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| 12:28 Uhr

Umweltschützer warnen
Sterben Fische an der Kleinen Mühle?

 Idylle an den Teichen der Kleinen Mühle zwischen Drößig und Fischwasser.
Idylle an den Teichen der Kleinen Mühle zwischen Drößig und Fischwasser. FOTO: Dieter Babbe
Drößig/Fischwasser. Naturschützer behaupten, dass von der EUGAL in die Teiche an der Kleinen Mühle eingeleitete Grundwasser hätte zu einem Fischsterben geführt. Behörden sowie Betreiber der Teiche bestreiten das. Von Dieter Babbe

In die Kleine Mühle bei Drößig, ein aus mehreren Teichen bestehendes Naturparadies für viele Vögel und andere Tiere, ist im Zusammenhang mit dem Bau der Europäische Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) Grundwasser in erheblichen Mengen eingeleitet worden. Das ockerfarbene Wasser hat am Teichboden und auch an der Schilfkante braune Spuren hinterlassen – und den Tieren geschadet, behaupten jedenfalls Naturschützer. Sie sprechen sogar von einem großen Fischsterben. Behörden und der Betreiber der Teiche geben hingegen Entwarnung. Die LAUSITZER RUNDSCHAU ging der Sache nach, war mehrmals vor Ort, hat mit etlichen Naturfreunden wie Verantwortlichen gesprochen.

Viele tote Fische und ein halbes Dutzend Seeadler

„Das Wasser war durch die Einleitung völlig verockert“, verweist Sven Lange auf die breite braune Schilfkante am ersten Teich, in den der Graben fließt. Er spricht auch von „vielen toten Fischen“ und von einem ungewöhnlichen Schauspiel: Mehr als ein halbes Dutzend Seeadler kreisten über die Teiche der Kleinen Mühle – und er erklärt das so: „Die bei uns seltenen Vögel haben einen gedeckten Tisch und leichte Beute an den Teichen vorgefunden.“ An einem der Teiche schwammen, als sich LR mit Sven Lange hier traf, tatsächlich zahlreiche tote Fische auf der Wasseroberfläche, etliche lagen am Teichgrund. „Hier müsste zu der Jahreszeit ein Froschkonzert sein. Jetzt ist Stille, die Frösche haben wegen des sauren Wassers nicht gelaicht“, behauptet der Finsterwalder, der jede freie Minute nutzt, um in der Natur die Tiere zu beobachten – an der Kleinen Mühle ist er mindestens einmal in der Woche.

 Durch dieses Rohr floss braune, saure Brühe, behauptet Sven Lange. Der Finsterwalder nutzt jede freie Minute, um in der Natur Tiere zu beobachten.
Durch dieses Rohr floss braune, saure Brühe, behauptet Sven Lange. Der Finsterwalder nutzt jede freie Minute, um in der Natur Tiere zu beobachten. FOTO: Dieter Babbe

Grundwasser: erst dunkelbraun, dann glasklar

In der Tat ist zu Jahresbeginn Grundwasser in großer Menge, das bei Bauarbeiten zur Absenkung an der Gasleitung EUGAL im Süden von Finsterwalde abgepumpt werden musste, sieben Wochen lang in den Schiemenz-Mühlengraben eingeleitet worden. Der fließt in westlicher Richtung und endet in der Kleinen Mühle, wo er der einzige natürliche Zufluss für die einzigartige Teichlandschaft ist. Hier betreibt Fischer Uwe Keil seit vielen Jahren Fischwirtschaft mit Karpfen, Hechten und auch Schleien, die Teiche hat er von der Edelfisch GmbH in Peitz gepachtet.

 Fischer Uwe Keil vor dem Schiemenz-Mühlengraben: „Hier floss kein giftiges Wasser!“
Fischer Uwe Keil vor dem Schiemenz-Mühlengraben: „Hier floss kein giftiges Wasser!“ FOTO: Dieter Babbe

Richtig ist auch: „An den ersten drei Tagen der Einleitung kam das Wasser dunkelbraun an der Kleinen Mühle an, daher die Färbung an der Schilfkante“, sagt Uwe Keil, „ab dann war das Wasser aber bis zuletzt glasklar“. Doch von einem Schaden am Gewässer oder gar einem Fischsterben könne man keineswegs sprechen. Er habe mit den EUGAL-Leuten sogar verhandelt, damit die das abgepumpte Grundwasser nicht irgendwohin, sondern in den Schiemenz-Mühlengraben einleiten: „Endlich waren mal alle Teiche und sogar Gräben gefüllt, was es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben hat.“ Wegen der Niederschlagsknappheit der letzten Jahre müsse der Fischer die Gewässer jährlich mit dem Wasser der Schacke auffüllen, damit die Kleine Mühle nicht austrocknet – „und das auf eigene Kosten für mehrere tausend Euro“, betont Fischer Keil. Die Teiche der Kleinen Mühle seien so zu etwa 80 Prozent mit Schacke-Wasser gefüllt. „Die Schacke wäre auch schon längst ausgetrocknet, wenn hier Finsterwalde nicht das geklärte und somit saubere Wasser vom Klärwerk einleiten würde.“

Fischer Uwe Keil widerspricht

Von einem Fischsterben an der Kleine Mühle könne überhaupt keine Rede sein, „als das Grundwasser eingeleitet wurde, waren überhaupt keine Fische in den Teichen“, stellt Uwe Keil klar. Erst am 13. April, als die Einleitung längst beendet war, habe er 700 Kilogramm einjährige Karpfen ausgesetzt – „dass etwa 0,5 Prozent der Setzlinge sterben ist völlig normal und ist jedes Jahr so“. Der Fischer begründet das mit dem Transportstress der Tiere und mit dem Wechsel vom Hälter- ins Teichwasser. Die vielen Seeadler habe auch er beobachtet – „ein sehr imposantes Schauspiel am Himmel“, das sich Uwe Keil nicht erklären kann. Mit toten Fischen könne das aber nichts zu tun haben, „Seeadler sind keine ausgesprochenen Fischfresser“.

 Frisch eingesetzte Fische starben nicht durch Gift, sondern durch Stress, und das ist normal, sagt Fischer Uwe Keil.
Frisch eingesetzte Fische starben nicht durch Gift, sondern durch Stress, und das ist normal, sagt Fischer Uwe Keil. FOTO: Dieter Babbe

Das eingeleitete Grundwasser sei nicht giftig gewesen, stellt nicht nur der Fischer an Hand seiner Proben fest – „ich werde doch meine wirtschaftliche Grundlage nicht selbst zerstören!“ Auf RUNDSCHAU-Anfrage bestätigen auch die Behörden: Die Grundwassereinleitung hat zu keinen Schäden in der Kleinen Mühle geführt. Das kreisliche Umweltamt und das Landesamt für Umwelt haben am 23. Januar und noch einmal am 28. Februar gemeinsame Kontrollen an den Teichen vorgenommen, „hierbei wurde kein Fischsterben festgestellt“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Grundsätzlich liegt die Verantwortung im Planfeststellungsverfahren für den Bau der EUGAL-Gasleitung – und damit auch für die Grundwasserab- und -einleitung – beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe.

Vom Umweltamt genehmigt

„Der Grundwasserabfluss über den Schiemenz-Mühlengraben ist genehmigt“, teilt Torsten Schroschk von der Landesbehörde telefonisch mit. „Ungeachtet der Genehmigung bedarf jede Wassereinleitung außerdem der Freigabe durch das Landesumweltamt. Auch das ist in dem Fall erfolgt“, erklärt Schroschk.

Dass Froschkonzerte ausbleiben und Kröten in diesem Jahr auffällig weniger oder überhaupt nicht wandern, darüber klagen Naturfreunde auch aus anderen Regionen in ganz Deutschland. Amphibien-Experten wie Hartmut Sewullok aus Finsterwalde mutmaßen, dass es mit dem kalten Frühjahr zu tun haben könnte. „Sonst sind an der Kleinen Mühle tausende Kröten auf der Wanderung anzutreffen, in diesem Jahr kaum welche. Das hat aber nichts mit dem Wasser zu tun“, ist sich Hartmut Sewullok sicher. Doch Uwe Keil ist dennoch guter Hoffnung: Als er sich mit dem Autor dieses Beitrags an der Kleinen Mühle traf, erklangen die unverkennbaren Rufe der „streng geschützten“ Rotbauchunke. „Wo die zu Hause ist, da ist die Natur in Ordnung“, sagt der Fischer.

Nur ein Fehlalarm?

Auch wenn es sich in unserem Fall offensichtlich um einen Fehlalarm handelt, den Naturschützer ausgelöst haben – gut, dass es Menschen gibt, die aufpassen und auf der Hut sind, damit die Natur nicht unnötig Schaden nimmt. „Das ist eines der wenigen Paradiese für Tiere, die wir in unserer Region noch haben“, würdigt auch Karsten Machnik aus Finsterwalde, für den die Teiche der Kleinen Mühle das „zweite Zuhause“ sind: „Hier bin ich mehr als in meiner Wohnung.“ Auch Eckhard Müller aus Doberlug-Kirchhain trafen wir hier, er streift regelmäßig durch die Teichlandschaft und lauscht den Vögeln – der 80-Jährige war schon zu DDR-Zeiten in der Fachgruppe Ornithologie beim Kulturbund aktiv.

Ein einzigartiges Naturgebiet

Karlheinz Krengel aus Sorno, der bekannteste Vogelkundler beim Finsterwalder Naturschutzbund, schätzt die Kleine Mühle als „eines der wenigen erhaltenen Rückzugsgebiete für Vogelarten, die selten geworden sind“. Er hatte die Beobachtungen von Naturfreunden zur Wassereinleitung jüngst in einer NABU-Sitzung zur Sprache gebracht und sich die Situation vor Ort selbst angesehen.

„Die Teiche der Kleinen Mühle stehen unter einem besonderen Schutz, hier leben seltene Vogelarten, wie der Seeadler, und viele Vögel brüten hier“, stellt Karl-Ulrich Hennicke, der Vorsitzende des regionalen Vereins, fest. Naturfreunde, wie Hartmut Sewullock, kritisieren aber auch: „Wir müssten rechtzeitig und vorher informiert werden, wenn es solche Eingriffe in die Natur gibt – damit es nicht zu Gerüchten kommt.“ Ein Hinweis, der an die Adresse der Behörden geht.