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Die ganze Welt ist eine schmale Brücke

Sängerin Helen Jordan mit Martin und Antje Schneider während der Konzertlesung.
Sängerin Helen Jordan mit Martin und Antje Schneider während der Konzertlesung. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Beim Marsch der Erinnerung hatten etwa 40 Teilnehmer am Dienstagabend Stationen jüdischer Geschichte kennengelernt. Anschließend erlebten sie mit weiteren Besuchern eine berührend-besinnliche Konzertlesung im Finsterwalder Kreismuseum. Jürgen Weser/jgw1

Vom Finsterwalder Bahnhof aus, in dessen Nähe am 20. April 1945 der ,,Verlorene Zug" mit mehr als 2000 jüdischen Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen nach Tröbitz wegen Bombardierung eines Munitionszuges durch die Alliierten zum Stehen gekommen war, führte Dr. Rainer Ernst am 21. April 2015, 70 Jahre nach Kriegsende in Finsterwalde, die Teilnehmer zu den Stolpersteinen. Sie erinnern an das Schicksal jüdischer Finsterwalder Bürger. Bewusst auf diesen Tag hatte das Finsterwalder Museum auch die Konzertlesung gelegt.

Mit warmer und voller Altstimme sang die Nürnbergerin Helen Jordan in hebräischer Sprache Lieder vom jüdischen Glauben und von Gottes Gerechtigkeit in Anlehnung an die jüdische Geschichte. Auch ohne die Texte zu verstehen, die vom Weg zum Propheten Zion und von einer Welt als schmaler Brücke handelten, die alle im Leben finden müssen, ließen sich die Zuhörer vom lockenden Klang der Stimme in eine spirituelle Welt entführen.

,,Es ist toll, in einer Sängerstadt zu singen", hatte die Chanson- und Folksängerin den Finsterwalder Gastgebern zu Beginn geschmeichelt. Martin Schneider und die in Finsterwalde geborene Antje Schneider, die bereits mit mehreren einfühlsamen Literaturlesungen und -konzerten im Kreismuseum zu Gast waren, tauchten mit kurzen Geschichten voller menschlicher Größe und Schwächen und mit sehr irdischen Gefühlen und Handlungen in eine typisch jüdische Erzählkultur. Mit hintergründigem Humor wurden verschiedene Lebensweisheiten vermittelt. ,,Nur die Liebe, die auf nichts beruht, ist von Dauer", lautete einer der schönsten Sätze.

Gern ließen sich die Besucher im Finsterwalder Kreismuseum als Zugabe zu einem gemeinsamen hebräischen Kanon mit den Künstlern verführen. Es sollen ,,Brüder einträchtig beieinander wohnen". Die Verszeile passte bestens zum Tag des Gedenkens und der Versöhnung.