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| 17:52 Uhr

Einkaufen in Finsterwalde
Der Einzelhandel soll wieder florieren

 Buchhändler Torsten Mayer kassiert seinen Kunden Lother Wunderlich ab. Viele Finsterwalder meiden den Online-Handel und möchten noch persönlich bedient werden.
Buchhändler Torsten Mayer kassiert seinen Kunden Lother Wunderlich ab. Viele Finsterwalder meiden den Online-Handel und möchten noch persönlich bedient werden. FOTO: LR / Jenny Theiler
Finsterwalde. Ein Marktforschungs­institut hat sich mit dem Einkaufsverhalten in Finsterwalde auseinandergesetzt und ein Konzept entwickelt, das für die Einzelhandelsentwicklung maßgebend sein soll. Die Händler betrachten die Untersuchungsergebnisse mit gemischten Gefühlen. Von Jenny Theiler

Man muss zum Einkaufen nicht in die großen Metropolen fahren. Dass auch Kleinstädte ihre Bewohner gut versorgen können, beweist die Sängerstadt seit jeher. Dennoch hat sich auch in Finsterwalde viel verändert – weniger Einwohner, steigende Arbeitslosigkeit und viele Geschäfte, die schließen mussten. All das führte dazu, dass die einst so lebendige Innenstadt nach der Wende allmählich immer leerer wurde.

Im Jahr 2017 wurde die Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes von 2009 beschlossen. Vor wenigen Tagen ist das fertige Konzept durch die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) beim Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Bauen vorgestellt und durch die Stadt gebilligt worden. Die umfangreiche Ausarbeitung beschreibt das Kaufverhalten, die wirtschaftlichen Gegebenheiten und die allgemeine Marktsituation in Finsterwalde.

Mit dem Einzelhandelskonzept soll die mittelzentrale Versorgungssituation der Stadt gesichert werden. Zudem möchte man die Innenstadt weiterentwickeln und attraktiver gestalten und die wohnortnahe Versorgung sichern.

Das Einkaufsangebot in Finsterwalde umfasst laut GMA alle Bedarfsbereiche. Besonders stark frequentiert sind Bekleidungs-, Uhren- und Schmuckgeschäfte. Die Versorgung durch Lebensmittelmärkte ist in der Sängerstadt sogar überdurchschnittlich gut. In den Bereichen Leipziger Straße, Markt und Lange Straße sind 59 Prozent aller Geschäfte verortet. Diese machen tatsächlich aber nur 26 Prozent der Gesamtverkaufsfläche der Stadt aus. Der Grund dafür sind zahlreiche Innenstadtgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von unter 50 Quadratmetern. Das sei selbst für eine Kleinstadt nicht mehr zeitgemäß, heißt es im Konzept.

 Den Nachmittag nutzen viele Finsterwalder für einen Einkaufsbummel auf der Berliner Straße. Es herrscht auch in der Woche reger Betrieb.
Den Nachmittag nutzen viele Finsterwalder für einen Einkaufsbummel auf der Berliner Straße. Es herrscht auch in der Woche reger Betrieb. FOTO: LR / Jenny Theiler
 Den Nachmittag nutzen viele Finsterwalder für einen Einkaufsbummel auf der Berliner Straße. Es herrscht auch in der Woche reger Betrieb.
Den Nachmittag nutzen viele Finsterwalder für einen Einkaufsbummel auf der Berliner Straße. Es herrscht auch in der Woche reger Betrieb. FOTO: LR / Jenny Theiler

Die restliche Verkaufsfläche kennzeichnet sich durch flächenmäßig große Geschäfte, wie beispielsweise den Finsterwalder Möbelmarkt, die aber außerhalb der Stadt liegen. In diesem Zusammenhang ist von Streulagen die Rede, die für die Entwicklung einer zentralisierten Einkaufsversorgung in der Innenstadt ungünstig sind.

Der Gesamtbestand der städtischen Verkaufsfläche ist seit 2009, mit 675 Quadratmetern weniger, nur geringfügig kleiner geworden. Dafür gab es aber starke Veränderungen innerhalb des Verkaufssegments. Die größten Einbußen sind im Bereich Schuh-, Sport- und Bekleidungsbedarf, mit minus 25 Prozent, zu verzeichnen. Blumen- und Tiergeschäfte sind zu zwölf Prozent weniger geworden.

Auch die Finsterwalder sind im Rahmen der Studie durch Fragebögen und Telefonate befragt worden. Es geht hervor, dass die meisten Finsterwalder die Stadtentwicklung der vergangenen fünf Jahre als positiv bewerten. Rund 80 Prozent sagen, dass das Stadtbild aufgrund der Infrastruktur und der sanierten Fassaden deutlich attraktiver geworden sei. Dennoch meinen rund 68 Prozent, dass der Einzelhandel deutlich ausbaufähig ist. Die Einheimischen beschwerten sich über den hohen Leerstand in der Innenstadt sowie teilweise schlechte Erreichbarkeit mit dem Pkw und ein zu geringes Warenangebot.

Diese Kritik können einige Finsterwalder Händler nicht nachvollziehen. „Wir haben so viele Geschäfte allein in der Langen Straße. Da sollten eigentlich keine Wünsche offen bleiben“, sagt Ramona Napieralski. Die Unternehmerin betreibt seit 30 Jahren und noch immer erfolgreich ein Damenbekleidungsgeschäft in der Langen Straße, räumt aber ein, dass rund 80 Prozent ihrer Kundschaft nicht aus Finsterwalde kommt. „Ich habe Kunden, die von Berlin oder Dresden herkommen, aber ein Großteil der Finsterwalder geht scheinbar nicht mit offenen Augen durch die eigene Stadt“, sagt sie. Regelmäßig werde die Einzelhändlerin von Einheimischen gefragt, ob sie erst vor kurzem eröffnet habe. „Ich finde es merkwürdig und sehr traurig, dass die Leute selten in der eigenen Stadt einkaufen. Damit machen sie sich ihre Einkaufsmöglichkeiten doch selbst kaputt“, sagt sie.

Auch Torsten Mayer von der Buchhandlung Mayer bewertet das Warenangebot in Finsterwalde positiv. „Natürlich gibt es Dinge, die vielleicht auch bei uns fehlen und die man wirklich nur online bekommt, aber die Grundversorgung ist hier auf jeden Fall möglich“, sagt er. Zum Kundenstamm der Buchhandlung gehören auch viele Kunden aus den umliegenden Ortschaften, die vor allem die kurzen Wege und die sanierte Altstadt schätzen würden. „Finsterwalde ist eine schöne Einkaufsstadt. Dennoch muss man auch klar sagen, dass es nicht unsere Aufgabe als Händler ist, die Leute zu bespaßen, wie es die Ketten in Großstädten machen“, sagt der Buchhändler.

Das findet auch Rosemarie Schmidt von Rosemarie Schmidt Schreibwaren. „Wir geben uns große Mühe, die Kunden anzusprechen. Zum verkaufsoffenen Sonntag haben wir dekoriert, einen Osterbaum mit Losen und sogar eine Hüpfburg für die Kinder aufgestellt. Es hat sich nicht rentiert“, sagt sie. Insgesamt seien zwölf Kunden da gewesen. Die Schreibwarenhändlerin hat die sinkenden Kundenzahlen im Laufe der vergangenen Jahre, wie auch ihre Kollegen, erkannt, beschwert sich aber trotzdem nicht. „Ich mache den Job gern und kann mich auf meine Großhändler und die Kunden verlassen“, sagt sie. Ein deutlich größeres Problem für den Einzelhandel in kleinen Städten sei der boomende Online-Handel. Darin sind sich die Finsterwalder Händler einig.

 Buchhändler Torsten Mayer kassiert seinen Kunden Lother Wunderlich ab. Viele Finsterwalder meiden den Online-Handel und möchten noch persönlich bedient werden.
Buchhändler Torsten Mayer kassiert seinen Kunden Lother Wunderlich ab. Viele Finsterwalder meiden den Online-Handel und möchten noch persönlich bedient werden. FOTO: LR / Jenny Theiler