Von Daniel Roßbach

Seit Freitagabend laufen in Finsterwalde die Veranstaltungen der Initiative „Offene Gesellschaft“. Mit einer Wanderausstellung auf dem Markt und einer Vielzahl von Veranstaltungen, Mitmach-Angeboten und Diskussionen soll dort ein Austausch über Ideen zum sozialen Zusammenleben angestoßen werden.

Diese Ausstellung wirkt zunächst unscheinbar: Sie besteht aus fünf Holzregalen mit geschwungenen Linen. In diesen Regalen gibt es aber mehr Gelegenheiten, selbst Dinge zu tun, als nur Dinge anzusehen. Da gibt es eine Art Murmelbahn, in der der Weg der Kugel davon abhängt, wie man seine eigene Position in der Gesellschaft beschreibt, indem man entsprechende Weichen stellt. Oder die Möglichkeit, Demo-Plakate zu schreiben. Und schließlich die Chance, Karteikarten zu stempeln und Anliegen zu formulieren und im Archiv der Wanderausstellung, die noch in fünf weiteren Städten und auf Festivals gezeigt werden wird, zu hinterlassen.

„Man interessiert sich ja politisch, also auch, was in der Stadt so vorgeht“, begründet Ilona Ertle, eine der Besucherinnen der Ausstellung am Samstagnachmittag, ihr Kommen: „Als wir die Ankündigung dafür gesehen haben, waren wir begeistert, dass Finsterwalde bei so einer Aktion dabei ist. Ich finde es toll, wenn es einen Dialog gibt und man das Gefühl hat, die Bevölkerung wird gefragt.“ Themen, über die dabei zu diskutieren ist, sind für Ertle etwa „wie willkommen Familien und Kinder in der Stadt sind.“ Auch, dass bei städtebaulichen Maßnahmen an das Fahrrad als Verkehrsmittel gedacht wird, ist der Finsterwalderin wichtig. Genauso wie Schule und Bildung in der Stadt.

Nur die Publikums-Beteiligung an der Ausstellung, den Diskussionen und den Angeboten darum herum kommt Ertle etwas enttäuschend vor: „Ich hätte mit mehr Leuten gerechnet. Aber das liegt vielleicht daran, dass heute viele Schuleinführung feiern. Aber eigentlich hätte ich gedacht, dass Finsterwalde hier aktiver ist.“

Trotz des verhaltenen Besucheraufkommens zeigten sich die Organisatoren der Veranstaltung am Samstag zufrieden mit deren Auftakt. „Finsterwalde ist die kleinste Stadt, in der wir Station machen – da ist die Resonanz eigentlich verhältnismäßig gut“, sagt Hannah Göppert, die zusammen mit Franziska Schreiber maßgeblich an der Planung der Finsterwalder Etappe von „Die offene Gesellschaft in Bewegung“ beteiligt war. Gut 300 Besucher und Besucherinnen zählt die Initiative am Samstag. „Ich fand den Einstieg richtig schön und harmonisch, wir sind sofort mit den Leuten in Kontakt gekommen“, sagt auch Philipp Droksch, ein Mitglied des Organisations-Teams.

Sein Kollege Konstantin Welker weist auf interessante inhaltliche Punkte hin: „Auf einem der ‚Protestplakate’, die man malen kann, hat jemand geschrieben: ‚Finsterwalde braucht eine Straßenbahn.’ Solche Ideen sorgen für Erheiterung und angeregte Diskussion, auch wenn dazu andere Menschen sagen, es sei völliger Blödsinn. An solchen kontroversen Diskussionen, die entstehen, sieht man aber, dass funktioniert, was wir uns vorstellen.“

Einer der Kernpunkte des Programms am Wochenende war eine Diskussionsveranstaltung nach dem Vorbild amerikanischer Town Hall Meetings. Die fand – dazu passend – im Rathaus statt, wo Unternehmerin Maria Goldberg, Pfarrer Markus Herrbruck und Bürgermeister Jörg Gampe mit Finsterwalder Bürgerinnen und Bürgern über Zukunftsperspektiven diskutierten.

Goldberg sprach dabei über Perspektiven, Infrastruktur und Unterstützung für junge Selbstständige; Herrbrück über Möglichkeiten sozialer Teilhabe und Akzeptanz, die es gelte, ausgrenzenden politischen Strömungen wie der AfD entgegen zu setzen und Gampe über das Profil von Finsterwalde als Kultur-Stadt. Auch aus dem Publikum kamen Gestaltungsideen, etwa für einen Wasserspielplatz im Stadtpark.

Zum Schluss der Veranstaltungen am Montag bieten Jugendmigrationsdienst Niederlausitz, Welt e.V. und Internationaler Bund noch einmal die Möglichkeit, „bei Spiel und orientalischem Gebäck ins Gespräch zu kommen“, und stellt die Caritas am Marktplatz ihre Angebote vor - während sie parallel dazu aufruft, sich zwischen 10.30 und 11.30 Uhr an einem Sing-Flashmob zu beteiligen. Am Nachmittag veranstalten die Johanniter von 15 bis 18 Uhr ein Begegnungsfest am Langen Damm 27.