(pm/leh) Es ist die Zeit, als auch in Finsterwalde tausende Menschen auf dem Marktplatz, auf den Straßen und in der Kirche sind. Sie kritisieren die Zustände in der DDR, vor allem, dass es nicht alles zu kaufen gibt, dass sie sich von der Stasi überwacht fühlen, dass sie nicht in den Westen reisen und nicht offen sagen dürfen, was ihnen nicht gefällt. Mittendrin Markus Melke – seine Schwester und Vater schiebt ihn im Kinderwagen durch die damalige Wilhelm-Pieck-Straße, heute Brandenburger Straße. Die meisten im Demonstrationszug wollen eine bessere DDR, einige aber auch den schnellen Anschluss an die Bundesrepublik. Dazu kam es dann bereits ein Jahr später auch.

Das war für die Menschen auch in Finsterwalde die Wende – für die meisten beruflich, aber auch privat. Viele Leute verloren die Arbeit, vor allem die Jungen zogen in den Westen, die Hierbleiber sind heute auch 30 Jahre älter, und viele wieder unzufrieden mit den Verhältnissen in Deutschland. Drei Jahrzehnte nach der Wende erinnert die Evangelische Kirchengemeinde Finsterwalde in der diesjährigen Friedensdekade an die friedliche Revolution in der DDR und auch in Finsterwalde. Zeitzeugen erzählen von damals und suchen mit Besuchern das Gespräch auch zum Heute, über erfüllte und enttäuschte Hoffnungen. Und ob denn die Wende tatsächlich noch vollendet werden muss.

Drei Wochen vor der diesjährigen Friedensdekade lädt die Kirchengemeinde zu einem öffentlichen Pressegespräch am Dienstag, 22. Oktober, um 17 Uhr in den Gemeinderaum Arche ein. Mit dabei in dieser Runde mit Journalisten sind auch Johannes Wohmann, ein Mitbegründer des Neuen Forum und später erster Nachwende-Bürgermeister von Finsterwalde, Pfarrer Michael Wolf, damals einer der Organisatoren der Friedensgebete sowie Demos und Kundgebungen, Pfarrer Klaus Geese, einer der Retter von Sallgast, die das Dorf vor den Kohlebaggern bewahrt haben, auch Dieter Babbe, damals Redakteur bei der Lausitzer Rundschau, die erst zögerlich und dann hautnah von den täglichen Veränderungen berichtet hat.

Und mit dabei ist auch Markus Melke, der einst kleine Junge aus dem Kinderwagen, im Wendejahr 1989 geboren, der inzwischen als Jugendwart in der Kirchengemeinde tätig ist. Er organisiert seit ein paar Jahren die Friedensdekade und er berichtet beim Pressegespräch, was vom 10. bis 17. November, unter dem Dach der Kirche noch alles stattfindet.

Dienstag, 17 Uhr, Arche, Eintritt frei.