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Die Berliner Straße der Zukunft

Die riesige Kreuzung an der großen Unterführung bekommt ein neues Aussehen – und wird deutlich eingeengt.
Die riesige Kreuzung an der großen Unterführung bekommt ein neues Aussehen – und wird deutlich eingeengt. FOTO: Büro MKS Spremberg
Finsterwalde. Die Finsterwalder sind längst daran gewöhnt – an Straßen und Plätze, die zu Baustellen werden. Mit Sperrungen, Umleitungen, provisorischen Zugängen und Zufahrten. Und dennoch steht den Sängerstädtern das Schlimmste noch bevor. Dieter Babbe

Eine "Operation am offenen Herzen” nennt es selbst der Bürgermeister - wenn die Berliner Straße, Finsterwaldes Hauptmagistrale, aufgebuddelt wird. Jetzt wird es konkret.

Die Inhaber der anliegenden Geschäfte befürchten einen weiteren Kundenabbruch, wenn die Berliner zwei Jahre - so lange muss man nach aller bisherigen Erfahrung mindestens rechnen - zur Baustelle wird. Schon längst versucht man im Schloss, die Betroffenen auf die Situation einzustimmen. Erste Veranstaltungen und Befragungen haben stattgefunden - mit den Ergebnissen werden die Planer konfrontiert, die jetzt sagen müssen, was geht und was nicht.

Schloss-Debatte beginnt im Mai

Dieser Tage sind erstmals Varianten einer künftigen Gestaltung im Schloss vorgestellt worden, im Mai soll hier die politische Debatte um das größte und wichtigste innerstädtische Straßenprojekt in Finsterwalde beginnen.

Die neue Berliner Straße: Breitere Gehwege, die mehr Platz zum Flanieren und für Draußen-Cafès bieten; erstmals Bäume auf der Straße, die für grüne Farbtupfer sorgen; eine verschwenkte, verschieden farbige, teils gepflasterte Fahrbahn, die Autofahrer zum Langsamfahren animiert; auf beiden Seiten versetzte Stellflächen für parkende Fahrzeuge.

Zwei Stellen sind besondere Herausforderungen für die Planer: der südliche Straßeneingang an der großen Unterführung und die Postkreuzung vor dem Engpass zum Marktplatz.

Die riesige Fläche an der Brückenkopf-Kreuzung soll mit einer Mittelinsel optisch deutlich verkleinert - und als Tor zur Innenstadt bereits für Bahnreisende zu einem Hingucker werden, der ins Zentrum hineinzieht, neben den Blicken möglichst auch viele Besucher. Ein großer symbolischer Notenschlüssel mitten auf der Kreuzung, so ein Gestaltungsvorschlag, macht schon mal neugierig auf die Sängerstadt.

Auch die große Kreuzung an der Sparkasse soll kleiner, verkehrsberuhigter, gemütlicher werden. Während die Straße ebenfalls mit einer, allerdings ovalen Mittelinsel eingeengt wird, entsteht vor der Gaststätte "Cadillac” hin zur Grabenstraße ein neuer, ruhiger Platz für ein Straßencafé - mit einem Schatten spendenden Baum mitten auf der Kreuzung.

Bedenken zu einer Einbahnstraße

Von einer Berliner Straße als Einbahnstraße - wie von vielen anliegenden Händlern gefordert - hält Werner Hillmann, der Planer vom Ingenieurbüro MKS Spremberg, nicht viel. Dann würden völlig neue Verkehrsströme entstehen, auch vorbei an der Berliner Straße. Studien belegen, dass Einbahnstraßen etwa 20 Prozent der Verkehrsteilnehmer kosten können, gibt Werner Hillmann zu bedenken.

Doch er will keine Vorgaben machen, lediglich "Vorzugsvarianten” vorstellen und "ergebnisoffen” mit den Finsterwaldern diskutieren, betont der Planer immer wieder. Im kommenden Monat wird das Straßenbauprojekt in verschiedenen Varianten in den städtischen Ausschüssen vorgestellt und erstmals im Schloss diskutiert, zum Jahresende soll der Bauplan fertig sein.

Kommentar: Spannende Debatte