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| 17:53 Uhr

Bedeutende Fundstelle der Archäologie
Ein 3000 Jahre alter Friedhof erzählt

Zeichnerin Maren Klutzny hält die Befunde auf einem Urnengräberfeld bei Großbahren fest. Die Grabstätten stammen aus der Zeit der Lausitzer Kultur (etwa 1300 v. Chr. bis etwa 500 v. Chr) . Das Gebiet gehört zur Trasse der neuen EUGAL (Europäische Gas-Anbindungsleitung).
Zeichnerin Maren Klutzny hält die Befunde auf einem Urnengräberfeld bei Großbahren fest. Die Grabstätten stammen aus der Zeit der Lausitzer Kultur (etwa 1300 v. Chr. bis etwa 500 v. Chr) . Das Gebiet gehört zur Trasse der neuen EUGAL (Europäische Gas-Anbindungsleitung). FOTO: Heike Lehmann
Großbahren. Archäologen sichern im Urnengräberfeld bei Großbahren Funde aus der Zeit weit vor Christus. Von Heike Lehmann

Eine Überraschung ist die Fundstelle nicht, etwas Besonderes aber schon. Da sind sich die Archäologen und übrigen Mitarbeiter vor Ort, die vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum nach Elbe-Elster geschickt wurden, einig. „Wir haben hier ein spätbronzezeitliches bis früheisenzeitliches Urnengräberfeld mit einer Häufung von besonders gut erhaltenen Gefäßensembles“, sagt Archäologe Jan Ramsch. Er vertritt momentan die eigentliche Grabungsleiterin Anja Grothe.


Grabungsarbeiterin Sylvia Alschner aus der Nähe von Luckau bestückt die Schrifttafel für die Fotodokumentation.
Grabungsarbeiterin Sylvia Alschner aus der Nähe von Luckau bestückt die Schrifttafel für die Fotodokumentation. FOTO: Heike Lehmann

Schon vor dem Bau der Erdgas­trasse OPAL wurde an dieser Stelle gegraben. „Die Fundstelle setzt sich fort im Leitungsbereich der parallelen neuen EUGAL-Gasleitung“, erklärt der Chef. „Momentan sind wir an einer Stelle, wo sich die Urnengräber sehr konzentrieren.“

Um die 3000 Jahre alt sind die Keramiken, die freigelegt werden. Mehrere Jahrhunderte wurde dieser Friedhof betrieben, vermuten die Archäologen. Genaueres brächten erst die gründlichen Untersuchungen. Ein Team von zehn Mitarbeitern – Grabungsarbeiter, Zeichner, Techniker, Vermesser und Archäologen – erforscht hier Lausitzer Kultur, die von etwa 1300 v. Chr. (Bronzezeit) bis etwa 500 v. Chr. (Eisenzeit) datiert. „Wir haben typische Urnengräber, also den Leichenbrand direkt in einer Urne, darüber ein großes Gefäß als Abdeckung und dazu häufig ein ganzes Sortiment an Gefäßen.“ Trotz des eingespielten Teams müsse viel spontan entschieden werden. Denn, Zeichner Sven Weber aus Halle bringt es auf den Punkt: „Man weiß nie, was kommt.“

Auf einer ebenen Fläche mitten im Wald ziehen die Experten aus Bodenverfärbungen ihre Schlüsse. „Stellen, wo menschliche Eingriffe vorliegen“, werden herausgearbeitet. Dann folgt ein Profilschnitt, der Gruben erkennen lässt. „Gefäße legen wir vorsichtig frei, damit die Gegenstände in der gleichen Position zueinander bleiben“, erklärt Jan Ramsch. Das sei wichtig für die Dokumentation, bestehend aus Fotos, Zeichnungen und Messbildern, die am Ende ein 1:1-Bild vom Objekt ergeben. Schließlich liegt ein exakter Plan für die gesamte Fundstelle vor. Maren Klutzny, Zeichnerin aus Halberstadt, ist seit Dezember in Großbahren dabei. Sie sagt: „So viele heile Gefäße wie hier, das ist ein Highlight für uns. Wir hatten schon eine Urnenbestattung mit mehr als 30 Gefäßen dabei.“

Urnengräber bei Großbahren FOTO: Heike Lehmann

Für die Lausitzer Kultur typische Grabbeigaben sind Speisegefäße – miniaturisierte oder benutzte, wie etwa mit deutlichen Kochspuren. Schmuck sei eher selten, heißt es. Aber: Schon die Größe der Urne ist ein erstes Indiz auf das Alter der bestatteten Person. Jan Ramsch: „Am Dienstag haben wir den Leichenbrand von einem drei- bis vierjährigen Kind gehabt. Die Zahnkappen der vorderen Backenzähne waren gut erhalten. Genaueres müssen natürlich die Anthropologen herausfinden.“