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Drei Brüder im Babyglück

Die drei Scharf-Brüder: Sebastian, Hannes und Willi (v.l.) treiben die Geburtenstatistik in Schönborn nach oben. Alle drei wurden oder werden in diesem Jahr Vater.
Die drei Scharf-Brüder: Sebastian, Hannes und Willi (v.l.) treiben die Geburtenstatistik in Schönborn nach oben. Alle drei wurden oder werden in diesem Jahr Vater. FOTO: Heike Lehmann
Schönborn. Sebastian, Hannes und Willi Scharf leben gern mit ihren Familien in Schönborn. Alle drei werden in diesem Jahr Vater und sprechen von einem Babyboom im Ort. Heike Lehmann

Willi sagt: "Heimat ist Heimat. Die Landschaft, jede Straße hat ihren eigenen Charme." Willi ist der Jüngste der drei Scharf-Brüder. Er ist jetzt 25. Der älteste Bruder Sebastian - er ist 38 - bringt es für sich auf den Punkt: "Es zieht einen immer wieder zurück." Vor zwei Jahren ist er aus Bayern mit Lebenspartnerin und Kindern in sein Heimatdorf zurückgekehrt. Ohne die Arbeit zu wechseln. Der studierte Informatiker ist europaweit als IT-Berater im Außendienst unterwegs, kann aber dank schnellem Internet in Schönborn vieles von zu Hause aus erledigen. Und Hannes, mit 36 Jahren der Mittelste? Der war wie Willi nie weg.

Die drei Scharf-Brüder sind typisch für Schönborn. "Viele junge Leute, die einst weggegangen sind wegen der Arbeit, kommen wieder nach Schönborn, arbeiten von hier aus oder finden hier Arbeit, gründen Familien und bauen Häuser", freut sich auch der Schönborner Bürgermeister Daniel Mende.

Auch Sebastian, Hannes und Willi machen in Sachen Familienplanung Nägel mit Köpfen. Sebastian und Hannes haben ihre eigenen Häuser und - was die Eltern und die Oma, die vergangenen Sonntag 87 geworden ist, am meisten freut - beide wurden in diesem Jahr schon Vater. Im Mai erblickte Josef das Licht der Welt, drittes Kind für Sebastian. Am 26. Juni hat Hannes seinen Hans Hugo erstmals im Arm halten dürfen. Bei Willi wird sich das Babyglück im Dezember einstellen. "Allein in unserem Schönborner Freundeskreis kommen in diesem Jahr 14 Kinder zur Welt", haben sie mal zusammengezählt. Schönborn habe schließlich auch eine "super Kinderinfrastruktur", betont Hannes. Kita, Spielplatz, mehrere Vereine mit kindgerechten Angeboten, Arzt, Fleischer, Bäcker - alles da. Und bis zum Erlebnisbad in Tröbitz ist es auch nicht weit.

Die Söhne von Malermeister Scharf, der für sein Geschäft eine Nachfolgerin gefunden hat, sind fest verwurzelt im Ort. Ihre Jugend verbrachten sie im einst sehr aktiven Jugendklub Domizil. Hannes ist als Gemeindevertreter der Politiker unter ihnen und in seiner Freizeit leidenschaftlicher Schlagzeuger bei den Flying Rockets. Willi ist aktiv bei der Feuerwehr. Sebastian verstärkt die Fußball-Mannschaft der alten Herren.

Auch Hannes ist Informatiker und im Außendienst für Apotheken unterwegs. Willi, der gelernte IT-Systemelektroniker, muss zwar täglich nach Dresden fahren, hat aber als Referent für Sicherheit bei der Telekom überzeugt und ist für das Unternehmen seit zwei Monaten Referent für Betriebsmanagement. Jetzt kümmert er sich um die Firmenniederlassungen im ostdeutschen Raum. "Wir sehen also viel, auch Großstädte, sind aber gern wieder zu Hause", erklärt Hannes noch einmal das Heimatgefühl. Dazu gehört, dass man sich in Schönborn untereinander hilft. Ein Luxus sei, dass die Oma im Ort ist und sich um die Kinder kümmern kann. "Wenn mein Kumpel in Berlin joggen will, muss er immer den Kinderwagen vor sich herschieben", vergleicht Hannes.

Sebastian erinnert sich: "Die meisten von uns sind doch in den 90er-Jahren weggegangen." Und Hannes meint: "Aber jetzt sind viele wieder zurück in Elbe-Elster. Andere erkundigen sich nach Arbeit, weil es sie zurückzieht." In Schönborn werden sogar schon die Baugrundstücke knapp.

Zum Thema:
Am Donnerstag, 14. September, ist die LR vor Ort in Schönborn und stellt die Frage: Was macht Schönborn anders als die anderen? Beginn ist um 19 Uhr im Gemeindezentrum "Alte Schule". Der Eintritt ist frei.