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| 20:51 Uhr

Ein Sorgenkind der Stadt
Doberlug-Kirchhainer Bahnhofsgebäude sucht neue Nutzer

 Am Bahnhofsgebäude in Doberlug-Kirchhain wirbt ein Banner für Interessenten. Ein Briefkasten für Ideen ist am Bahnhof angebracht.
Am Bahnhofsgebäude in Doberlug-Kirchhain wirbt ein Banner für Interessenten. Ein Briefkasten für Ideen ist am Bahnhof angebracht. FOTO: Agentur Bahnstadt
Doberlug-Kirchhain. Die Stadt Doberlug-Kirchhain und die Agentur Bahnstadt laden am 30. Januar zu einer Ideenwerkstatt ein. Von Heike Lehmann

Das Bahnhofsgebäude ist seit 2013 im Besitz der Stadt Doberlug-Kirchhain und doch weitestgehend ungenutzt. Es mickert vor sich hin. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Nur in welche Richtung rollt der Zug der künftigen Nutzung? Welche Möglichkeiten bietet das Gebäude? Gibt es Interessenten? Und wenn ja, welche Ideen haben sie?

 Die einstige Gaststätte (Mitropa) im Bahnhofsgebäude.
Die einstige Gaststätte (Mitropa) im Bahnhofsgebäude. FOTO: Agentur Bahnstadt

Um das auszuloten und den Planungsprozess von Anfang an transparent zu gestalten, laden die Stadt Doberlug-Kirchhain und die Agentur Bahnstadt aus Berlin am Mittwoch, 30. Januar, um 18 Uhr zu einer Ideenwerkstatt in das Restaurant „Grüner Berg“ ein. „Wir erhoffen uns rege Teilnahme aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Aber auch interessierte Einwohner, Kauf- und Mietinteressenten sind willkommen“, sagt Kay Böhm von der Stadtverwaltung. Damit an dem Abend jeder eine Vorstellung hat, wovon eigentlich gesprochen wird, gibt es zuvor einen Tag der offenen Tür im Bahnhofsgebäude selbst. „Ab 14 Uhr können die zugänglichen, das heißt begehbaren Räume besichtigt werden“, so Kay Böhm. Treffpunkt ist vor der ehemaligen Mitropa von Gleis 1 aus.

 Das historische Treppenhaus.
Das historische Treppenhaus. FOTO: Agentur Bahnstadt

2007/08 hat die Stadt den Bahnhofsvorplatz neu gestaltet und attraktive, bahnsteignahe Park+Ride-Stellplätze für Pendler gebaut. Am und im Bahnhofsgebäude waren lange Zeit die Hände gebunden, weil es in Privathand war. 2013 hat es die Stadt ersteigert. Im integrierten Stadtentwicklungskonzept ist verankert, den Bahnhof zu einem langfristig gesicherten regionalen Mobilitätsknoten zu entwickeln. Dort kreuzen sich die Strecken Berlin – Dresden und Cottbus – Leipzig. Der Bahnhof wird durch die Regionalexpress-Züge zwischen Berlin und Elsterwerda, Leipzig und Cottbus sowie die Regionalbahnen zwischen Herzberg/Falkenberg und Cottbus bedient. Schon jetzt steigen in Doberlug-Kirchhain etwa 1000 Reisende werktags ein und aus. Und noch in diesem Jahr soll Doberlug-Kirchhain IC-Halt der Strecke Rostock – Berlin – Dresden werden. Vor dem Bahnhof halten Busse des ÖPNV. Es gibt überdachte und abschließbare Stellplätze für Fahrräder.

 Die frühere Wartehalle im Bahnhof.
Die frühere Wartehalle im Bahnhof. FOTO: Agentur Bahnstadt

Um im Gebäude, das teilweise sanierungsbedürftig ist, voran zu kommen, ist die Agentur Bahnstadt in Berlin beauftragt, ein Nutzungskonzept zu erstellen. Damit wurde im Herbst 2018 begonnen, im Sommer 2019 soll es vorliegen. Dilan Senftleben von der Agentur: „Wir haben mit der Stadt über die Zielstellung gesprochen, die Anlagen in Augenschein genommen und uns mit der DB Netz kurzgeschlossen, weil sich zum Teil noch technische Anlagen im Gebäude befinden. Bislang ist völlig offen, in welche Richtung eine Nutzung gehen könnte.“ Vieles sei aber denkbar, sagt er. Angefangen von einem Hostel, über eine Bäckerei oder Fahrkartenverkauf plus Kiosk. Es geht immerhin um knapp 800 Quadratmeter Nutzfläche vom Erdgeschoss bis zum 2. Obergeschoss. Die vermietete Wohnung (98 m2) wird bestehen bleiben. Stephan Wilhelm, Geschäftsführer der Agentur Bahnstadt, bekräftigt: „Wir wollen nichts für die Schublade konzipieren und hoffen auf die Unternehmen vor Ort. Ich bin optimistisch, denn eigentlich müsste das der Hauptbahnhof von Elbe-Elster sein, so günstig wie er liegt.“

Noch bis zum 15. Februar läuft ein Interessensbekundungsverfahren für die Flächen im Bahnhofsgebäude unter www.bahnhof-doki.de. Dort kann man sich auch über Lösungen andernorts informieren. So sind im Lübbenauer Bahnhof Reisecenter mit Touristeninfo, Fahrradverleih und Spreewaldshop, Erlebnisgastronomie und Pensionszimmer untergebracht.

„Man muss realistisch bleiben. Es ist kein Bahnhof in Hamburg oder Berlin. Wir haben Ideen und die Stadt hat Ideen, aber wir wollen erst bestehende Interessen abklopfen“, sagt Dilan Senftleben. „Wir sind in der Findungsphase und wollen möglichst alle mit ins Boot holen“, meint auch Kay Böhm.

30. Januar: Ideenwerkstatt – 18 Uhr, „Grüner Berg“; Tag der offenen Tür im Bahnhofsgebäude ab 14 Uhr