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Lebensmittelhändler will mehr Regionalwaren anbieten
Edeka kitzelt Direkterzeuger

Kennenlernrunde im Brauhaus Finsterwalde.
Kennenlernrunde im Brauhaus Finsterwalde. FOTO: Mona Claus/mcl1
Finsterwalde/Bad Liebenwerda. Wie sich die Zeiten wandeln: Erst beklagten sich Produzenten – zugegeben zumeist mit größerem Lieferausstoß – dass sie es schwer haben würden, in großen Handelsketten gelistet zu werden. Jetzt lockt die Edeka Minden/Hannover sogar die ganz kleinen Erzeuger an, ihre Produkte in heimischen Märkten, so auch in denen in Finsterwalde und Bad Liebenwerda, anzubieten. Frank Claus

Doch Marcus Reh, Edeka-Regionaleinkäufer für Berlin/Brandenburg und Sachsen-Anhalt, schränkt gleich ein: "Es muss sinnvoll sein. Für beide Seiten." Dass Edeka damit den Zahn der Zeit und vor allem der Nerv der Kunden trifft, bestätigen die Wachstumsraten. "Wir haben in unseren Märkten in Berlin und Brandenburg bereits mehr als 300 Lieferanten, zumeist kleinere." Was heißt kleinere? "Das kann auch schon ein Honig-Erzeuger sein, der 50 bis 100 Gläser anbietet", sagt Marcus Reh. Ein Regionalfenster wolle Edeka nicht etablieren. "Wir haben da andere Erfahrungen gemacht. Nehmen Sie das Beispiel Honig. Die Kunden suchen ihn dort, wo sie ihn bisher immer gefunden haben. Das heißt, wir stellen das regional erzeugte Produkt zu den anderen des Sortiments und der Kunde kann vergleichen."

Regionalität sei für die inhabergeführten Edeka-Märkte ein wichtiges Kriterium der Kundenzufriedenheit. Die Verbraucher würden diese Geschäfte als "ihre Märkte" schätzen. Dabei, so Marcus Reh, sei die Runde, die jetzt mit Direkterzeugern im Finsterwalder Brauhaus stattgefunden hat, ein erstes Abtasten gewesen. "Da ist nicht mehr eine riesige anonyme Handelskette, wir haben uns jetzt mal ins Gesicht geschaut", sagt Marcus Reh. Er erläuterte die Anforderungen zur Listung, zu Zertifizierungen, Audits, zum Scancode an der Ware und zur Lebensmittelauszeichnung.

Richtig Kohle auf die schwelende Glut der Direkterzeugung hat Pro Agro aufgelegt. Der Verband, der die Förderung des ländlichen Raumes zu seinem Beinamen gemacht hat.

Kristin Mäurer erklärt: "Es ist nach fünf Jahren unsere zweite Informationstour durch das Land. Wir wollen die Lebensmittelkette und die Direkterzeuger an einen Tisch bringen." Schon bei der Grünen Woche habe sich der gute Draht zur Edeka ausgezahlt. "Da führen wir 150 Edeka-Mitarbeiter durch die Brandenburghalle und machen sie mit Betrieben und Erzeugnissen des Landes vertraut", so die Pro-Agro-Mitarbeiterin.

In Elbe-Elster will Pro Agro noch deutlich aktiver werden. "Wir freuen uns, dass der Landkreis Fördermitglied im Verband geworden ist, und wollen etwas zurückgeben", sagt Kristin Mäurer. Sie lobt vor allem den Rückenwind, der von Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) kommt. Die nächsten Ziele jedenfalls sind abgesteckt: Pro Agro will bei der Direktvermarktung helfen und ist in die Vorbereitungen der Apfeltage in Döllingen, des Brauereifestes in Finsterwalde, des Traktorentreffens in Lindena und der Agreda in Elsterwerda schon jetzt eingebunden.

Informationen zur Vermarktung gibt Kristin Mäurer unter der Telefonnummer 033230 207733 und per Mail an maeurer@proagro.de