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| 13:13 Uhr

Lausitzer erobern den Harz
Wenn der Weg das Ziel ist

 Stolze Sammlung: Sogar die Sonderabzeichen haben sich die Sonnewalder erwandert.
Stolze Sammlung: Sogar die Sonderabzeichen haben sich die Sonnewalder erwandert. FOTO: LR / Jenny Theiler
Sonnewalde/Harz. Anke und Frank Böde sind die ersten Harzer Wandermajestäten aus dem Elbe-Elster-Kreis. Bei ihren Touren haben sie die kleinen Dinge des Lebens schätzen gelernt. Von Jenny Theiler

Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine – das hat Heinrich Heine einmal über seine Wandererlebnisse durch den Harz gesagt. Zwei dieser Punkte können Anke und Frank Böde aus Breitenau Sonnewalde wahrscheinlich sofort unterstreichen. „Manchmal war es nur noch der pure Wille, der uns angetrieben hat, die nächste Etappe zu erreichen. Aber die Aussicht hat sich immer gelohnt“, sagt Frank Böde. Er und seine Frau Anke haben alle 222 Stempel im Harz erwandert und sind seit Mai diesen Jahres Wanderkaiser und Kaiserin der Harzer Wandernadel. Das hat vor ihnen im Landkreis Elbe-Elster noch keiner geschafft.

Harz statt Ägypten

„Der Vulkanausbruch von 2010 ist Schuld an allem“, sagt Frank Böde. Damals wollte das Ehepaar nach Ägypten fliegen. Doch aufgrund des Ausbruchs des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull sind am Reisetag sämtliche Flüge gestrichen worden. „Als Alternative haben wir unseren Sohn besucht und sind anschließend für eine Woche in den Harz gefahren“, sagt Anke Böde. Nach nur einer Woche Wandern erhalten die Lausitzer bereits das erste Abzeichen für acht Stempel. Damit ist der Ehrgeiz geweckt. „Zwölf Stempel haben wir in nur einer Woche geschafft. Da haben wir uns als Ziel vorgenommen, die restlichen 210 Stempel in den nächsten zehn Jahren zu holen“, sagt Frank Böde.

Sturm, Regen, Sonne, Schnee

Für das volle Stempelheft sind die beiden Lausitzer 900 Kilometer durch das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands gewandert. Jedes Jahr um den 3. Oktober herum macht Familie Böde eine Woche Urlaub im Harz und sammelt Wanderstempel. „Wettermäßig haben wir so ziemlich alles erlebt – Stürme, Regen, Sonnenschein und sogar Schnee“, sagt Frank Böde. Die Lausitzer bewältigen matschige, sandige, hügelige, steinige und verschneite Wege. In der gesamten Wanderzeit hat Anke Böde ein paar Wanderschuhe eingebüßt. „Es gibt Wanderer, die ihre 900 Kilometer in wenigen Wochen schaffen. Diesen Stress wollten wir uns aber nicht machen“, sagt sie. Das Ehepaar jagt nicht nur den Stempeln hinterher, sondern nimmt sich auch Zeit, den Harz von seiner erholsamen Seite kennenzulernen.

Unbekannte Ecken entdecken

Wie facettenreich das Mittelgebirge sein kann, erfuhren die Sonnewalder innerhalb eines Jahrzehnts. „Selbst wenn man glaubt den Harz zu kennen, findet man immer wieder neue Ecken, die man noch nicht kannte“, sagt Frank Böde. Die Teufelsmauer, die Talsperre Roter Stein oder die Sandhöhlen des Heeres sind den Wanderern besonders in Erinnerung geblieben. „Bei den Sandhöhlen war es, als würde plötzlich die Karibik mitten im Wald erscheinen – feinster Ostseesand zwischen den Tannen“, erinnert sich Anke Böde.

 Ein solcher Ausblick entschädigt jeden Wanderer.
Ein solcher Ausblick entschädigt jeden Wanderer. FOTO: Familie Böde / privat
 Hoch hinaus: Auf ihren Wanderungen haben die Lausitzer die vielen Gesichter des Harz sehen dürfen.
Hoch hinaus: Auf ihren Wanderungen haben die Lausitzer die vielen Gesichter des Harz sehen dürfen. FOTO: Anke Böde

Doch es lief nicht immer alles reibungslos. An der Hammerstein-Klippe im Jahr 2016 stürzt Anke Böde und verletzt sich leicht. „Das hat uns etwas zurückgeworfen. Die Strecke haben wir erst in diesem Jahr nachgeholt“, sagt Frank Böde. Das Ehepaar versucht immer so viele Stempel wie möglich in einer Tour zu bekommen – dafür laufen sie auch schon mal durch fünf Zentimeter hohes Wasser. Die längste Tour, 25 Kilometer durch das Bodetal, bezwangen sie im Jahr 2012. „Danach waren wir wirklich platt. Aber die sechs Stempel waren es auch wert“, sagen sie.

„Anke X.“ und „Frank XXXIII.“

In der Liste der Harzer Wanderkaiser stellt Frank Böde fest, dass erstaunlich wenige Brandenburger vertreten sind. „Eine Wanderin aus Calau haben wir sogar auf unserer Reise mal zufällig getroffen. Anhand der Postleitzahlen konnten wir aber sehen, dass niemand aus Elbe-Elster dabei war“, sagt er. Unter den kaiserlichen Namen „Anke X.“ und „Frank XXXIII.“ werden die beiden mit den Nummern 5639 und 5640 in der Kartei der Wanderkaiser geführt. Die „Krönung“ fand am 17. Mai, dem 33. Hochzeitstag, des Paares statt. „Wir haben es genauso geplant, dass wir uns pünktlich zu unserem Hochzeitstag die letzten sechs Stempel holen“, sagt Anke Böde. Die finale 16 Kilometer lange Tour endete in Hauskühnenburg.

 Den letzten Stemple hat sich das Paar in der Hauskühnenburg geholt.
Den letzten Stemple hat sich das Paar in der Hauskühnenburg geholt. FOTO: Frank Böde
 Anke X. und Frank XXXIII. sind jetzt stolze Wandermajestäten der Harzer Wandernadel.
Anke X. und Frank XXXIII. sind jetzt stolze Wandermajestäten der Harzer Wandernadel. FOTO: Familie Böde / privat

Die vergangenen zehn Jahre haben einen starken Einfluss auf die Sonnewalder gehabt. „Man lernt anders mit Zielen umzugehen und wie wichtig es ist, sich auch privat Ziele zu setzen“, betont Frank Böde. Anke Böde arbeitet in der Minijob-Zentrale in Cottbus und Frank Böde ist im Außendienst tätig. Für beide ist das Wandern ein willkommener Ausgleich zum Arbeitsalltag. „Wir haben die ganze Bandbreite der Natur kennengelernt und wie schützenswert sie ist“, sagt Anke Böde. Die kleinen Dinge schätzen zu lernen oder einfach mal stehenbleiben und etwas genauer hinzusehen, sind Werte, die man auf 900 Kilometern irgendwann verinnerlicht.