Bernd Große ist das alte, baufällige Gemäuer sofort ins Auge gefallen, als er die Agroma-Kühe auf die Koppel gleich daneben trieb. Seit Jahren hat den Massener die Sammelwut gepackt, hunderte, wenn nicht tausende bäuerliche Utensilien trug er bisher zusammen - und errichtet damit am Pferdestall des Reitsportvereins nach und nach ein Bauernmuseum. Lehmanns alte Scheune ist bereits von der Bauernwirtschaft in der Lindthaler Straße hierher „verpflanzt“ worden, in den nächsten Tagen soll das Scheunenfest gefeiert werden. Das Bahlsche Backhaus passt haargenau in dieses Ensemble, hatte sich Bernd Große in den Kopf gesetzt - und Gemeinde und Amt dafür begeistern können.
Seit Dienstag sind nun Michael Rooch und seine Männer dabei, das Backhaus Stück für Stück behutsam abzutragen und nach Massen zu bringen, wo alles in einem Lager zunächst geschützt überwintern soll. „So wie wir Fördergeld und Leute haben, wollen wir das Backhaus am Pferdestall wieder errichten. Noch sind nicht alle Formalitäten geklärt“ , meint Amtsdirektor Gottfried Richter in dieser Woche. Für den ABMer Michael Rooch eine reizvolle Arbeit. Der 45-jährige gelernte Betonfacharbeiter hat in seiner Arbeitslosigkeit zum Zimmerer umgeschult - das alte Backhaus ist jetzt sein Premierenstück. Er erfuhr inzwischen auch, dass es mit dem Bahlschen Backhaus eine ganz besondere Bewandtnis hat.
Harri Ruben, der Ortschronist von Gröbitz, kann die alten Mauern zum Sprechen bringen: Es ist das älteste Gebäude im Dorf. Nach dem großen Brand, dem - bis auf die Schmiede, die Schule und eine Scheune - alle 16 Bauernhäuser, sieben Menschen und 100 Stück Großvieh zum Opfer fielen, ist das Backhaus im Jahre 1854 mit als erstes neu errichtet worden. „Bemerkenswert an dem Backhaus ist, dass der Backofen sehr flach gewölbt ist - weil er auch eine Schlafstätte war. Hier hat die Familie Bahl in der ersten Zeit, bis das neue Wohnhaus stand, gelebt und geschlafen und so auch den ersten Winter überstanden. Hier wurde sogar ein Kind geboren.“
Bis Ende der 60er Jahre ist hier noch gebacken worden - „zuerst alle zwei Wochen Brote, danach Blech- und Napfkuchen, zum Schluss sind zur Kirmeszeit noch Enten und Gänse reingeschoben worden“ , erinnert sich Käthe Schiemann, einst die Bäuerin auf dem Hof. Die 76-Jährige und ihr zwei Jahre älterer Mann Rudi sind froh, dass das baufällige Backhaus aus dem Garten verschwindet. „Mal sehn, ob wir es noch erleben und unser Backhaus wieder aufgebaut in Massen bewundern können“ , hoffen die beiden. Schwiegersohn Detlef Kositzke allerdings „tut es ziemlich weh, mit ansehen zu müssen, wie ein Stück wertvolle Gröbitzer Geschichte weggetragen wird“ . Der Inhaber einer Autowerkstatt hat das Backhaus der Gemeinde Massen geschenkt, „weil ich es mir nicht leisten kann, es zu erhalten. Ich brauche jeden Euro für meine Werkstatt“ . Die hat er seit 1992 aus dem Nichts aufgebaut, inzwischen fünf Arbeitsplätze geschaffen und etliche hunderttausend Euro in seine Firma gesteckt, weitere Investitionen stehen an. „Schade drum, wenn das Backhaus eingefallen wäre. So bleibt es wenigstens der Nachwelt erhalten“ , tröstet er sich.