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| 15:02 Uhr

Die Sornoer streiten um ein altes Häuschen

Marco Bergmann vorm maroden Wiegehäuschen. Foto: Babbe
Marco Bergmann vorm maroden Wiegehäuschen. Foto: Babbe FOTO: Babbe
Sorno. Der ländliche Ortsteil von Finsterwalde, Sorno, ist tief gespalten. Die eine Hälfte ist dafür, die andere Hälfte ist dagegen – dass das kleine Wiegehäuschen erhalten bleibt. Von Dieter Babbe

Seit den 60er Jahren gehört es zur Dorfaue dazu – zwischen Konsum, Feuerwehr und Pfarrhaus gelegen reihte es sich ein in die wichtigsten Gebäude von Sorno. Als man im Dorf damit begann, die Landwirtschaft genossenschaftlich zu betreiben, wurde eine gemeinsame Waage gebraucht. Seit den 60er Jahren verrichtet das Wiegehäuschen treu seine Dienste, Willi Jähsert soll der letzte Wiegemeister gewesen sein, erinnern sich noch viele.

Bis die Wende kam, die auch die Wende für die alte Waage bedeutete – sie wurde fortan nicht mehr gebraucht. Einmal noch, viele Jahre später, war sie den Sornoern wieder ganz wichtig. „2007 haben wir aus unserer alten Friedenseiche einen riesigen Florian schnitzen lassen, der seit dem vor der Feuerwehr steht. Dank unserer Dorfwaage wissen wir, wie schwer der ist: genau 232 Kilo“, erzählt Ortsvorsteher Marco Bergmann.

In diesem Jahr soll endlich der Vorplatz vor der Feuerwehr schön gestaltet werden. Dann sticht das verfallene Wiegehäuschen, das längst zum Schandfleck geworden ist, noch mehr ins Auge. Der Putz hält nicht mehr an den Steinen, Tür und Fenster stehen sperrangelweit auf, das Innere ist ein Dreckplatz. „Aber die Waage geht noch“, freut sich Marco Bergmann.

Der 34-jährige Ortsvorsteher würde die Waage als Zeugnis Sornoer Geschichte gerne erhalten. 7500 Euro hat er dafür im Finsterwalder Rathaus locker machen können. Und er ist mit seiner Meinung nicht allein. „Die Waage von Sorno ist eine der letzten, die es gibt – woanders sind die Waagen längst abgerissen. Wir sollten unsere erhalten“, sagt Joachim Bergmann. Und Sebastian Will unterstützt ihn: „Die Waage funktioniert noch – man kann sogar ein Glas Bier drauf wiegen.“ Protest kommt nicht nur von Bernd Waldau. „Was man mehr als 20 Jahre nicht nutzt, braucht man nicht. Die 7500 Euro können wir in Sorno woanders besser verwenden. Wir sollten das Wiegehäuschen abreißen“, so der Sornoer.

Ostern soll an den Bullwiesen eine Entscheidung über das Schicksal des Wiegehäuschens fallen. Marco Bergmann will beim Osterfeuer eine Unterschriftenaktion starten. „Wie die Mehrheit es will, so wird's gemacht“, sagt der Ortsvorsteher.