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Die Mieten der Toten

Die Grabstellen in Finsterwalde gehen zurück: 2004 waren es noch an die 7000, heute sind es etwa 4000.
Die Grabstellen in Finsterwalde gehen zurück: 2004 waren es noch an die 7000, heute sind es etwa 4000. FOTO: swr
Finsterwalde. Noch immer ist der Anstieg der Friedhofsgebühren für viele Finsterwalder nicht nachvollziehbar – für die Stadt dagegen nur logisch. Sie betont sogar: "Wir haben schon großzügig gerechnet." Steven Wiesner

Etwas mehr als zwei Monate ist es nun schon her, dass die Nutzungsberechtigten der Grabstätten auf den städtischen Friedhöfen die Gebührenbescheide für die Friedhofsunterhaltung 2017 bekommen haben - mit einer Erhöhung um mehr als 100 Prozent. Noch immer fragen sich viele Finsterwalder, wie ein solcher Anstieg zustande kommen kann und zu rechtfertigen ist. Sie wollen wissen, welche Bemühungen die Stadt unternommen hat, um Kosten einzusparen. Manche behaupten gar ketzerisch: "Von den Toten werden die Mieten erhöht, so dass man die Stadthalle bauen kann." Doch solche Vorwürfe gehören für die Stadt Finsterwalde ins Reich der Fabeln. Die Anschuldigung, dass mit der Erhöhung ein etwaiges Versagen der Stadt auf die Bürger abgewälzt wird, wollen die Verantwortlichen so nicht stehen lassen. "Wir sind am äußersten Limit gewesen, was die Kosten angeht", betont Kämmerin Anja Zajic auf RUNDSCHAU-Nachfrage. "Wir haben zugunsten der Nutzungsberechtigten schon großzügig gerechnet."

15,20 Euro hat ein Grabstelleninhaber bis zuletzt zahlen müssen, seit der Satzungsänderung sind es nun 32,52 Euro pro Grabstelle - für viele Einwohner nicht nachvollziehbar, für die Mitarbeiter der Stadt aber nur logisch. Denn mit den Kosten, die im bloßen Leben steigen (Wasser, Strom, Benzin), steigen auch die allgemeinen Unterhaltungsgebühren auf einem Friedhof. Sören Guthknecht von der Friedhofsverwaltung begründet die Preisveränderung außerdem mit einem generellen "Umbruch auf dem Friedhof". Der Trend bei der Bestattungskultur ginge weg von großen Familienbegräbnissen und hin zu pflegeleichten Urnenstellen, wie zum Beispiel Urnengemeinschaftsanlagen. Diese beanspruchen deutlich weniger Platz und sorgen durch Rückgänge bei anderen Grabvarianten für größere, von der Verwaltung zu pflegende Freiflächen. Das wiederum kostet mehr Geld.

Hätte man die Fläche des Friedhofs dann nicht verkleinern können, wenn große Friedhöfe anscheinend nicht mehr zeitgemäß sind? Alles schon passiert, versichert Anja Zajic. "Alle Flächen, die quasi nur noch Parkanlage sind, wurden aus den Gebührenerhebungen rausgerechnet." Von den 107 137 Quadratmetern in der Sonnewalder Straße trifft das auf 23 868 m² (siehe Grafik) und die Kriegsgräberanlagen zu; auch der zweite Finsterwalder Friedhof in Sorno ist nur zu 50 Prozent gebührenpflichtig. Da ein Drittel der jährlichen Kosten von 300 000 Euro ohnehin von der Stadt getragen wird, belaufen sich die verbleibenden Unterhaltungsgebühren, die die Gebührenzahler zu tragen haben, laut Zajic also auf 133 203 Euro.

Hier aber kommt gleich die nächste Entwicklung zum Tragen: die zurückgegangene Einwohnerzahl und folglich eine geringere Anzahl an Nutzungsberechtigten und Grabstellen in Finsterwalde. Im Jahr 2004 - das Jahr der letzten Gebührenanpassung - zählte die Friedhofsverwaltung noch an die 7000 Grabstellen. 2017 sind es nur noch knapp über 4000. Und wenn mehr Kosten auf weniger Schultern verteilt werden, ergibt sich unweigerlich ein höherer Durchschnittspreis. "Im Übrigen wären wir normalerweise schon 2014 bei diesem Betrag gewesen", ruft Anja Zajic in Erinnerung. "Doch die Differenz hat immer die Stadt getragen."