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| 01:02 Uhr

Die starken Männer von Münchhausen

MÜNCHHAUSEN.. Heute vor 75 Jahren ließ der Münchhausener Richard Schulze über eine Anzeige in der Tagespresse verkünden, dass er seine „Schmiede für Hufbeschlag und Wagenbau“ eröffnet hat. Den Beruf des Schmieds gibt es heute nicht mehr, der heißt nun neudeutsch „Metallbauer“, die Männer der Familie Schulze sind dagegen mit eiserner Tradition dem Metall treu geblieben und Thomas Schulze betreibt in dritter Generation das Familienunternehmen. Von Torsten Pötzsch

Übernommen hat Thomas Schulze den Betrieb von seinem Vater Siegfried, der allerdings den Schmiedehammer noch nicht aus der Hand gelegt hat und nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat seinem Sohn zur Seite steht. Der Zufall wollte es dabei, dass die Schmiede aller 33 Jahre vom Vater auf den Sohn überging.
Drei Meisterbriefe aus drei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen zieren das Büro, Stempel und Berufsbezeichnung haben sich geändert, doch der Inhalt der Arbeit ist aus Sicht der starken Männer eigentlich der gleiche geblieben. Unter sich, wie auch von ganz normalen Bürgern, nennen sie sich immer noch Schmiede. "Wir machen alles, was man aus Stahl machen kann, und da sind die Möglichkeiten fast unerschöpflich", schwärmt der Münchhausener Thomas Schulze von seinem Berufsstand.

Papierkram statt Schmiedefeuer
Doch anstatt am Schmiedefeuer zu stehen, muss er immer öfter Hammer und Amboss links liegen lassen und mit dem Computer tauschen. Der "Papierkram" ärgert den Juniorchef am meisten, hält er ihn doch vom wesentlichen Geschäft ab. "Für unseren Beruf ist nach wie vor physische Kraft gefragt, aber auch Köpfchen, denn die Wünsche und Ansprüche der Kunden werden immer komplizierter und größer." Schön findet er an seinem Beruf, dass selten die gleiche Arbeit gemacht wird und es täglich eine neue Herausforderung gibt. Die Münchhausener Schmiede bedienen dabei heute eine breite Kundschaft, die aus der Industrie kommt, aus anderen Gewerken, aber immer seltener, ist auch Privatkundschaft dabei. "Allerdings können wir von Aufträgen, die aus der Region kommen, wirtschaftlich nicht mehr überleben - und so sind wir viel unt erwegs."
Einfach war es für die Schulzes nie. "Vor der Wende mussten wir uns über Aufträge keine Gedanken machen, dafür über die Materialbeschaffung. Heute ist das alles genau umgekehrt", so der Seniorchef Siegfried Schulze. Mit seinen 66 Jahren geht er auch noch auf Reisen, bezeichnet es aber nach eigenem Bekunden als "Hobby". Siegfried Schulze kann noch richtige Hufeisen schmieden und sie passgenau ans Pferd bringen. Das bringt ihm Stammkundschaft in der Region, und wenn es nötig ist, macht er sich mit seiner Feldschmiede auf den Weg und löst das Problem. Viele Pferdehalter schwören auf seine Arbeit und möchten sie nicht missen.

Heute ist Feierstimmung
Zwei richtige Schmiedefeuer lodern noch in der Münchhausener Werkstatt, doch heute werden sie wohl kalt bleiben. Obwohl die Auftragslage "im Augenblick etwas günstiger ist und wir unter Termindruck stehen", will man nur die nötigsten Arbeiten am Vormittag erledigen und dann mit Familienangehörigen, Mitarbeitern, Freunden und einigen Kunden eine kleine Party feiern. "Wir haben nichts Großes geplant, denken aber, wenn man 75 wird, ist das schon ein Grund zum Feiern." Dem kann man nur zustimmen und den starken Männern zu ihrer eisernen Tradition, ihrem handwerklichen Geschick und Durchhaltevermögen gratulieren.