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Die Geburt der evangelischen Kantoreien

Reiner Walleser vom Brandenburger Ministerium für Kultur in Brandenburg staunte über viele Exponate der Sonderausstellung im Finsterwalder Sänger- und Kaufmannsmuseum.
Reiner Walleser vom Brandenburger Ministerium für Kultur in Brandenburg staunte über viele Exponate der Sonderausstellung im Finsterwalder Sänger- und Kaufmannsmuseum. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Eine Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum wurde im Sänger- und Kaufmanns- museum Finsterwalde eröffnet und das Puppentheaterstück "Legende Luther" hatte Premiere. Jürgen Weser / jgw1

,,Musikam habe ich allzeit lieb gehabt" heißt die Sonderausstellung im Finsterwalder Kreismuseum als Beitrag zum Reformations- und Lutherjahr. Die Ausstellung ist im Rahmen von Kulturland Brandenburg eines von vier Ausstellungsprojekten des Museumsverbundes Elbe-Elster und dokumentiert mit Infotafeln, alten Dokumenten und Schaustücken die Reformation als Geburtsstunde der Evangelischen Kantoreien.

Als ,,Ewiglichen Dank" an den Reformator, Wort- und Liedschöpfer sang die Finsterwalder Vokalgruppe ,,Erbschleicher" zu Beginn der Ausstellungseröffnung am Sonnabend ein Lutherlied. ,,Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, ist ein Narr sein Leben lang", setzte Elbe-Elster-Museumsverbund-Leiter Dr. Rainer Ernst das unverbürgte Zitat des Reformators Martin Luther an den Beginn seiner Begrüßung. Allerdings, ergänzte er schalkhaft, geht es in der Ausstellung nur um den Gesang. Stimmt nicht ganz, merkten die Besucher beim Rundgang.

Die Kantoreiregeln verrieten, dass zum Gesang auch das Getränk gehörte. So versprach man erkrankten Kantoreimitgliedern einen Krug Bier zur Gesundung. Verschüttetes Bier wurde bestraft, fügte Museumsmitarbeiter Olaf Weber in seine Laudatio ein. Gemeinsam mit der Musikhistorikerin Christa Maria Richter aus Dresden hat er die äußerst gelungene Schau, wie Abteilungsleiter Reiner Walleser vom Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur lobte, kuratiert.

Weber hob die Bedeutung der Reformation als Geburtsstunde der Evangelischen Kantoreien und für den gemeinsamen Gesang der einfachen Gemeindemitglieder hervor. Luther selbst habe mit etwa 40 Texten und 20 Melodien dazu beigetragen. Die reformatorischen Impulse für die Kantoreien, deren wachsendes Selbstbewusstsein und ihre reichen Traditionen werden in der Ausstellung ausführlich und anschaulich dargestellt. Vor allem die Kantoreien der Region haben die Ausstellung mit zahlreichen Leihgaben bereichert. So darf die barocke Kesselpauke der Doberluger bestaunt werden, ein Kantoreihocker, ein Spieltisch mit Orgel Pedalwerk. Dazu zeigt ein Kostüm, wie der Kantor um 1550 wohl bekleidet war. Abgegriffene Gesangsbücher lassen Geschichten von Sängern aus mehreren Jahrhunderten erahnen, das Cantorey-Journal der evangelischen Gemeinde Herzberg von 1740 erzählt solche Geschichten wie die informativen Schautafeln zum Kantoreileben mit all seinen Facetten wie Kantoreifeste, bei denen man ,,in Hosen und Wammes" tanzte. Auch Superintendent Thomas Köhler und der Finsterwalder Pfarrer Markus Herrbruck freuen sich, ,,wie die Ausstellung Reformationsorte erlebbar macht".

Die Ausstellung passe bestens ins Themenjahr ,,Wort & Wirkung Luther und die Reformation in Brandenburg", betonte Brigitte Faber-Schmitt als Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg. Sie verwies auf die insgesamt 30 Kulturland-Projekte zwischen Luckau, Frankfurt/Oder und Berlin.

Peter Hans als 1. Beigeordneten des Landrates hob noch einmal das Bindeglied Lutherpass zwischen den verschiedenen Ausstellungsorten im Elbe-Elster-Kreis hervor. Für den Doberluger Stempel besteht ab 6. Juli beste Gelegenheit. Dann werden die ständige Ausstellung ,,Doberlug und das sächsische Brandenburg" sowie die Sonderausstellung ,,Die letzten Mönche von Dobrilugk" im Schloss eröffnet.

Mit der Uraufführung ihres Stücks ,,Legende Luther" verschaffte die Puppenbühne rudolf & volland aus Birkwalde der Ausstellungseröffnung einen weiteren Höhepunkt. Das temporeiche und bestens inszenierte Stück wirft einen unterhaltsam-humorvollen Blick auf ,,reine Wahrheit" der Zeit vor 500 Jahren, überzeichnet und stellt mit augenzwinkerndem Witz Gegenwartsbezüge aus der Sicht eines Nachfahren von Luthers Hund Tölpel her. Martha Rudolf und Ulli Voland ist es gelungen, im Wechsel von Schauspiel, Figurendarstellungen, Schattentheater, Multi-Media und einfallsreich wechselnder Kulisse Luthers Leben zwischen Idol, Idealisierung und Legendenbildung in Szene zu setzen. Zur Eröffnung der 5. Kulturtage des Amtes Kleine Elster ist die ,,Legende Luther" am 16. Juni 18 Uhr in der ,,Linde" Massen zu erleben.