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| 17:04 Uhr

Landwirtschaft
Die Sorgen der Spargelbauern

Beim Betriebsrundgang bei der Spargelbau GmbH Sallgast mit Geschäftsführer Eckhard Kuhl (3.v.r.) war auch der Hofladen eine Station.
Beim Betriebsrundgang bei der Spargelbau GmbH Sallgast mit Geschäftsführer Eckhard Kuhl (3.v.r.) war auch der Hofladen eine Station. FOTO: Heike Lehmann
Sallgast. Der Bauernverband Südbrandenburg e.V. hat Berufskollegen und Kommunalvertreter in die Spargelbau GmbH Sallgast eingeladen. Dort wurde kein Blatt vor den Mund genommen. Von Heike Lehmann

Eckhard Kuhl, den Geschäftsführer der Spargelbau GmbH Sallgast, wirft so schnell nichts um. Aber wenn er spürt, dass ihm unnötig Steine in den Weg gelegt werden, kann er sich in Rage reden und dann nimmt er auch kein Blatt vor den Mund. Am Donnerstag hatte er eine Reihe Berufskollegen und Kommunalvertreter bei sich in der Firma zu Gast. Als die Sprache auf dringend schnelles Internet auf dem Lande kommt und er hören muss, dass sich alles weiterhin sehr zäh gestaltet, platzt ihm der Kragen. Er haut mit der Faust auf den Tisch und wettert: „Ihr Politiker seid schuld, dass unsere Betriebe kaputt gehen, weil ihr eure Arbeit nicht macht.“

Der Bauernverband Südbrandenburg e.V. hat es sich zur Regel gemacht, den Landrat in die Betriebe einzuladen, damit die Landwirte auf kurzem Weg ihre Sorgen anbringen können. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) hatte diesmal zwar kurzfristig abgesagt, aber Vertreter der Kreisverwaltung geschickt. Aufmerksam lauschen sie und Landwirtskollegen anderer Betriebe, wie Eckhard Kuhl seine Betriebsentwicklung und die aktuelle Saison beschreibt. Zunächst aber tauschte man sich kurz über den Regen vom Mittwoch aus. Die Spanne reichte von 5 Liter bis 30 Liter pro Quadratmeter. Dringend notwendig war jeder Tropfen.

Mariana Sarchiz aus Rumänien in der Sortieranlage der Spargelbau GmbH Sallgast. Bis zu 13 Tonnen werden an Spitzentagen gestochen.
Mariana Sarchiz aus Rumänien in der Sortieranlage der Spargelbau GmbH Sallgast. Bis zu 13 Tonnen werden an Spitzentagen gestochen. FOTO: Heike Lehmann

Die Spargelbau GmbH Sallgast wurde 1992 gegründet. 1993 wurden die ersten 8 Hektar angelegt. „Seit 2000 bin ich hier. Es ist meine 19. Saison und es wird immer schwieriger“, konstatiert Eckhard Kuhl. 2018 hat der Betrieb 73 Hektar in der Ernte, „aber wir gehen runter auf 60 Hektar“, so der Geschäftsführer, der in diesem Jahr bis zu 450 Tonnen Ertrag erwartet. Doch der Lebensmitteleinzelhandel drückt die Preise. „Für uns bedeutet das bis zu 180 000 Euro weniger“, bringt es Kuhl auf den Punkt. Hinzu kommt, dass der Spargel so gut wie selten gewachsen ist. Eckhard Kuhl wird deutlich: „Das ist nicht mehr beherrschbar, die Preise sind im Keller. Auf den Feldern musste gegengesteuert werden. Wir betreiben nur noch zwölf Verkaufsstände und beliefern Stammkunden.“ Verbandsvorsitzender Thomas Goebel bekräftigt: „Der Brandenburger Spargel ist zum Massenprodukt verkommen. Jetzt staunen alle, dass sie den Spargel nicht mehr loswerden. In Berlin habe man ihn schon für 25 Cent pro Kilo verkauft. Hoffnung setzen die Bauern in die Direktvermarktung und die Wochenmärkte, die wieder besser angenommen werden – aus Überzeugung beim Kunden.

140 Beschäftigte, davon 110 aus dem Ausland, vorwiegend aus Rumänien und Polen, arbeiten in der Spargelbau GmbH Sallgast. Bis zu 13 Tonnen werden an Spitzentagen gestochen. Auf den Feldern wird nach Leistung gearbeitet. Arbeitskräfte zu finden, werde aber immer schwieriger – trotz Mindestlohn.

Eckhard Kuhl geht ab Dezember in Rente. Aber er hat produktionstechnisch für mindestens weitere zehn Jahre Sallgaster Spargelernte die Weichen gestellt. Er sagt: „Der Betrieb soll verkauft werden, am Montag war Gesellschafterversammlung. Da wurde das beschlossen. Die Gespräche dazu laufen ab Ende der Saison. Einen geeigneten Nachfolger zu finden, wird zum Problem. Das ist Ergebnis unserer verfehlten Politik.“ Und jetzt könnte er sich schon wieder in Rage reden.

Die Stangen werden aufs Laufband für die Spargelschälmaschine gelegt.
Die Stangen werden aufs Laufband für die Spargelschälmaschine gelegt. FOTO: Heike Lehmann