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Ehsan wird zum kleinen Spiderman

Ehsan aus Afghanistan lässt sich geduldig von Jeniffer Gutsche schminken. Bestaunt wird er dabei von anderen Kindern.
Ehsan aus Afghanistan lässt sich geduldig von Jeniffer Gutsche schminken. Bestaunt wird er dabei von anderen Kindern. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Das Wetter hat sich am Samstag zum 1. Familienfest in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Doberlug-Kirchhain mit kalter Schulter gezeigt. Dennoch wurde gespielt, getanzt, Musik gehört und viel geredet. Heike Lehmann

Ehsan sitzt ganz ruhig unter dem großen Dach, das vor dem Nieselregen schützt, und lässt sich Farbe ins Gesicht malen. Das Kinderschminken ist der Renner beim Familienfest in der Erstaufnahmeeinrichtung. Auch Ehsan musste eine Weile warten, bis er an der Reihe war.

Helfer vom OSZ

Mit vielen Partnern hat das DRK als Betreiber einen kurzweiligen Tag organisiert, zu dem auch Einwohner der Stadt willkommen sind. Schüler vom Oberstufenzentrum Elbe-Elster (OSZ) basteln mit den Kindern und schminken sie. Jeniffer Gutsche, Rebecca Sonnenberg und Sarah Claus zaubern viele kleine Zombies und Spidermans. "Das sind die Lieblingsmotive", sagt Jeniffer und tunkt den Pinsel wieder in die rote Farbe. Wenige Minuten später ist Spiderman Ehsan fertig. Stolz zeigt er sich seinen Eltern. Die afghanische Familie ist seit etwa drei Monaten in Deutschland, findet Sicherheit und Ruhe in Doberlug-Kirchhain. Der Vater zückt sein Smartphone und macht ein Foto von seinem Sohn.

Seit September wohnen auch Familien in der Erstaufnahmeeinrichtung am Rande von Doberlug-Kirchhain. Kinder von null bis 17 Jahre sind nun dort mit Müttern und Vätern vorübergehend zu Hause. Als Außenstelle der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH) Eisenhüttenstadt wächst in der ehemaligen Lausitz-Kaserne eine Zufluchtstätte für Asylsuchende. Ein Männerwohnheim ist nach der Notunterkunft in der provisorischen Zeltstadt als erstes vor einem knappen Jahr bezogen worden. Bis zu 450 Männer können dort untergebracht werden. Am sechsstöckigen benachbarten ehemaligen Kasernengebäude, das seitdem als Familienwohnheim hergerichtet wird, sind letzte Arbeiten notwendig. Unmittelbar am Haus ist ein schöner Spielplatz entstanden. Auch das Sozial- und Kulturgebäude ist noch nicht fertig.

Sport verbindet

Laute Musik dringt über den Platz, wo vor einem reichlichen Jahr Soldaten eine Zeltstadt errichtet haben, weil der Ansturm an Flüchtlingen nicht mehr zu bewältigen war. Männer mit dunklen Bärten haken sich unter und beginnen zu tanzen. Weil Sport verbindet, lädt der FSV Kirchhain zu einer Familienolympiade ein. Nadin Quanz, Hausbetreuerin im Familienwohnheim, hat das Fest maßgeblich organisiert. "Turnierangeln, Ponyreiten, Hüpfburg und Malstraße sind im Angebot", zählt sie auf. Bodo Heinze, ebenfalls beim DRK angestellt, ist für das Hähnewettkrähen verantwortlich. Knapp 50 Hähne aus Elbe-Elster und einer aus Sachsen geben ihr Bestes. Jeder Laut wird mit einem Strich quittiert. Die Feuerwehr ist mit Technik vertreten.

Zurzeit wohnen knapp 500 Flüchtlinge - Männer, Frauen und Kinder - in der Torgauer Straße. Überwiegend Tschetschenen und Syrer. Aber auch Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Somalia, Kamerun und Tschad und Albanien. 49 DRK-Mitarbeiter - nicht alle in Vollzeit - kümmern sich um den reibungslosen Betrieb. "Wir sind jetzt dabei, eine Kita aufzubauen und suchen noch Erzieher", berichtet Theo Ripplinger, Leiter der Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain. Überraschend gut nehmen die Eltern dieses Angebot an. "Sie nutzen die Betreuungszeiten gern, um nach der anstrengenden Flucht auch mal Zeit für sich zu haben", so Ripplinger.

Zum Thema:
Die Bürgerinitiative Menschen für Menschen betreibt eine Spendenkammer im Akazienweg 5b in Doberlug-Kirchhain, wo Montag/Donnerstag 8-12 Uhr, Dienstag/Mittwoch 14-18 Uhr Spenden angenommen werden. Baby- und Kindersachen sind derzeit sehr willkommen.