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"Der Geizige" sucht sein Geld im Refektorium

Bei der Suche nach seiner Geldkassette nutzt "Der Geizige" (Bernd Färber) plötzlich sehr behände den kompletten Saal des Doberlug-Kirchhainer Refektoriums, um den Dieb zu suchen. 250 Theaterfreunde amüsieren sich beim Gastspiel der Neuen Bühne Senftenberg.
Bei der Suche nach seiner Geldkassette nutzt "Der Geizige" (Bernd Färber) plötzlich sehr behände den kompletten Saal des Doberlug-Kirchhainer Refektoriums, um den Dieb zu suchen. 250 Theaterfreunde amüsieren sich beim Gastspiel der Neuen Bühne Senftenberg. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Zum dritten Mal hat die Neue Bühne Senftenberg am Samstag ein Gastspiel in Doberlug-Kirchhain gegeben. Und zum dritten Mal war der Saal voll. Die Besucher amüsierten sich prächtig bei Molières Komödie "Der Geizige". Heike Lehmann

Beim Geld kennt Harpagon keine Verwandten. Nicht mal seinen Kindern gönnt er sein Erspartes. Der Geiz steht ihm ins Gesicht geschrieben. Das wird den Besuchern im Refektorium am Samstagabend schnell klar. Plötzlich finden sie sich sogar in der Verdächtigtenrolle wieder. Als nämlich Harpagon seine geliebte Geldkassette vermisst. Sie ist ihm aus vermeintlich sicherem Versteck geklaut worden. Vielleicht sitzt der Dieb ja unter diesen vielen Leuten da?

Der Geizkragen lässt das Saallicht anschalten - "na, doch nicht so hell, das kostet nur unnötig viel Geld", verlässt die Bühne und eilt hinauf zu den hinteren Reihen. Gestikulierend schimpft er, was das Zeug hält. Bernd Färber als Harpagon gibt seinem Affen richtig Zucker. Ein Kommissar kommt ihm bei der Befragung der Verdächtigen zu Hilfe.

Die Aufführung von Molières "Der Geizige" ist schwungvoll, launisch und abwechslungsreich. Die Schauspieler agieren auf hohem Niveau. Ihnen zuzuschauen, macht Spaß. Die Inszenierung von Intendant Sewan Latchinian macht klar, seit der Uraufführugn 1668 haben sich manche menschlichen Züge kaum verändert.

Schon am Freitag begannen die Aufbauarbeiten. Im Saal sind die Podeste für die hinteren Zuschauerreihen aufzustellen, Licht und Ton einzurichten. Aus Senftenberg sind ein Beleuchter, ein Tontechniker und zwei Techniker angereist. Ihnen zur Seite stehen Helfer von der Stadt Doberlug-Kirchhain. "Samstag um 16 Uhr haben wir weitergearbeitet. Die Schauspieler sind um 17 Uhr angereist", sagt der Beleuchter, der kurz nachzählt und feststellt: "Knapp 20 Scheinwerfer zusätzlich haben wir angebracht." Maske, Ankleide und Requisite haben ihr Werk pünktlich um 19.30 Uhr auch vollbracht. Die Komödie nimmt ihren Lauf. Es ist die 22. Aufführung. "Gastspiele sind aber immer eine Herausforderung", sagt der Hauptdarsteller, seit sieben Jahren im Senftenberger Ensemble. 13 Schauspieler - auch der Souffleur und der Inspizient müssen in ein Bediensteten-Kostüm schlüpfen - erzählen die Geschichte vom geizigen Harpagon und seinen Kindern Cléante und Elise. Beide will der Vater mit "guten Partien" verehelichen. Dabei haben die Kinder längst hinter seinem Rücken ihr Glück gefunden. Die Geschichte spitzt sich zu. Keiner traut dem anderen über den Weg. Verdächtigungen und Anschwärzungen bestimmen das Miteinander.

Hagen und Petra Lotzwig aus Finsterwalde genießen mit Peter und Rosemarie Schreck aus Doberlug-Kirchhain den Theaterabend. "Es ist gut, dass diese Gastspiele hier stattfinden", sagen die Vier. "Der Saal bietet sich an und man muss nicht bis Senftenberg fahren." Cornelia Manigk aus Frankena ist zwar öfter direkt Gast an der Neuen Bühne, den "Geizigen" aber hat sie dort noch nicht gesehen. "Es war toll", sagt sie nach dem Schluss applaus. Um so mehr bedauert sie, dass Intendant Latchinian mehrere Schauspieler mit nach Rostock nehmen wird. Auch Färber, der Geizige, und Inga Wolff, dessen Tochter Elise werden Tschüss sagen.

Übrigens: Jeder Verdacht gegen die Besucher hat sich in Luft aufgelöst. Harpagon tanzt mit seiner Geldkassette schließlich glücksselig von der Bühne.