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| 17:42 Uhr

Wo klärt Sonnewalde künftig sein Abwasser?
Die Sackgasse ist deutlicher denn je

Sonnewalde/Doberlug-Kirchhain. Sonnewalde und Doberlug-Kirchhain sind in einem Verband, driften aber eher auseinander statt zusammen. Von Heike Lehmann

Es knirscht weiter im Getriebe zwischen den Sonnewaldern und dem Wasser- und Abwasserverband Westniederlausitz (WAV). Immer noch wird gestritten und taktiert. Selbst eine monatelange Mediation hat daran kaum etwas ändern können. Der jüngste Vorstoß von drei Sonnewalder Stadtverordneten, einen schnellen Verbandswechsel hin zum Wasserverband Lausitz anzustreben, macht die Sache nicht besser. Die Chance dazu bietet sich, weil Massen zum 1. Januar 2019 dem WAL beigetreten ist. Im WAV und auch in Kreisen der Doberlug-Kirchhainer Stadtverordneten fühlt man sich vor den Kopf gestoßen. Am Mittwoch haben beide Stadtverordnetenversammlungen parallel getagt.

Während im Sonnewalder Ortsteil Friedersdorf Verbandsvorsteher Dietmar Seidel über Planungsstand und Fördermittelsituation hinsichtlich einer Abwasserüberleitung nach Lindena Rede und Antwort stand, ging es im Doberlug-Kirchhainer Gremium vor allem um den Ortsteil Frankena, der als einstiger Ortsteil von Sonnewalde verbandstechnisch nach wie vor zum deutlich teureren Gebührengebiet Sonnewalde gehört.

Dietmar Seidel erläuterte, wie der alte Kanal in Richtung Klärwerk Lindena „umgedreht werden soll“. Neu zu bauen wäre dann nur ein vergleichsweise kurzes Stück, aber Kanalsanierungen seien dringend und einige Pumpwerke müssten erneuert beziehungsweise gebaut werden. Seidel spricht von pneumatischen Pumpstationen, die wechselnd Abwasser und Luftblasen in die Leitung drücken. „Das erhöht die Fließgeschwindigkeit, bringt einen Verwirbelungs- und Reinigungseffekt und sorgt für Sauerstoff­eintrag“, so der WAV-Verbandsvorsteher. Eine konkrete Planung haben die Sonnewalder Stadtverordneten über Jahre mit Beschlüssen, die erst im jüngsten Herbst mehrheitlich aufgehoben wurden, unterbunden. Argwöhnisch wurde auch in Friedersdorf hinterfragt, welche Kosten dem WAV im Zusammenhang mit der Planung entstanden seien. Seidel erklärte, es sei lediglich im April/Mai das Ingenieurbüro WTU mit einer vorbereitenden Untersuchung beauftragt worden, weil unterschiedliche Kostenrechnungen von 5 bis 8,5 Millionen Euro kursieren. Dass die Sonnewalder Stadtverordneten davon nichts wussten, warfen sie wiederum ihrem Bürgermeister vor.

„Um Fördermittel beantragen zu können, muss die Planung aber ausschreibungsreif sein, das heißt bis Leistungsphase vier“, erklärte Seidel. Also wurden entsprechende Mittel in den Wirtschaftsplan eingestellt, die aber wiederum nur über Umlagen zu finanzieren seien. Ohne Erfolg. „Der Doberlug-Kirchhainer Bürgermeister wurde von seinen Stadtverordneten angewiesen, dem nicht zuzustimmen“, berichtete Seidel den Sonnewaldern. Für ihn wohl eine Reaktion auf den eventuellen Verbandswechsel der Sonnewalder. Aber auch Werner Busse, Bürgermeister von Sonnewalde, hatte im November erklärt, keine Umlagen haben zu wollen. Dietmar Seidel: „Also werden wir keine Fördermittel beantragen können.“

Dass die Gebühren im Bereich Sonnewalde „viel zu hoch sind“, ist auch für Seidel unstrittig. Aber er sagte der Stadtverordnetenversammlung: „2015 haben Sie das Angebot ausgeschlagen, Ihre Bevölkerung jährlich um 400 000 Euro zu entlasten“. Für Axel Große waren das „alte Kamellen“, die keiner mehr hören will.

Zeitgleich haben die Doberlug-Kirchhainer Stadtverordneten mit elf Ja- und drei Nein-Stimmen beschlossen, dass in die Verbandsversammlung ein Beschlussvorschlag eingebracht werden soll, zum nächstmöglichen Zeitpunkt einheitliche Gebühren im Trinkwasserbereich herzustellen. Das könnte frühestens für die Kalkulationsperiode 2020/2021 wirksam werden. Gert Fest (WBU-LUN) erklärte: „Die Entwicklung in Sonnewalde hält mich von einer Zustimmung ab, weil ich nicht weiß, was demnächst dort passiert.“ Damit bezog er sich auf die Bestrebungen zum Verbandswechsel. Und Fraktionskollege Frank Neczkiewicz erinnerte dennoch an die Aufgabenstellung seit Jahresbeginn: „Wie organisieren wir, dass Frankena zu Gebühren wie Doberlug-Kirchhain kommt?“