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| 12:15 Uhr

Der Rautenstock glänzt wieder

Die Einweihungsgäste bestaunten nicht nur den sanierten historischen Rautenstock – auch der Hof ist bereits fertig gestaltet.
Die Einweihungsgäste bestaunten nicht nur den sanierten historischen Rautenstock – auch der Hof ist bereits fertig gestaltet. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Eines der dicksten Bretter in der Stadtsanierung ist gebohrt. Der Rautenstock inmitten des historischen Stadtkerns von Doberlug ist wieder stattlicher Blickfang. Neun Pensionszimmer im zweiten Obergeschoss des sanierten Baudenkmals sind empfangsbereit. Am Freitag wurde offiziell Einweihung gefeiert. Heike Lehmann

Gemalert, vergoldet und poliert. Wer den Rautenstock betritt, staunt. Die ortsansässige Bauunternehmerfamilie Röder hat das barocke Einzeldenkmal in knapp drei Jahren saniert. Der rückseitige Anbau wird derzeit fertiggestellt.

Moderner Komfort verbindet sich im Rautenstock mit einmaligem historischen Ambiente. Erste Übernachtungsgäste kamen im Oktober aus der Partnerstadt Kirchhain (Hessen) und aus Jägerkreisen. "Die Reservierungsanfragen lassen Gutes erwarten", ist Werner Röder optimistisch. Er bedankt sich bei den geladenen Gästen, die die Familie auf dem bisherigen Weg begleitet und unterstützt haben. Der angekündigte Brandenburger Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte kurzfristig abgesagt.

1,4 Millionen Euro wurden im Vorderhaus investiert. Der geförderte Anteil fällt mit 25 Prozent gering aus. "Mehr war nicht drin", lässt Röder Enttäuschung anklingen. Archäologen, Restauratoren und Bauforscher hätten allein 30 000 Euro gekostet. Hierbei hätte man sich einen größeren Beitrag des Landkreises gewünscht. Verlässlich hingegen standen ihnen der Bürgermeister und die Stadt zur Seite, betont Röder.

1665/66 hat Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg den Rautenstock als Kavaliershaus für seine Schlossgäste bauen lassen. Es ist der einzige Solitärbau in der barocken Planstadt. "Bis in die 1940er-Jahre war der Rautenstock immer Gaststätte und Hotel", so Röder. "Mein Großvater und mein Vater haben hier gefeiert." In den 1990er-Jahren aber blieb das Baudenkmal ungenutzt und verfiel. Mit einem Zeitungsartikel habe die LAUSITZER RUNDSCHAU vor zehn Jahren "den Stein ins Rollen" gebracht, erinnert Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP). 2004 erwarb die Stadt die Immobilie für den symbolischen Euro vom letzten Erben. Mit dem Ziel, dort wieder eine Herberge einzurichten. Skeptiker gab es seinerzeit selbst unter den Stadtverordneten. "Da war es wie ein Sechser im Lotto, als Familie Röder vor drei Jahren ihr Kaufinteresse bekundet hat", gesteht Broszinski. Er zollt den Investoren Anerkennung, "dass sie diese Mammutaufgabe so glänzend bewältigt haben - mit Mut, Kompetenz, Risikobereitschaft, Liebe zum Gebäude und Vernarrtheit ins Detail." Für die Planung ist Sohn Andreas, der Architekt, zuständig. Die Innenausstattung mit Möbeln und Farben im Jugendstil trägt die Handschrift von Karin Röder. Hausmeister, zwei Zimmermädchen und eine Servicekraft sind die ersten Mitarbeiter.

Riesige öffentliche Neugier begleitete den Sanierungsprozess. Gelegenheiten gab es genug: bei der Aktion "Schaustelle Stadtkern", als Denkmal des Monats, Adventstürchen - wozu sich im Dezember 2012 etwa 800 Interessenten vor dem Portal drängten, zum Richtfest oder während der EE-Kunstausstellung, die von 2280 Menschen besucht wurde.

Im Innenhof ´tragen seit Freitag zwei Taglilien, Züchtungen der Zeischaer Baumschule Graeff, die Namen "Rautenstock" und "Schloss Doberlug". Noch in diesem Jahr soll das Café im einstigen Gastraum eröffnet werden. Gesucht wird dafür allerdings noch ein Konditor.

www.quartier-rautenstock.de