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| 15:31 Uhr

Aktuell diskutiert
Doberlug-Kirchhain hat ein Brückenproblem

 Die Brücke in der Finsterwalder Straße von Doberlug-Kirchhain ist stark frequentiert, aber ein Nadelöhr mit großen Verkehrsunsicherheiten. Eine Erneuerung und Verbreiterung würde hier die Chance für einen sicheren Schulweg bieten.
Die Brücke in der Finsterwalder Straße von Doberlug-Kirchhain ist stark frequentiert, aber ein Nadelöhr mit großen Verkehrsunsicherheiten. Eine Erneuerung und Verbreiterung würde hier die Chance für einen sicheren Schulweg bieten. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Es scheint wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Deutsche Bahn will in Doberlug-Kirchhain Brücken erneuern. Um nicht in Millionenhöhe dafür bluten zu müssen, sucht die Stadt nach einem Ausweg. Wie viel aber ist den Einwohnern zuzumuten? Von Heike Lehmann

Im Rahmen des Streckausbaus Berlin-Dresden will die Deutsche Bahn in den Jahren 2025 bis 2028 die Brückenbauwerke in der Cottbuser Straße, der Finsterwalder Straße, der Südstraße und über die L 60 am Bahnhof erneuern – natürlich nach neuesten technologischen Anforderungen. Das hat Folgen für deren lichte Höhen und Breiten und würde – nach den Vorstellungen der Bahn – und nur für die Bauwerke in der Cottbuser, der Finsterwalder und der Südstraße insgesamt etwa 5,7 Millionen Euro netto kosten. Für die Finsterwalder und auch für die Südstraße sieht die Bahn künftig den Begegnungsfall Bus/Bus vor.

Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz ist die Stadt zu einem Drittel an den Kosten zu beteiligen. „Alle Muss-Forderungen der Bahn zusammengerechnet ergäben einen Anteil für die Stadt von 4,35 Millionen Euro“, umriss Bürgermeister Bodo Broszinski das Ausmaß des Brückenproblems. Das rollt zu einer Zeit auf die Stadt zu, wo eigentlich mit Erweiterungen für Schule und Hort wichtigere Herausforderungen anstehen.

Es war die Idee der Stadtverordneten, mit einem veränderten Verkehrsfluss diese drohende finanzielle Belastung zu reduzieren. Die Deutsche Bahn und der Landesbetrieb Straßenwesen teilten diesen Ansatz. Das Planungsbüro Brenner Bernard lngenieure Dresden wurde beauftragt,  ein Verkehrskonzept zu erstellen. Erste inhaltliche Ansätze wurden am Freitagabend im Refektorium vorgestellt – ergebnisoffen, wie es hieß. Knapp 40 interessierte Einwohner nutzten die Chance, ihre Bedenken und Vorschläge einzubringen.

 Die Brücke in der Südstraße will die Bahn so ausbauen, dass sich zwei Busse begegnen können. Müssen dort überhaupt Busse durch?, fragt die WBU-LUN
Die Brücke in der Südstraße will die Bahn so ausbauen, dass sich zwei Busse begegnen können. Müssen dort überhaupt Busse durch?, fragt die WBU-LUN FOTO: Heike Lehmann

Philipp Röllig vom Dresdner Planungsbüro stützte sich auf verschiedene Verkehrszählungen bei der Ableitung eines Verkehrsmodells. Danach wird die Brücke in der Finsterwalder Straße am stärksten von Kraftfahrzeugen, Radfahrern und Fußgängern frequentiert. Das ist für niemanden im Saal wirklich eine Überraschung und stützt die Aussage vom Bürgermeister: „Die Brücke in der Finsterwalder Straße liegt uns seit Jahren am Herzen. Hier gibt es Konsens, sie so zu verändern, dass wir den Schulweg sicherer machen.“

Durchgespielt wird, welche verkehrlichen Konsequenzen es hätte, wenn Brücken für Kraftfahrzeuge ganz geschlossen würden? Wie weit ließe sich das Konzept der Deutschen Bahn „abspecken“? „Die Unterschiede sind gewaltig“, sagt Uwe Frost vom Planungsbüro. Für den Begegnungsfall Bus/Pkw statt Bus/Bus in der Finsterwalder Straße stünden „nur“ noch 1,25 Millionen Euro im Raum. Ohne Kfz-Verkehr könnte die Brücke in der Cottbuser Straße im Bestand erneuert werden, was keinerlei Kosten für die Stadt bedeuten würde. Wie aber kommen dann die Anlieger zu ihren Grundstücken? Was rechtfertigt die Reduzierung der städtischen Gesamtsumme von 4,35 auf drei oder gar 1,6 Millionen Euro?

Der Stadtverordnete Frank Neczkiewicz (WBU/LUN) sieht bei den Planungsansätzen „handwerklich noch viel Luft nach oben“. Er habe nicht gedacht, dass „ernsthaft über Brückenschließung geredet“ werde. Er glaubt, es geht alles billiger und ohne Einschränkungen für Einwohner. Gert Fest und Klaus Rippe von der gleichen Fraktion wollen den Busverkehr ganz von der Südstraße verbannen, die Cottbuser Straße aber für Pkw offen halten. Das Planungsbüro verwies auf schwierige Rechtslagen und gab den Hinweis, das Sonderlösungen, die dem Regelwerk nicht entsprechen, von Genehmigungen abhängig seien. Die größte Unbekannte blieb an diesem Abend dann auch die Haltung von Eisenbahnbundesamt und Straßenverkehrsamt zu allen Planspielen.

 Die Brücke in der Cottbuser Straße wäre in der jetzigen Größe nicht mehr zulässig für Pkw.
Die Brücke in der Cottbuser Straße wäre in der jetzigen Größe nicht mehr zulässig für Pkw. FOTO: Heike Lehmann

Andrea Koppen hinterfragte, ob für die Stadt neben den Brückenkosten auch noch Straßenbaukosten anfallen würden? Wenn man es intelligent betreiben möchte, werde dies nicht ausbleiben, so Broszinski.

Auch wenn für die weitere Diskussion jetzt nicht unbegrenzt Zeit bleibt, versicherte das Stadtoberhaupt: „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Das fertige Verkehrskonzept geht auf jeden Fall noch in den Fachausschuss, bevor Entscheidungen gefällt werden.“