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Die Waltons spielten wie '89 in Lugau

Die Waltons – für einen Song wieder auf der Lugauer Bühne.
Die Waltons – für einen Song wieder auf der Lugauer Bühne. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Lugau. Für die Dokumentation "Lugau City Lights" wurde eine Woche im Dorf bei Doberlug-Kirchhain und anderen Originalschauplätzen gedreht. Alexander Kühnes Roman dient als Vorlage. Torsten Pötzsch

(top1) Bis auf den Veranstaltungsort, dem Lugauer "Landei", war bei einem Konzert am vergangenen Samstag nichts normal. Auf der Bühne stand eine Band, die es so gar nicht mehr gibt, gespielt wurde nur ein Song und der mehrmals und das alles schon gegen 15 Uhr. Und trotzdem kamen die Gäste aus allen Himmelsrichtungen, kannten sich untereinander sehr gut und schwelgten in "alten Zeiten".

Der Grund für den ganzen Auflauf und Aufwand, die Dreharbeiten für die Dokumentation "Lugau City Lights". Die literarische Grundlage ist Alexander Kühnes autobiografischer Roman "Düsterbusch City Lights", in dem er seinem Dorf, Doberlug-Kirchhain und Finsterwalde ein etwas anderes literarisches Denkmal gesetzt hat. Im Mittelpunkt des Romans steht die Organisation eines illegalen Konzerts mit einer "Westband", im Sommer 89. Die Band waren die Waltons und die standen am Samstag wieder in der Urbesetzung auf der Landeibühne. Eine Woche lang wurde in und um Lugau gedreht, immer an Originalschauplätzen und immer mit den Akteuren von damals. Auf diese Dokumentation, die kommendes Jahr fertig sein wird, darf man wirklich gespannt sein.

Die verantwortliche Produzentin, Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel, kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. "Wir machen das alles hier wirklich in starker Anlehnung an Alexander Kühnes Roman, lassen aber die Fiktion weg und wollen zeigen, wie es wirklich war. Persönlich finde ich das ganz wichtig, denn der Geist lebt noch und hat viele Menschen tief geprägt, wie man heute sieht und wie ich es die ganze Woche über erfahren durfte. Und ich bin von Land und Leuten wirklich stark beeindruckt."

Sichtlich beeindruckt von der Idee und der Atmosphäre zeigten sich auch die Hauptakteure, Jack Palminger alias Jim Bob Walton am Schlagzeug, Andreas Willing alias Jason Walton am Bass und Andreas Willing alias John Boy Walton an der Gitarre. Sie gingen nicht auf die Bühne, sie schritten, griffen sich ihre Instrumente und dann gab es für die Kamera und natürlich für die Gäste immer wieder nur den einen Song, der die Waltons berühmt machte, "Christmas time in Waltons mountains".

Wie vor fast drei Jahrzehnten sprang der Funke sofort über, auch wenn die Umstände gestellt und konstruiert waren. "Es ist wie eine Zeitreise, einfach toll, da bekommt man richtig Gänsehaut", so Bassist Andreas Willing. "Wir waren damals abenteuerlustig, wahrscheinlich etwas naiv, wussten nur, dass es gut wird, und hatten in Alex und seine Gefährten volles Vertrauen." Jack Palminger ergänzte: "In Ostberlin hatten wir schon ein paar illegale Gigs gehabt, aber nie in der Provinz. Es war alles ziemlich surreal und was wir nie vermutet hatten, es war knüppelvoll, als wir auf die Bühne gingen."

Gedankenversunken und leise in sich hinein lächelnd stand Alexander Kühne am Rand und betrachtete "sein Werk". Auf die Frage, ob der denn zufrieden sei, kam ein kurzes Kopfnicken und ein nachdrückliches: "Natürlich! Voll!". Und so ging es auch den Gästen, zumal sie mit dem Gefühl wieder abreisten, an etwas Ungewöhnlichem teilgenommen zu haben. So wie damals, im Sommer 89.