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| 02:33 Uhr

Der Biber nagt sich durchs Naturschutzgebiet

Biberbeauftragte Undine Schubert (l.) mit Bürgermeister Gantke (2.v.l.) in Tröbitz, wo der Biber im Naturschutzgebiet haust.
Biberbeauftragte Undine Schubert (l.) mit Bürgermeister Gantke (2.v.l.) in Tröbitz, wo der Biber im Naturschutzgebiet haust. FOTO: Heike Lehmann
Tröbitz. Dem Tröbitzer Bürgermeister Holger Gantke bereitet der Biber Sorgen. Im Naturschutzgebiet am Rande des Dorfes wird er zur Gefahr für Spaziergänger und die angrenzende Bahnlinie. Darum bat Gantke Brandenburgs Biberbeauftragte um Rat. Heike Lehmann

Der Restsee in Tröbitz ist in der warmen Jahreszeit ein idyllisches Fleckchen. Gern drehen die Tröbitzer um den Teich ihre Runden, gehen spazieren und baden. Eine kleine Halbinsel ist gar als "Liebesinsel" beliebt. Das soll auch so bleiben. Sagt jedenfalls Heinrich Otto Tulowietzki, der den See vor seiner Haustür gekauft hat. "Er will das alles öffentlich zugänglich belassen", sagt auch Bürgermeister Holger Gantke. Aber der Biber macht dem zunehmend einen Strich durch die Rechnung. Das dämmerungs- und nachtaktive Tier nagt sich durch dicke und dünne Baumstämme rund um den See. Er knickt sie ab und schafft so im Wald Gefahrenstellen oder versperrt die öffentlichen Wege, unter Umständen auch als Feuerwehrzufahrt genutzt. Ebenfalls die Bahnlinie Cottbus-Leipzig führt unmittelbar am Restsee vorbei. Nicht auszumalen, was passiert, wenn ein Baum mal die Schienen trifft.

Gantke sieht sich in der Verkehrssicherungspflicht und ärgert sich zudem über die öffentlichen und ehrenamtlichen Kräfte, die der gefräßige Nager bindet. "Die Feuerwehr musste schon mehrfach ausrücken, obwohl es gar nicht ihre Aufgabe ist, und die Gemeindearbeiter beräumen zunehmend öfter die Wege. Das kostet uns Zeit und Geld."

Das Problem wurde erst zum Problem, weil die Anzahl der Biber - besonders und streng geschützt - in Tröbitz wächst. Tulowietzki spricht mittlerweile von acht Biberburgen. Darum hat man jetzt beim Land Brandenburg um Rat ersucht. Undine Schubert ist von der Prignitz bis Südbrandenburg unterwegs. Seit September 2015 ist die junge Berlinerin eine von zwei Biberbeauftragten im Land Brandenburg. "Wir haben etwa 3300 Biber im Land. Von den meisten bekommt man nichts mit. Wenn es aber ein Problem gibt, dann ist es egal, ob von einem oder fünf Bibern verursacht." Sorgen gibt es vorwiegend in der Land- und Teichwirtschaft, an Hochwasserdeichen und Straßendämmen. Ihre Erfahrung: "Betroffene sind froh, dass es überhaupt einen Ansprechpartner gibt. Die Gespräche vor Ort verlaufen meist konstruktiv, auch wenn es nicht immer eine Lösung gibt." Auch für Tröbitz dürfte die "nur" in Präventionsmaßnahmen liegen. "Es ist ganz selten, dass mal ein Biber gefangen und getötet werden muss", sagt Undine Schubert. Aber auch Prävention, beispielsweise einzelne Bäume mit Draht zu schützen, kostet Geld, das die Gemeinde nicht hat. "Hierfür kann man Förderanträge stellen. Eine neue Verwaltungsvorschrift ist in Arbeit und wird Anfang 2017 veröffentlicht. Förderung ist bis zu 100 Prozent möglich", macht Undine Schubert Hoffnung. Einen Rat haben sie und der Vertreter der unteren Naturschutzbehörde noch für die Tröbitzer: "Durchgenagte Bäume bitte nur von den Wegen räumen und die Krone für den Biber liegen lassen. Sonst nagt er immer wieder neu."