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| 15:19 Uhr

Tag der Arbeit
„Die Menschen organisieren sich nicht mehr“

„Wir können nur gemeinsam etwas erreichen", war eine der zentralen Aussagen der Gewerkschafter am offenen Mikrofon.
„Wir können nur gemeinsam etwas erreichen", war eine der zentralen Aussagen der Gewerkschafter am offenen Mikrofon. FOTO: Silvia Dedek
Finsterwalde. Gerade bei den jüngeren Arbeitnehmern stellen Gewerkschafter beim gemeinsamen Spaziergang am Tag der Arbeit in Finsterwalde ein mangelndes Interesse am Solidaritätsgedanken fest. Von Silvia Dedek

Am Vormittag des 1. Mai fanden sich rund 70 Gewerkschafter, Vertreter von SPD und der Linken und Interessierte zu einem gemeinsamen Spaziergang vom Finsterwalder Markt zur Gaststätte „Zur Erholung“ zusammen, um unter dem Motto „Faire Löhne für faire Arbeit in Elbe-Elster“ zu demonstrieren.

Der geplante Halt bei Finsterwalder Betrieben entfiel aufgrund der Vorbereitungen von Betriebsratswahlen und internen Schwierigkeiten in diesem Jahr. Stattdessen fand das Familienfest im Biergarten der Gaststätte mit der Gelegenheit zum Austausch einen guten Zuspruch. „Im nächsten Jahr wollen wir es wieder etwas anders organisieren und die ortsansässigen Betriebe mehr in unseren 1. Mai integrieren. Dabei wollen wir aber nicht nur auf Negatives aufmerksam machen, sondern auch auf Vorzeige-Firmen hinweisen“, erklärte Lutz Glasewald, Gewerkschaftssekretär des DGB für die Region Südbrandenburg-Lausitz. Er möchte den Tag der Arbeit gern wieder neu beleben und auch etwas größer aufziehen. „Wir sind hier schon auf dem richtigen Weg“, sagte Finsterwaldes SPD-Ortsvereinschef Alexander Piske. „Der gewerkschaftliche Stammtisch, der im letzten Jahr unter Mitarbeit der SPD, der Linken und der Gewerkschaften entstanden ist, leistet durch den Austausch bereits gute Arbeit. So ist es möglich, dass wir alle auf politischer wie gewerkschaftlicher Ebene gemeinsam an Zielen arbeiten können.“

Doch obwohl die Teilnehmerzahlen zu den traditionellen Maiveranstaltungen wieder leicht steigen, wie Heike Modrow von der Gewerkschaft ver.di feststellte, kommt man nicht umhin, gerade bei den jüngeren Arbeitnehmern ein mangelndes Interesse beziehungsweise eine mangelnde Beteiligung zu konstatieren. „Wir haben ein Problem: Die Menschen organisieren sich nicht mehr“, brachte es Willi Eisele von der IG Metall am offenen Mikrofon auf den Punkt. „Wir können nur gemeinsam etwas erreichen und müssen gemeinsam hinter unseren Forderungen stehen. Es geht nicht von allein.“

Ein Gedanke, den Lutz Glasewald auch regional denkt. „Es geht auch darum, wieder nach dem Solidaritätsgedanken zu schauen. Inwiefern identifiziere ich mich denn als Bürger noch mit den Betrieben meines Ortes? Dafür ist auch ein richtiges Verständnis des 1. Mai als Feiertag notwendig. Ohne die Geschichte kann ich dafür kein Verständnis entwickeln und ohne das Verständnis fehlt mir die Überzeugung, die aber nötig ist, um gemeinsam die vielen Aufgaben anzugehen, die sich uns noch stellen.“