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Diese Mädchen verstehen die Welt

Das erfolgreiche Geschichtsteam: Helene Reiche und Josephine Mischur (vorn v.l.) sowie Nadia Alexa Wolf, Tutorin Birgit Neidnicht, Catalina Kuntzsch, Talea Schultz und Weda Julia Morawietz (hinten v.l.). Sie dürfen am 21. September ihren Preis entgegennehmen in der Staatskanzlei Potsdam.
Das erfolgreiche Geschichtsteam: Helene Reiche und Josephine Mischur (vorn v.l.) sowie Nadia Alexa Wolf, Tutorin Birgit Neidnicht, Catalina Kuntzsch, Talea Schultz und Weda Julia Morawietz (hinten v.l.). Sie dürfen am 21. September ihren Preis entgegennehmen in der Staatskanzlei Potsdam. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Zum wiederholten Mal hat das Finsterwalder Sängerstadt-Gymnasium am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten der Körber-Stiftung teilgenommen. Mit dem Thema "Gott und die Welt – Religion macht Geschichte" setzten sich diesmal sechs Mädchen der 5. Jürgen Weser / jgw1

Klasse ausein ander. Sie gehören zu den fünf Schulen, die als Landessieger in Brandenburg gekürt werden.

"Mit dem Preis haben wir nie und nimmer gerechnet", sind Catalina Kuntzsch, Josephine Mischur, Weda Julia Morawietz, Helene Reiche, Talea Schultz und Nadia Alexa Wolf aus der Leistungs- und Begabungsklasse des Sängerstadt-Gymnasiums glücklich. Das Ergebnis ist besonders bemerkenswert, da sich das jüngste Teilnehmerteam, das Geschichtslehrerin Birgit Neidnicht bisher an den Start geschickt hat, unter 43 Beiträgen behaupten konnte. "Wir haben erst seit diesem Schuljahr Geschichte als Unterrichtsfach und wollten den Wettbewerb ausprobieren. Frau Neidnicht hat uns dazu inspiriert", sprudelt es aus den Mädchen heraus. Diese Begeisterungsfähigkeit und Neugier auf Neues war wohl ein Grund für ihren Erfolg. "Einfach war die Arbeit am Projekt nicht, da wir aus Massen, Babben, Luckau, Frankena, Crinitz und Schlieben kommen und das Projekt vor allem außerhalb des Unterrichts bewältigen mussten", so die Schülerinnen weiter.

Das Thema habe sie alle interessiert trotz unterschiedlicher Voraussetzungen zu Religion und Glauben. Während Talea und Helene zum Beispiel mehrere Jahre die Christenlehre besucht haben, "habe ich vorher nichts mit Christentum zu tun gehabt", erklärt Catalina. "Die Unterschiedlichkeit förderte ihre Arbeit. So konnten sie ganz verschiedene Ansichten einfließen lassen", sagt Birgit Neidnicht. Die konkrete Themenfindung war schwierig, erzählen die Mädchen. Einen Kalender oder eine Fernsehshow entwickeln wollten sie zunächst. Schließlich half das Foto eines Mitschülers, der im Bücherregal die Bibel neben Karl Marx "Kapital" entdeckt hatte. "Die Bibel steht neben dem Kapital - Unsere Region eine Glaubenswüste?" heißt das 20 Seiten dicke Heft, das als Ergebnis ihrer Forschungsarbeit von September bis zum Februar entstanden ist.

Die Schülerinnen forschten in ihren Familiengeschichten, suchten Spuren des Glaubens in den Heimatorten und nach Ursachen für die "Glaubenswüste", fanden christliches Brauchtum, setzten sich mit eigenen Sichten auf Gott und die Welt auseinander und führten unter Mitschülern, Lehrern, Freunden und Verwandten eine Befragung durch. Entstanden ist eine äußerst lesenswerte Arbeit, welche die Vielfältigkeit von Glauben und Nichtglauben erfasst hat, dass Religionen weiter Bestandteil der Gesellschaft auch in unserer Region sind und Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensansichten, Religionen und Atheismus notwendig ist. Die Mädchen fiebern dem 21. September entgegen, wenn sie in der Staatskanzlei Potsdam ihren Preis entgegennehmen können. Für sie steht fest: "Beim nächsten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten sind wir wieder dabei!"

Für Birgit Neidnicht ist die Fahrt nach Potsdam zur Auszeichnung nicht neu. Sie fördert den Geschichtswettbewerb der Körber-Stiftung, für den in diesem Jahr bundesweit 1639 Beiträge eingereicht wurden, seit 2006 und hat mehrere Preisträger betreut. Auch Ehemann Bernhard Neidnicht freut sich als Tutor am OSZ I Cottbus über Preisträger. Malena Strenger aus dem Abiturjahrgang hat in Folge eines Praktikums am Finsterwalder Sängermuseum die "Reformation des Gesangs am Beispiel von Finsterwalde" bearbeitet. Dazu kommen zwei Förderpreise für seine Schülerinnen.

Ein Förderpreis geht auch in die Kreisstadt nach Herzberg für Kerstin Schuster von der Grund- und Oberschule Johannes Clajus. "Spielt Gott auch in meiner kleinen Welt eine Rolle?", heißt ihr Wettbewerbsbeitrag. Anerkennung zollt Geschichtslehrerin Birgit Neidnicht den Achtklässlerinnen Franka Ohme und Lilly Müller sowie Lena Michler aus der Klassenstufe 12 am Sängerstadt-Gymnasium, die sich den Wettbewerbsanforderungen gestellt haben: Lena Michler mit einer Arbeit über das Schicksal der jüdischen Familie Galliner in Finsterwalde.