ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:54 Uhr

Gelebte Träume auf der Leinwand
„Lugau City Lights“ feiert Weltpremiere im Landei

 Alexander Kühne hatte nach der Premiere alle Hände voll mit dem Signieren seines Buches zu tun.
Alexander Kühne hatte nach der Premiere alle Hände voll mit dem Signieren seines Buches zu tun. FOTO: Torsten Pötzsch
Lugau. Aus allen Himmels­richtungen strömen die Menschen ins Landei, um ein großes Stück Popgeschichte zu sehen. Von Torsten Pötzsch

Mit „Düsterbusch City Lights“ landete der Lugauer Alexander Kühne vor drei Jahren einen literarischen Knüller auf dem deutschen Taschenbuchmarkt. Es folgten ungezählte Lesungen landauf, landab, in Magdeburg kam das Werk auf die Bühne und das Fernsehen ließ natürlich auch nicht lange auf sich warten. Kurzinhalt: Anton Kummer, das Alter Ego von Alexander Kühne, träumte in den Vorwendejahren in „Düsterbusch“, was für Lugau steht, von der großen Welt, von Glanz und Glamour, rauschenden Partys, Popkultur und Punk. Eingeengt in die Tristesse sozialistischer Zwänge, Träume, die natürlich zum Scheitern verurteilt waren. Doch Anton Kummer ließ sich nicht beirren, lebte seine Träume, zusammen mit etwa ebenso verrückten Mitstreitern, spielte mit den staatlichen Organen Katz und Maus und das Unmögliche wurde möglich. Lugau wurde zum Mekka der musikalisch Unangepassten, „die anderen Bands“ gaben sich im Saal der örtlichen Landgaststätte die Klinke in die Hand und eine ganze Generation wurde im „Landei“ sozialisiert und fürs Leben geprägt.

Ohne es gewollt zu haben schrieben Alexander Kühne und seine Freunde und Mitstreiter so deutsche Popgeschichte in Lugau. Die Produzentin Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel rannte mit der Story beim MDR nach eigenen Aussagen „offene Türen ein“ und die Dreharbeiten konnten unter der Regie von Tim Evers Fahrt aufnehmen. Auf ARTE, in der Reihe „Summer of Freedom“, läuft am Sonntag, 11. August (0 Uhr), der Film europaweit, doch vorher gab es in Lugau vergangenen Freitag die Weltpremiere von „Lugau City Lights – Ein Dorf schreibt Popgeschichte“.

 Trotz drückender Hitze war der Saal brechend voll.
Trotz drückender Hitze war der Saal brechend voll. FOTO: Torsten Pötzsch

Und es war wie in den beschriebenen „alten Zeiten“. Trotz drückender Hitze war der Saal brechend voll, auf der Terrasse und dem Hinterhof drängten sich die Menschen und sie strömten wieder aus allen Himmelsrichtungen ins Landei. Darunter die Macher des Films, der Autor, Musiker und jede Menge Protagonisten, die alle an der „Popgeschichte“ mitgeschrieben haben und sich im Film wiederfanden. So wie Liane Geist, die nach der Aufführung meinte, „dass auf wunderbare Weise gezeigt wird, wie wir gelebt haben und dass es nicht immer einfach war, anders zu sein“.

Obwohl man es ihm nicht ansah, zeigte sich Henri Manig, seit 1985 Klubchef des Jugendklubs „extrem“, „emotional sehr angesprochen und ich muss das jetzt alles erst einmal setzen lassen. Lugau hat mich geprägt und es war der wichtigste Teil meines Lebens“.

Dass Lugau ein ganz spezieller und eigener Mikrokosmos war, spürte die Produzentin Szyszkowitz-Schwingel bei der Lektüre des Romans sofort. „Es war einfach großartig und ich spürte in mir sofort den Drang, hier muss ich her und wenn ein Film entsteht, dann kann die Premiere nur hier sein. Es war alles irgendwie wie im Rausch, wie auf einem kleinen Planeten, der sich ums sich selbst drehte und ich bin mir sicher, wäre David Bowie, wie von Anton Kummer erträumt, einmal in Lugau gewesen, er hätte sich hier sehr wohl gefühlt.“

Obwohl Vollprofi, ging auch an Regisseur Tim Evers die Premiere nicht ganz spurlos vorbei. „Der Atem der Geschichte ist noch spürbar und die Keimzelle lebt noch.“ Eingereicht wurde der Film für den Deutschen Filmpreis, den Grimme-Preis und den Bayrischen Filmpreis. „Und wenn da was klappt, sind wir wieder hier und feiern eine große Party.“

Erschöpft aber hoch zufrieden war am Ende des Tages auch Alexander Kühne. „Ich bin berührt aber auch euphorisiert. Die Leute haben es sichtlich genossen und was will ich mehr.“ Wichtig war ihm besonders, dass es noch eine kollektive Verneigung vor Detlef Zobel, einem langjährigen Freund und Mitstreiter gab, der kürzlich verstarb.

Und während Alexander Kühne nach der Weltpremiere noch fleißig Bücher und Plakate signierte, verriet er gegenüber der LR noch, dass es mit Anton Kummer noch lange nicht vorbei ist. „Der Arbeitstitel lautet ‚Düsterbusch 90’, es wird alles etwas literarischer, die Figuren werden klarer und es wird erzählt, wie es mit Anton in den 90er-Jahren weiterging.“