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| 14:44 Uhr

Frankena.
Der Boden ist in guten Händen

Politik trifft Realität – links der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Axel Schulze, Sonnewaldes Bürgermeister Werner Busse (Mitte), daneben der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (CDU) und CDU-Landtagsmitglied Rainer Genilke (CDU).
Politik trifft Realität – links der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Axel Schulze, Sonnewaldes Bürgermeister Werner Busse (Mitte), daneben der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (CDU) und CDU-Landtagsmitglied Rainer Genilke (CDU). FOTO: Torsten Pötzsch
Frankena. Beim Verpächtertag in Frankena kamen viele Probleme der Bauern auf den Tisch. Die Politik hat gut zugehört. Von Torsten Pötzsch

Seit zehn Jahren verpachtet der Wehnsdorfer Edgar Handke gemeinsam mit seinen drei Geschwistern Land nahe Schönewalde an die Agrargenossenschaft Frankena. Die hat am Samstag zum großen Verpächtertag eingeladen, der alle drei Jahre stattfindet. Edgar Handke war das erste Mal dabei. „Ich hab in die Arbeit der Agrargenossenschaft volles Vertrauen, ein gutes Gefühl und mein Boden ist hier in guten Händen“, sagt er. Dass das nicht nur ein Gefühl ist, sondern dass dahinter tägliche harte Arbeit steckt, das erfuhr er  hautnah in vielen Gesprächen.

Mit einem Kremser oder einem Shuttle konnten die Besucher  direkt in die Milchviehanlage, zur Mutterkuhherde oder zur Biogasanlage fahren. Transparenz schafft Vertrauen, und darum ringen viele Agrargenossenschaften, nicht nur in der Region. Stand der Beruf des Bauern einst in der Mitte der Gesellschaft, wird er heute nicht selten zum Sündenbock für diverse Fehlentwicklungen, oft von Seiten der Politik und der Medien gemacht. „Wir machen Euch satt, schöpfen für Euch Werte, erhalten für Euch Landschaft und Natur. Gebt uns Bauern, was uns zusteht und tretet uns nicht nur!!!“, hing ein großes, nicht zu übersehendes Transparent an einem riesigen Mähdrescher.

Glyphosat, Tierwohl, Nitratbelastung des Grundwassers, Monokulturen und Artensterben …, die Liste ist lang, wofür der Bauer die Verantwortung tragen soll. Axel Schulze, der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, nutzte die Gelegenheit der Öffentlichkeit und rückte manches Vorurteil wieder ins rechte Licht. Dass ihm dabei der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Landwirtschaftsministerium Michael Stübgen (CDU) und Landtagsmitglied Rainer Genilke (CDU) aufmerksam folgten, spornte ihn noch mehr an. „Wir bewirtschaften 3323 Hektar, haben 28 Mitarbeiter, zwei Azubis und 32 Genossenschaftsmitglieder, alle aus der Region. Unser Betrieb gehört den Menschen der Region und nicht irgendwelchen anonymen Investoren und das soll auch so bleiben“, sprach er deutlich in Richtung Stübgen, denn Berlin und Brüssel arbeiten an Gesetzen, die größere Agrarbetriebe einschränken sollen. „Wir fordern keine Geschenke, sondern Zuschüsse für Weiterentwicklung und notwendige Investitionen. Wir konkurrieren zum Teil mit unseren Produkten auf dem Weltmarkt und da müssen wir konkurrenzfähig bleiben. Das hat auch etwas mit Verantwortung zu tun, Verantwortung gegenüber unseren Genossenschaftlern und deren Familien.“

Und noch ein Thema brannte Axel Schulze und nicht nur ihm, besonders unter den Nägeln. Der Wolf werde zunehmend zu einer Bedrohung. Mehrere Kälber seien schon gerissen oder schwer verletzt worden, erst kürzlich wieder wurde die Mutterkuhherde angegriffen. Bisher bekäme man für nur ein Kalb eine Entschädigung. Die Brandenburger Gesetzgebung, den Wolf betreffend, empfindet er als Hohn und Schlag ins Gesicht für jeden Landwirt, der Weidehaltung betreibt. Es müsse nachgewiesen werden, dass ein und derselbe Wolf eine Herde dreimal attackiert hat, bevor er bejagt werden darf. „Wir überlegen ernsthaft, ob wir unter diesen Umständen die Mutterkuhhaltung weiter betreiben können“, so Schulze.

Er dankte den benachbarten Landwirtschaftsbetrieben für die gute Kooperation. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Partner. Solange uns die Politik nicht hilft, müssen wir uns selbst gegenseitig helfen.“ Die klaren Worte kamen beim Staatssekretär an. Er lobte die harte Arbeit der Landwirte und deren Engagement und Kreativität im täglichen Wirtschaften. Den Schwarzen Peter, was den Wolf angeht, wollte er aber nicht behalten und schob ihn an das Umweltministerium weiter. „Hier sieht man das Problem noch nicht so drängend.“ Was die Landesgesetzgebung angeht, bekam sie von ihm den Stempel: „Das ist Schwachsinn!“ Vor Bauern, Verpächtern und Jägern forderte er: „Was wir brauchen, ist ein Bundesgesetz für das Wolfsmanagement. Da müssen wir schneller vorankommen.“ Worte, die man in der Runde gern hörte. Nun wartet man auf Taten. Trotz aller Schwierigkeiten, die aufs Tableau kamen, es war ein guter, interessanter, vielfältiger, informativer und unterhaltsamer Verpächtertag in Frankena. Bis in den Abend saßen noch Landwirte, Verpächter und deren Familien zusammen. Denn die Herausforderungen werden nicht kleiner, im Gegenteil.

Sven Kollesser, Chef der Mutterkuhherde, erklärt interessierten Verpächtern Freud und Leid seines Jobs.
Sven Kollesser, Chef der Mutterkuhherde, erklärt interessierten Verpächtern Freud und Leid seines Jobs. FOTO: Torsten Pötzsch