Sie nennen sich Fassaden- oder Indus triekletterer, arbeiten im Bereich „Alpintechnik“ oder „Membranbau“ - für die Arbeit von Robert Mulack und Andreas Dirring gibt es viele Namen. „Aber eigentlich sind wir Dachdecker im weiteren Sinn“ , sagt Andreas. Als solcher hat er bereits am Millennium-Tower in Wien und an der AWD-Arena in Hannover Membranen gezogen.
Was Andreas Dirring dazu brauchte, hat er in ein paar Stunden Praxis und einem Lehrgang gelernt. Ansonsten, sagt der gelernte Kaufmann und spätere Trockenbauer, hat er sich alles durch „Learning by doing“ angeeignet. Für Robert war es am Anfang ein Abenteuer. Als Heizungsbauer ist er bereits sechs bis zehn Meter hohe Lüftungskanäle hin aufgeklettert. Als er im neu entstehenden Sony-Center auf dem Potsdamer Platz in Berlin gearbeitet hat, beobachtete er die Kletterer, die die Segeltücher über dem Innenhof gespannt haben. „Das war schon sehr interessant“ , sagt er. Als Exoten-Arbeit sehen die beiden, die als Selbstständige bei verschiedenen Firmen anheuern, ihren Job nicht. Der Fassadenkletterer müsse höhentauglich sein, mehr nicht. „Entweder man kann es oder nicht. Das muss jeder für sich entscheiden. Eine gesunde Angst gehört aber dazu.“
Andreas und Robert haben inzwischen mehr als 1000 Stunden am Seil verbracht. Viele davon haben die Membranen bei Tropical Islands in Anspruch genommen. Andreas kam vor einem Jahr nach Brand. Für die erste Folie haben er und seine rund 40 Kollegen am meisten Zeit gebraucht. „Das war das Lehrfeld“ , sagt er. Jeder Bau habe sein eigenes System. Und nicht jeder Architekten-Vorschlag lasse sich praktisch umsetzen. „Da fängt man jedes Mal bei Null an.“ Der Austausch der Membranen fand statt, indem erst die Außenhülle der zwei Lagen herausgeschnitten wurde. Danach mussten neue Profile angebracht werden, in die die neue Membran eingezogen wurde. Andreas: „Das ging dann immer schneller.“
Die Zeit bei Tropical Islands wird den beiden Kletterern in besonderer Erinnerung bleiben, weil sie fachlich viel gelernt haben. Nicht der Ausblick vom Hallendach bis nach Berlin oder das Feierabend-Bierchen in den Tropen hat sich ihnen besonders eingeprägt. Es war, sagt Robert, ein Job wie jeder andere. Da fällt Andreas ein, was anders war als sonst: „Als die Pelle runter war, konnten wir am Seil ganz schnell runterpfeifen. 100 Meter freier Fall, das fetzt.“

Hintergrund Zahlen und Fakten
 Die Fassadenkletterer der Westfälischen Firma „Cenotec“ haben rund 20 000 Quadratmeter Folie in 14 Teilstücken ausgetauscht. Dazu brauchten sie ein gutes Jahr. Außerdem haben sie die großen Tore der Halle mit rund zwei Kilometer Dichtungsmaterial abgedichtet.