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| 02:35 Uhr

Die "Finsterwalder Sänger" landeten 1899 den Hit der Saison

Finsterwalde. Leider ist bisher nur das unscharfe Foto, das am Samstag in der RUNDSCHAU abgedruckt war, von Wilhelm Wolff, dem Schöpfer des Finsterwalder Sängerliedes, bekannt. Es ist aus einem Briefkopf herauskopiert, der alle Mitglieder seiner in Berlin bestens bekannten Herrensängergesellschaft "Hamburger Sänger" zeigt. Von Dr. Rainer Ernst

Diese - wie es in der Eigenwerbung hieß - "Erstklassige Gesellschaft" mit "Größtem Original-Repertoir" und belehnt mit dem "Kunstschein der Königl. Regierung" führte im September 1899 erstmals ihr neuestes Theaterstück, die Burleske "Die Sänger von Finsterwalde", auf. Die Handlung bediente hundertprozentig den Geschmack des Publikums, das sich zahlreich in den Berliner Germania-Sälen zur Uraufführung eingefunden hatte.

Besonders gefiel ein kleines Liedchen, das die Hauptakteure, eben die Finsterwalder Sänger, während der mitunter derb-komischen Handlung losschmettern mussten. Das Lied ging ins Ohr und sehr bald über den Aufführungsort hinaus. Es wurde zu dem "Hit" der Saison. Die Burleske sowie der Text und die Komposition des Liedes stammten aus der Feder des Direktors der Hamburger Sänger Wilhelm Wolff. Wie viele solcher Komödien, Schwänke und Lieder von ihm geschaffen wurden, ist noch nicht ausgezählt; aber es sind Hunderte. Er verstand sein Fach, das Publikum zu unterhalten und in der Tristesse des Alltags zu erheitern.

Eigentlich ist das Sängerlied mit den wenigen refrainartigen Zeilen für Wilhelm Wolff gar nicht typisch. Viel lieber erzählte er in den mitsingbaren Couplets über mehrere Strophen humorvoll-komische Alltagsgeschichten. Sein Credo fasste er - natürlich als Lied - so zusammen:

"Für mich giebt's nichts besseres hier auf der Welt,Als wenn mein Couplet Ihnen gefällt;Und wenn Sie recht lachen - dann lache ich ooch!Man sagt: Allen Menschen hier Recht nur gethan,Das ist eine Kunst, die heut'niemand wohl kann.Drum wenn mein Humor Sie nicht aufheitert hier,Das kann mir nicht lieb sein, das glauben Sie mir."

Die beste Zeit hatten die Herrensängergesellschaften zwischen 1895 und 1910. Dann wandte sich das Publikum einem neuen Medium zu, dem Kino. Wilhelm Wolff geriet mit seinen Hamburger Sängern in die roten Zahlen. Als Ehrenmann beglich er bei den Mitsängern noch seine Ver-bindlichkeiten und erschoss sich in einem Kreuzberger Treppenhaus.

Nur anderthalb Jahrzehnte später kehrte diese spezielle Form des Männergesangs zurück und feierte mit den Comedian Harmonists neue Triumphe.