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| 15:26 Uhr

Bundesprojekt in Finsterwalde
Die Birke ins Rampenlicht

Das Sängerstadt-Gymnasium hat seit dieser Woche offiziell eine Wetterstation. Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5 bis 8  wie Mia Schmiedichen, Marie Bolze und Elisabeth Kugler arbeiten in einer neu entstehenden AG mit.
Das Sängerstadt-Gymnasium hat seit dieser Woche offiziell eine Wetterstation. Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5 bis 8  wie Mia Schmiedichen, Marie Bolze und Elisabeth Kugler arbeiten in einer neu entstehenden AG mit. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Bundesprojekt will Pionierbaumart aus dem Schatten holen. Schüler des Sängerstadt-Gymnasiums werden von Wissenschaftlern des Forschungsinstitutes für Bergbaufolgelandschaften ins Boot geholt und erhalten Klimastation.   Von Gabi Böttcher

Mia Schmiedichen, Marie Bolze und Elisabeth Kugler sind Schülerinnen der Klasse 5 am Sängerstadt-Gymnasium Finsterwalde. Sie wollen mitmischen in der neu an ihrer Schule entstehenden AG, die auf Tuchfühlung mit der Natur, Umweltprozessen und echten Wissenschaftlern geht. In dieser Woche nahmen die Schüler am Rande ihres weiträumigen Schulareals – unmittelbar an einem kleinen Biotop mit wild gewachsenen Birken – eine Wetterstation in Besitz. Angestoßen wurde darauf origineller Weise mit einem Schlückchen Birkensaft. Dass die kleine Zeremonie einen durchaus schwergewichtigen Hintergrund hat, signalisierte das Erscheinen von Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, des stellvertretenden Direktors des Forschungsinstitutes für Bergbaufolgelandschaft (FIB) Dr. Dirk Knoche und des Schulleiters Eberhard Heise. Möglich wird die mit einer Kooperationsvereinbarung besiegelte neue Partnerschaft zwischen dem Gymnasium und dem ortsansässigen Institut dank eines hoch angebundenen, deutschlandweit gestarteten Projektes, in dem der Birke die Hauptrolle zuerkannt wurde. Als eine sogenannte Pionierbaumart geltend, soll die Birke in einer Image- und zugleich Bildungsoffensive in das Licht der Aufmerksamkeit gerückt werden, das ihr zukommt. Entsprechend haben sich mit dem Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V. (FIB), der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Brandenburg (SDW) und dem Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) drei Schwergewichte zusammengetan, um in dem Forschungs- und Bildungsprojekt „Plan-Birke, forsch voran“ gemeinsam mit interessierten Bürgern die wirtschaftlichen und ökologischen Potenziale der Birke zu erforschen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Die AG am Sängerstadt-Gymnasium ist Teil des Projektes und Schulleiter Eberhard Heise erklärte: „Bis vor einigen Jahren war uns nicht einmal bekannt, dass es ein solches Forschungsinstitut in unserer Stadt gibt. Jetzt sind wir glücklich, dass wir uns gefunden haben.“ Dieser Umstand fand auch die ausdrückliche Zustimmung von Landrat Christian Heinrich-Jaschinski. Wenn man schon ein solches Institut vor der Haustür habe, dann böten sich solche Kooperationen an. Extreme Wetterlagen und Waldbrände wie in diesem Jahr machen große Felder für Forscher bewusst. Den Sängerstadt-Gymnasiasten wünschte der Landrat viel Spaß beim Erkunden und Entdecken. Über die „zu einer modernen Schule passende moderne Wetterstation“ freuten sich denn auch Schulleiter Eberhard Heise und die verantwortliche Lehrerin für den Ganztagsunterricht Petra Schober.

Dr. Dirk Knoche sieht in der Mit-Mach-Forschung, die mit dem Birken-Projekt verbunden ist, beste Gelegenheit, moderne Methoden der Umweltforschung bekannt zu machen und anzuwenden. Schließlich sei Elbe-Elster nicht nur Klimaschutz- sondern auch Klima-Risikoregion. Den Herausforderungen, die die Klimaveränderungen mit sich brächten, müsse man sich stellen. Die Birke, die sich nach Bränden oder Stürmen zuerst wieder ansiedelt und andere Baumarten in ihren Schutz nimmt, spiele im heutigen Wald meist eine Nebenrolle. Doch sie sei eine Baumart, die durch entsprechende Bewirtschaftung gutes Holz für die Verarbeitung, zum Beispiel zu Möbeln, liefern könne. Ziel des Bundesprojektes, gefördert von den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, dem Waldklimafonds und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung als Projektträger ist es, die Birke aus ihrem Schattendasein zu holen, ihre Rolle im Wald deutlich zu machen.

FOTO: Gabi Böttcher

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 8 des Sängerstadt-Gymnasiums, die mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern Christoph Ertle und Hans Küchenmeister vom FIB in diesem Projekt mitmischen können, werden aktuelle Methoden der Umweltforschung kennenlernen und selbst Umwelt-Daten erheben. In der AG wird dies im Rahmen des Ganztagsunterrichtes einmal im Monat in der siebenten und achten Stunde geschehen. Mia, Elisabeth und Marie haben eine guten Draht zur Natur, sind gern im Wald und freuen sich auf das Projekt. Christoph Ertle versichert: „Wir brauchen die Daten. Mit ihnen können wir Stadtklima mit dem im Wald vergleichen. Es gibt noch viele offene Fragen, die zu beantworten sind.“ Vergleichsdaten in der Region liefern Klima-Stationen in Döllingen und Doberlug-Kirchhain. Die jetzt am Sängerstadt-Gymnasium installierte Station liefert diese Daten – von Temperatur, Luftfeuchtigkeit über Niederschlag bis Luftdruck.

Mit einem Birkenblatt aus Holz übergab Hans Küchenmeister den Schülern den symbolischen Schlüssel zur Internetplattform des Projektes. Über plan-birke.de wird jedermann garantiert fündig. Die Wissenschaftler vom FIB wollen bis zum Ende des Projektes im Jahr 2020 der Birke vom Schattendasein ins Rampenlicht verhelfen und auf dem Wege handfeste neue Erkenntnisse gewinnen. Schon in der kommenden Woche laden sie zu einem Waldspaziergang nach Döllingen ein.