ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:13 Uhr

Kraftwerks-Schornsteine von Plessa bereiten Sorge
Die Flugsicherheit ist gefährdet!

Bei Vollmond ist alles gut. Aber wehe, es ist stockdunkle Nacht. Die gut 117 Meter hohen Plessaer Wahrzeichen sind dann nicht mehr zu sehen.
Bei Vollmond ist alles gut. Aber wehe, es ist stockdunkle Nacht. Die gut 117 Meter hohen Plessaer Wahrzeichen sind dann nicht mehr zu sehen. FOTO: Veit Rösler / Veit Rösler/vrs1
Plessa. Plessas etwa 117 Meter hohe ehemaligen Kraftwerks-Schornsteine sind nicht mehr beleuchtet. Das hat Folgen.

Plessas alte Kraftwerks-Schornsteine sind eine Gefahr für den Luftverkehr. Denn sie sind nicht mehr ausreichend beleuchtet.

Die Plessaer Einwohner schauen seit geraumer Zeit mit gemischten Gefühlen zu ihren beiden Wahrzeichen in Richtung Himmel empor. Scheint der Mond nicht, verschwinden die beiden Spitzen der alten Kraftwerks-Schornsteine in der Dunkelheit. Die Stürme der vergangenen Jahre und die Winterkälte lassen die Beleuchtungskörper der Flugsicherungsanlage Stück für Stück immer weiter ausfallen. Auf halber Höhe der beiden Türme sind zwar noch einige der Lampen intakt, doch am brisanten Bereich an der Spitze ist nur noch ein spärliches Lichtlein zu erkennen.

Das 1926/27 erbaute und 1991 vom Netz gegangene Braunkohlekraftwerk von Plessa wurde um das Jahr 2005 für eine Investitionssumme von 4,5 Millionen Euro zu einem Kraftwerksmuseum mit Gewerbezentrum saniert und umgebaut. Kernstück und weithin sichtbares Wahrzeichen der Plessaer Bergbaugeschichte sind noch immer die beiden etwa 117 Meter hohen Schornsteine des einstigen Kraftwerks.

Ein Elektromonteur einer Fachfirma für Flughindernisbefeuerung aus Burg/Spreewald brachte die Lampen im April 2005 im Rahmen der Schornsteinsanierung an. Die Warnlampen für Flugobjekte bestehen nur noch aus kleinen LED- Leuchten. Die damals weithin sichtbaren roten Lampen wurden am 1. Mai 2005 zum Tag der Arbeit symbolhaft eingeschaltet, weil man damit den Baufortschritt der letzten Monate am Kraftwerk demonstrieren wollte.

Seit dem haben die Lampen jede Nacht ohne Unterbrechung geleuchtet. Mit einer Ausnahme: Zum 30. Oktober 2012 wurde über das Erlebnis-Kraftwerk Plessa infolge nicht bezahlter Energierechnungen eine Stromsperre verhängt. Ohne die roten Lichter waren die Schornsteine vollkommen dunkel. Viele Bürger fragen sich nun: Werden die Türme ohne Beleuchtung nicht zu einer Gefahr, zum Beispiel für niedrig fliegende oder in dem Bereich landende ADAC-Rettungshubschrauber? Sind die damit sogar ein „Eingriff in die Flugsicherheit“?

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH mit Sitz in Langen (Hessen) zeigte sich bezüglich der Schornsteine nicht zuständig. Um solche Objekte kümmern sich die Luftfahrtbehörden der jeweiligen Bundesländer, so eine Sprecherin. Die für Berlin und Brandenburg hat ihren Sitz in Berlin-Schönefeld.

In den Festlegungen zur Kennzeichnung gelten Unterschiede für Objekte innerhalb und außerhalb „von Städten und anderen dicht besiedelten Gebieten“. Für Plessa, so Pressesprecher Steffen Streu, gelte nach seinem jetzigen Kenntnisstand eine Sicherungspflicht zumindest im oberen Teil, da die maximale Bauwerksspitze von 100 Meter über Grund oder über der Wasseroberfläche überschritten wird. In den Aussagen wird deutlich, dass die Luftfahrtbehörde vermutlich über die Eigentumsveränderungen am Kraftwerk nicht informiert ist. Auch über die ausgefallenen Leuchten hat man scheinbar keine Kenntnis. Die zuständigen Fachleute wollen sich nach der RUNDSCHAU-Anfrage heute im Amt Plessa zur Situation und zu den Eigentumsverhältnissen des Kraftwerkes genauer erkundigen.

Mehrere dieser Leuchten am Schornsteinkranz sind inzwischen ausgefallen.
Mehrere dieser Leuchten am Schornsteinkranz sind inzwischen ausgefallen. FOTO: Veit Rösler / Veit Rösler/vrs1