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| 10:53 Uhr

Viele Finsterwalder sehen neuen Sport kritisch
Disc-Golf in der Bürgerheide: Zu teuer, zu gefährlich, zu destruktiv?

 Disc-Golf-spieler wie Markus Mestel aus München spielen erste Runden auf dem Kurs in Finsterwalde.
Disc-Golf-spieler wie Markus Mestel aus München spielen erste Runden auf dem Kurs in Finsterwalde. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Finsterwalde. Bevor in der Bürgerheide an diesem Wochenende zum ersten Mal Disc-Golf gespielt wird, zweifeln viele Finsterwalder weiter an der Sinnhaftigkeit und Umweltverträglichkeit der Anlage. Von Daniel Roßbach

An diesem Wochenende wird in der Finsterwalder Bürgerheide zum ersten Mal Disc-Golf gespielt. Doch während sich die Anhänger der Nischen-Sportart auch über Finsterwalde hinaus auf den neuen Kurs freuen, sehen in Finsterwalde viele Menschen die neue Anlage weiter kritisch. Neben den Kosten der von der Stadt Finsterwalde angelegten und getragenen Sportanlage machen sie sich vor allem Sorgen um die Auswirkungen auf den Stadtwald Bürgerheide, ein Landschaftsschutzgebiet, in dem die Anlage liegt.

Vor allem Baumarbeiten waren teuer

Gut 180 000 Euro kostete die Anlage gemäß dem Beschluss, den die Stadtverordnetenversammlung (SVV) im November 2018 mit deutlicher Mehrheit gefasst hat. Weitere 30 000 Euro jährlich wurden für den Unterhalt eingeplant. Mit 115 000 Euro entfällt der überwiegende Teil der Kosten den Unterlagen zu Folge auf die „Herrichtung des Baumbestandes“ im Bereich der 18 Bahnen umfassenden Anlage.

 Nummer 15 ist eine der Bahnen im Wald: 41 Bäume mussten für diese Bahn bearbeitet, 37 „abgängige Kiefern und Birken“ gefällt, zwei Stämme beräumt werden. Allein aus diesen Arbeiten resultieren veranschlagte Kosten von 12 024 Euro.
Nummer 15 ist eine der Bahnen im Wald: 41 Bäume mussten für diese Bahn bearbeitet, 37 „abgängige Kiefern und Birken“ gefällt, zwei Stämme beräumt werden. Allein aus diesen Arbeiten resultieren veranschlagte Kosten von 12 024 Euro. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Zur Sprache kommt dabei oft, dass es sich bei der Interessengemeinschaft, die inzwischen zum Verein „Discgonauts“ wurde, um eine kleine Gruppe handele. Damit, dass die breite Bevölkerung den Sport annimmt, rechnen viele Finsterwalder nicht. In seinem Sportgeschäft habe sich noch niemand nach Geräten dafür erkundigt, sagt etwa Steffen Zikoll

„Der gesunde Baumbestand bleibt unantastbar“

Zu diesen Arbeiten gehörte der Beschlussvorlage nach auch, insgesamt 131 Bäume zu fällen – die große Mehrzahl (106 Bäume) im Bereich der Bahnen Nummer 13 bis 18, die zwischen dem Tierpark und den Siebenbrunnen liegen.

 Die Disc-Golf Anlage wird an diesem Wochenende offiziell eröffnet.
Die Disc-Golf Anlage wird an diesem Wochenende offiziell eröffnet. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Bei all diesen Bäumen habe es sich um „abgängige Fichten, Kiefern und Birken“ sowie Totbäume gehandelt, hieß es in der Beschlussvorlage der SVV. Der Verlauf der Bahnen sei so gewählt, dass „der gesunde Baumbestand in der Bürgerheide unantastbar bleibt“ und „besonders schützenswerte Bereiche“ dabei nicht tangiert würden.

Bürger wie Ina und Steffen Zikoll, die regelmäßig den Wald zur Erholung nutzen und sich die Bahnen genau angesehen haben, zweifeln jedoch an dieser Darstellung.

In dem Beschluss der SVV ist auch festgehalten, dass zum Ausgleich des Eingriffs anderswo auf 2300 m² Aufforstung stattfinden soll. Das kann „infolge bestehender Rechte erst 2020“ geschehen.

Auch Sicherheitsbedenken bestehen weiter

 Einer der Zielkörbe auf der Anlage.
Einer der Zielkörbe auf der Anlage. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Auch die Sicherheit von Passanten im Umfeld der Spielbahnen sehen Bürgerinnen wie Carmen König, die das Vorhaben kritisch sehen, durch den Sport gefährdert.

Die Disc-Golf-Spieler wie Marko Ziske betonen, dass darauf zu achten, dass die Bahn frei ist, bevor man wirft, oberstes Gebot sei. Daran, dass das an allen Stellen des Parcours umgesetzt werden kann, bestehen jedoch Zweifel.

An einigen Stellen seien nahe an den Bahnen gelegene Wege schlecht einsehbar, gerade Läufer oder Radfahrende unter Umständen nicht rechtzeitig zu sehen, sagt etwa Peter Glöckner aus Finsterwalde.

Studien zur Umweltverträglichkeit von Disc-Golf

Wissenschaftliche Studien in den USA haben sich mit Disc-Golf und den Umwelteinflüssen der Sportart beschäftigt. Dabei wurde gezeigt, dass der Sport einen Einfluss auf die Umwelt in der Umgebung hat. So tragen Spielende zu Bodenerosion bei und beschädigen Pflanzen, unter anderem damit, dass ihre Scheiben die Rinden von Bäumen beschädigen. Allerdings wurde auch festgestellt, dass die Sportler sich den Orten, an denen sie spielen, verbunden fühlen und gewillt sind, ihr Verhalten möglichst umweltschonend zu gestalten.