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| 18:27 Uhr

"Der Erfolg ist an unserer guten Laune messbar"

Schüler und Lehrer der Grundschule Rückersdorf sowie Amtsdirektor Andreas Dommaschk haben am Donnerstagmorgen ihrer Preisträgerin Heike Wittich einen überraschenden Empfang bereitet. Im Chor hieß es: "Wir gratulieren. Hut ab!".
Schüler und Lehrer der Grundschule Rückersdorf sowie Amtsdirektor Andreas Dommaschk haben am Donnerstagmorgen ihrer Preisträgerin Heike Wittich einen überraschenden Empfang bereitet. Im Chor hieß es: "Wir gratulieren. Hut ab!". FOTO: Heike Lehmann
Rückersdorf. Zwei Tage warten mussten die Rückersdorfer, bis sie Heike Wittich zum Brandenburgischen Lehrerinnen-Preis 2013 gratulieren konnten. Umso herzlicher wurde die Sonderpädagogin dann am Donnerstagmorgen überrascht. Heike Lehmann

Maurice hat auf dem Schulhof gelauert und kommt kurz nach 8 Uhr in die Schule gewetzt: "Sie kommt!" Dann geht ein Ruck durch das aufgeregte Empfangskomitee. Alle nehmen ihre Position ein, die Schultür fällt ins Schloss. Heike Wittich steuert zügigen Schrittes in den unteren Schulflur und - würde am liebsten wieder umkehren. So einen Riesen-Bahnhof mag sie gar nicht. Weil sie aber eine von 18 Lehrkräften des Landes ist, die am Montagabend in Potsdam den Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrer-Preis 2013 - den für Elbe-Elster - erhalten hat, kommt sie nicht drum herum.

"Herzlichen Glückwunsch, Frau Wittich, zum Lehrer-Preis 2013. Hut ab!", rufen ihr Schüler und Kollegen entgegen. Luis aus der Klassenstufe 5 hat sich diesen Satz für alle ausgedacht. Basecaps, Faschingshüte, Zylinder, Mützen - was gerade zur Hand war - werden gezückt. Alle verbeugen sich. Umarmungen folgen. Jason hängt der Lehrerin eine gebastelte Goldmedaille um den Hals. Leon schenkt einen Kuchen mit Schriftzug, der witzig Bezug zu ihrem Deutschunterricht nimmt. Als Heike Wittich fragt, ob sie den allein essen darf, antwortet er spontan "Nee!"

Emotional und sozial gefördert

Das sechste Jahr ist die 46-jährige Sonderpädagogin jetzt Stammlehrerin an der Grundschule in Rückersdorf. Dass sie ihre Glückwünsche erst zeitversetzt empfangen kann, hängt mit ihren Aufgaben beim Staatlichen Schulamt in Cottbus zusammen. "Ich bin koordinierende Lehrkraft für die sonderpädagogischen Förder- und Beratungsstellen im Elbe-Elster-Kreis", erklärt sie. Um so intensiver sind die jeweiligen Unterrichtstage in Rückersdorf. Die Lerngruppe 5/6 hat bei ihr Deutsch und Sport. Die zwölf Jungen von Klassenlehrerin Bärbel Panzner werden speziell gefördert. "Seit acht Jahren kümmern wir uns um Kinder, die im Regelschulverband nicht beschulbar sind", erklärt Heike Wittich. Die Schützlinge sind "nicht gruppen- und nicht beziehungsfähig, haben zum Teil eine schwierige Biografie. Sie können sich nicht konzentrieren, sind leicht ablenkbar und einige besitzen hohes Aggressionspotenzial", erläutert die Fachkraft. In ihrer "emotionalen und sozialen Entwicklung", so der Integrationsschwerpunkt, haben die Kinder aus dem gesamten Elbe-Elster-Kreis gegenüber Gleichaltrigen Aufholbedarf. Heike Wittich und ihre Kollegin und Freundin Petra Häntschel, sie lehrt inzwischen in Cottbus, haben das Projekt entwickelt. Mit Unterstützung vom Amt Elsterland, das als Schulträger die Räume für die Lerngruppen - zurzeit 1/2 und 5/6 - ausgebaut und ausgestattet hat. Mit Finanzierung der Einzelfallhelfer und der Fahrtkosten durch das Jugendamt des Landkreises und mit sonderpädagogischen Stunden, finanziert vom Staatlichen Schulamt. "Wir wollen diesen Kindern vor allem Selbstbewusstsein vermitteln", sagt Heike Wittich. Messbar sei der Erfolg nicht - "nur an unserer guten Laune", sagt sie. Die Doberlug-Kirchhainerin hat in Magdeburg Sonderpädagogik studiert, an den Förderschulen in Doberlug-Kirchhain und Finsterwalde gearbeitet und ein zusätzliches externes Psychologiestudium in Berlin absolviert.

So gelingt Inklusion

Die Rückersdorfer Lerngruppen werden einbezogen in die Schulprojekte und die Pausen und teilweise in den regulären Unterricht, beispielsweise in Biologie, Physik und WAT, in Musik und Sport. In der Lerngruppe bleibt keiner länger als nötig. "Wenn alle Institutionen zusammenarbeiten, dann gelingt Inklusion. Wir sind das Beispiel dafür", sagt Heike Wittich. "Dennoch wird es auch in Zukunft Kinder geben, die ihren geschützten Raum brauchen", ist sie überzeugt.

Heike Wittich hatte die Auszeichnungsveranstaltung in Potsdam schon abgesagt, ließ sich aber von Schulleiterin Corina Langer noch überreden. Jetzt sagt sie: "Die ernst gemeinte gute Rückkopplung, die vielen Glückwünsche, sind sehr schön."

Zur Auszeichnungsveranstaltung waren aus Elbe-Elster Sabine Hoffmann von der Oberschule Falkenberg, Barbara Nicklisch vom Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda und Heike Wittich von der Grundschule Rückersdorf (vorn v.l.) eingeladen. Hier mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (M.), Bildungsministerin Martina Münch (r.) und Staatssekretär Burkhard Jungkamp (l.).
Zur Auszeichnungsveranstaltung waren aus Elbe-Elster Sabine Hoffmann von der Oberschule Falkenberg, Barbara Nicklisch vom Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda und Heike Wittich von der Grundschule Rückersdorf (vorn v.l.) eingeladen. Hier mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (M.), Bildungsministerin Martina Münch (r.) und Staatssekretär Burkhard Jungkamp (l.). FOTO: Ingo Kuzia