ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:19 Uhr

Deutliche Kritik an der Parteispitze
Die Genossen suchen ihr Wir-Gefühl

Der neu gewählte Vorstand der SPD Elbe-Elster
Der neu gewählte Vorstand der SPD Elbe-Elster FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Ein offener Brief von der SPD Elbe-Elster an den Bundesvorstand fordert Konsequenzen in der Parteiführung. Barbara Hackenschmidt und Kerstin Weide wurden als Direktkandidatinnen für die Wahlkreise 36 und 37 nominiert. Von Heike Lehmann

Barbara Hackenschmidt aus Betten wird erneut von der SPD Elbe-Elster im Wahlkreis 36 ins Rennen um das Direktmandat für den Landtag geschickt. Es wird ihr vierter Wahlkampf. Von 19 stimmberechtigten Mitgliedern waren am Samstag bei der Wahlkreiskonferenz 13 für die erfahrene Landtagsabgeordnete, fünf dagegen, einer/eine enthielt sich.

SPD-Landtagskandidatin Barbara Hackenschmidt, Wahlkreis 36
SPD-Landtagskandidatin Barbara Hackenschmidt, Wahlkreis 36 FOTO: Heike Lehmann

Dabei gab es durchaus kritische Anmerkungen. Der erst 18-jährige, aber sehr selbstbewusste Juso-Vorsitzende Dominic Hake aus Finsterwalde hinterfragte, wie Barbara Hackenschmidt mit ihrem zuvor angedeuteten „Weiter so“ in der gegenwärtigen Situation der SPD das Direktmandat holen will. Aus Falkenberg gab es Hinweise, dass die Landtagsabgeordnete wieder mehr Präsenz in der Region zeigen solle. Christina Eisenberg hält den Wahlkreis 36, dazu gehören Falkenberg/Elster, Finsterwalde, Herzberg/Elster, Schönewalde, Sonnewalde, ­Uebigau-Wahrenbrück und die Ämter Kleine Elster (NL) und Schlieben, für einen „extrem schweren Wahlkreis“. Die CDU hat bereits Rainer Genilke nominiert. Eisenberg hofft für Hackenschmidt auf einen guten Listenplatz und appelliert an die eigenen Genossen, dass nur ein gemeinsamer Wahlkampf zum Erfolg führen könne.

SPD-Landtagskandidatin Kerstin Weide, Wahlkreis 37
SPD-Landtagskandidatin Kerstin Weide, Wahlkreis 37 FOTO: Heike Lehmann

Barbara Hackenschmidt war 2004 erstmals in den Landtag eingezogen. Danach hat es zweimal als Nachrückerin geklappt. Seit 2015 gehört die 63-Jährige wieder zum Parlament und betreut momentan drei Wahlkreise. Mit dem  Wahlspruch „Engagiert und ehrlich für Elbe-Elster“ will sie sich beispielsweise weiterhin für den ländlichen Raum, für mehr Qualität in Kitas und gegen die weitere Ausdünnung des öffentlichen Nahverkehrs einsetzen.

Geschmeidig hingegen wurde Kerstin Weide für den Wahlkreis 37 mit Bad Liebenwerda, Doberlug-Kirchhain, Elsterwerda, Mühlberg/Elbe, der Gemeinde Röderland und den Ämtern Elsterland und Plessa als Direktkandidatin gewählt. Weide ist SPD-Ortsvereinsvorsitzende in Senftenberg und Regionalgeschäftsführerin der SPD. Alle 14 Stimmberechtigten gaben ihr das Vertrauen. In diesem Wahlkreis steht bislang Sebastian Rick von der CDU fest. Kerstin Weide will für Schulzentren, eine gute medizinische Versorgung, bezahlbaren Wohnraum, ausreichend Lehrer und Ärzte und gegen Altersarmut kämpfen.

Vor den beiden Wahlkreiskonferenzen hatten sich 50 von 151 Genossen der SPD Elbe-Elster zur Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl im Refektorium am Schloss Doberlug eingefunden. Als Vorsitzender wurde Stefan Wagenmann mit 46 von 49 Stimmen wiedergewählt.

Als Gast hat Klara Geywitz, Mitglied im Parteivorstand und des Landtages Brandenburg, einen erfrischenden Redebeitrag zur Lage der SPD, zur großen Koalition, aber auch zur Personalpolitik an der Parteispitze gehalten. „Wir leisten gute Arbeit und die Leute wählen uns trotzdem nicht. Die Leute müssen mitkriegen, dass wir was für sie tun und uns das auch glauben“, versuchte sie, bei den Genossen in Elbe-Elster für mehr Selbstbewusstsein zu werben.

Da hatte sie schon den Entwurf eines offenen Briefes an den Bundesvorstand zur aktuellen Lage der SPD, der von den Ortsverbänden Doberlug-Kirchhain und Finsterwalde zur Abstimmung eingebracht wurde, vor sich liegen. Lutz Kilian, Ortsverbandsvorsitzender Doberlug-Kirchhain und SPD/FDP-Kreistagsfraktionschef, begründete den Initiativantrag: „Der Sinkflug muss aufgehalten werden. Wahlergebnisse und Umfragewerte sind in desaströsen Bereichen angekommen. Eine gewisse Arroganz und Realitätsverlust der Parteiführung sind spürbar“, sagte er. Schlussfolgernd wird ein „radikaler Neuanfang“ mit „klarer inhaltlicher Ausrichtung“ und der „Umbau der Parteiführung“ – nach Antrag von Dominic Hake sogar „die Urwahl des Parteivorsitzenden“ – gefordert. Klara Geywitz glaubt nicht an die einfache Lösung mit einem Trainerwechsel. Sie forderte stattdessen: „Wir leben in einer Gesellschaft, wo schnell angegriffen wird. Sagt uns lieber, was wir tun können.“ Den Brief, der mit knapper Mehrheit beschlossen wurde, nahm sie dennoch mit.