"Noch im 16. Jahrhundert war der Wolf allgegenwärtig. Im Zeitraum von 1512 bis 1541 sind in der Rochauer Heide bei Luckau nachweislich 71 Wölfe gefangen worden", wusste Constanze Eiser zu berichten. Im 17. und 18. Jahrhundert setzte eine erbarmungslose Verfolgung ein und seit etwa 1750 ist Brandenburg nahezu wolfsfrei.In den Grünhausheften Nr. 4, Nr. 7 und Nr. 8 des Heimatkalenders finden sich bereits Berichte der Heimatforscher um Manfred Rothe zu historischen Wolfsvorkommen in der Region. 1441 wurden Schweine mit ihren Ferkeln von Wölfen angegriffen, die zur Eichelmast in den Wald getrieben worden waren. 1511 erlegten Hans Wende und Veit Mittag zwei Wölfe in Hohenleipisch. Bauern erhielten fünf Scheffel Korn für fünf erschlagene Wölfe. Constanze Eiser erzählte, dass seit 1945 bis jetzt mindestens 37 Wölfe geschossen wurden. Seit 1990 steht der Canus Lupus Lupus unter strengstem Schutz. Er leistet seinen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht in den heimischen Wäldern. Die Wölfe reduzieren überhöhte Bestände des Schalenwildes, erbeuten überwiegend kranke, alte und schwache Tiere. In Brandenburg gibt es flächendeckende Hinweise für durchziehende Wölfe, insbesondere in der Babbener und Rochauer Heide sowie im Liebenwerdaer Revier bis hin zum Grünhauser Waldgebiet. Der erste sichere Hinweis im Babbener Territorium datiert vom 21. April 2003. Seit 2006 gab es unter anderem bei Trebbus Hinweise auf Gastwölfe. In Sachsen und Brandenburg leben momentan sechs Rudel und ein Wolfspaar. Drei Tiere sind mit mittlerweile mit einem Sender ausgestattet, sodass sich ihre Bewegung verfolgen lässt. Dadurch wurde unter anderem die Wanderung eines Wolfes bis nach Jüterbog nachgewiesen, die das Tier auch durch den Landkreis Elbe-Elster führte. Constanze Eiser warb um Verständnis bei den Jägern für das in hiesigen Gefilden seltene Säugetier. "Die Jäger müssen nicht befürchten, dass Wölfe ihnen das Revier leer fressen." Durch die natürliche Selektion werde insgesamt der Bestand gesünder und fit gehalten werden.Besonders interessiert lauschten die Besucher bei den Hinweisen zum Unterscheiden von Wolf und Hund. Kleine dreieckige und immer aufrecht stehende Ohren, eine ständig ganz gerade nach unten hängende Rute, lange, helle Beine, ein großer Kopf mit hell abgesetzter Schnauze - das sind die Kennzeichen des Wolfes. Er ist ein Ausdauerläufer, der in einer Nacht im geschnürten Trab bis zu 50 Kilometer zurücklegt. Dabei streift er immer wieder durch die Wälder, geht dem Menschen aber aus dem Weg. Wen es zugelassen wird, könnte der Wolf in den nächsten 20 Jahren alle großen Waldgebiete Brandenburgs besiedeln, wobei ein Rudel ein Gebiet von 25 000 bis 30 000 Hektar beansprucht. ms