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| 02:41 Uhr

"Du musst denken wie ein Fisch!"

Martin Keil (rechts) bei der symbolischen Kescherübergabe an seinen Sohn Uwe.
Martin Keil (rechts) bei der symbolischen Kescherübergabe an seinen Sohn Uwe. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Lindena. Seit 42 Jahren sind die Keils aus Lindena Fischer, sie bewirtschaften 142 Hektar Teichfläche. Nun hat Martin Keil die Leitung des Betriebes seinem Sohn Uwe übertragen. Und der leistet jetzt Pionierarbeit und strebt eine "geschützte Satz- und Jungfischaufzucht" an. Torsten Pötzsch / top1

Herbstzeit ist Erntezeit, doch nicht nur die Bauern bringen den letzten Mais vom Feld, auch bei den Fischern der Region zeigt sich jetzt beim "Abfischen", was in den Teichen heranwuchs. Mit 30 Tonnen Karpfen rechnet die Teichwirtschaft "Hammermühle", hinzu kommen Hechte, Schleie und Zander. Doch nicht nur für den Tisch wird bei Keils, in der "Hammermühle" produziert, ein wesentliches Standbein ist die Aufzucht von Satzfischen und die gehen demnächst auf Reise nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und nach Bayern.

Insgesamt bewirtschaftet die Fischerfamilie Keil 142 Hektar Teichfläche und das immerhin seit 1972. Alles läuft derzeitig nach Plan und routiniert ab - dennoch hat sich etwas Wesentliches geändert: Fischer Martin Keil gab seinen kompletten Betrieb in die Hände seines Sohnes Uwe. "Für mich ein absoluter Glücksfall", sagt Martin Keil. "Mein Sohn interessiert sich schon von Kindesbeinen an für die Fischzucht. Schon als Sechsjähriger wollte er unbedingt Fischer werden." Das wurde er dann auch und sogar mit Diplom, denn Uwe Keil studierte an der Berliner Humboldt-Universität Fischwirtschaft und Gewässerökologie. Das Studium war sehr von Vorteil, denn auch die Fischzucht unterliegt einer permanenten Entwicklung und einem Wandel. Wer hier bestehen will, braucht Ideen, Wissen, kaufmännisches Know-how, Mut und eine bedingungslose Liebe zum Beruf und zur Natur.

"Man kann den Beruf eines Fischers erlernen", erklärt der Senior Martin Keil. "Doch damit ist man noch lange kein Fischer. Ich sage immer, um einen guten Fang zu machen, muss man denken wie ein Fisch."

Und Uwe Keil ergänzt: "Der Bauer sieht sein Vieh, sieht was es braucht, wie es sich entwickelt. Der Bauer lebt im gleichen Medium wie sein Vieh. Der Fisch lebt aber im Wasser und das verkompliziert die Sache, denn wir sehen ihn bei seiner Entwicklung nicht."

Große Probleme hat die Teichwirtschaft "Hammermühle" seit Jahren, wie alle Fischer im Land, mit dem Kormoran. Der Vogel zwingt Uwe Keil zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung seines Betriebes mit dem Ziel, einer "geschützten Satz- und Jungfischaufzucht".

"Als relativ kleiner Betrieb haben wir in jüngster Vergangenheit schon große Fortschritte machen können und ich übertreibe nicht, dass wir mit unserem Weg, nicht nur in Brandenburg, eine Vorreiterrolle spielen." So richtete man in einem nahe gelegenen Tagebaurestloch eine Pilotanlage ein und arbeitet hier eng mit der Brandenburger Technischen Universität und mit dem Institut für Binnenfischerei zusammen. Hier wird Pionierarbeit und Grundlagenforschung in der Futtermittelproduktion, ihrer Optimierung und in der modernen Aufzucht betrieben.

Uwe Keil ist sehr optimistisch und sein Vater Martin sieht "seinen" Betrieb auf einem guten Weg und in guten Händen. Ganz aus der Fischerei wird sich Martin Keil nicht zurückziehen, nicht zurückziehen wollen und können, zu schwer wiegt das Pfund seiner Erfahrungen. Und die gibt er gern an seinen Sohn weiter, auch wenn er jetzt nicht mehr alle Fäden in der Hand hält.