter als Schüler

Am 1. Oktober 1912 wurde auch die Schule in Klingmühl eingeweiht. 1925 kam Lehrer Franz Heyer aus Bohsdorf ins Dorf - bei ihm hatte schon Erwin Strittmatter gelernt. Heyer hatte dessen Talent gefördert, Strittmatter verewigte ihn in seiner Romantrilogie "Der Laden". Er war bis 1960 der letzte Dorflehrer in Klingmühl.

In Crinitz hat um 1800 der Büdner und Schneider Johann Gottfried Lorenz die Kinder unterrichtet. Immer wieder platzen die Klassenräume aus allen Nähten, 2002 aber muss um die Zukunft der Schule gekämpft werden. Als "Kleine Grundschule" überlebt sie schließlich. Die Schule in Tanneberg wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auch "Pantoffelgymnasium" genannt.

Schon 1911 wurde in Dollenchen mit dem Schulbau begonnen. 1994 wurde dort das letzte Mal unterrichtet. Heute wird das Gebäude durch Vereine genutzt.

Die ausführlichste Beschreibung liefert Helga Habermann, Ortschronistin von Schacksdorf, zum dortigen Schulhaus und zu den Unterrichtsbedingungen.

Der Kalender ist für Werbezwecke bestimmt, kann aber auch für eine Spende von 10 Euro käuflich erworben werden.