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| 02:36 Uhr

Den Wolf in Ruhe lassen

Leserbrief. Zu "Der Wolf – von Scheu keine Spur", LR 24. Februar Mit dem Thema Wolf haben Sie sich schon so manche Entgleisung erlaubt. Heinz Brennenstuhl, Doberlug-Kirchhain

Der heutige Artikel ist ein neuer Höhepunkt darin. Eine Zumutung für Menschen, die sich noch eine normale Urteilskraft bewahrt haben.

Da ich die meisten Wolfsartikel Ihrer Zeitung ausschneide, komme ich zu der Erkenntnis, dass der Wolf in Ihrem Blatt keine Chancen hat und nicht gut weg kommt. Die Aufmachung des heutigen Artikel ist dazu geeignet, bei den meisten flüchtigen Lesern (und die Leser sind alle flüchtige Leser) den Eindruck zu erwecken, die ersten Wolfsattacken auf Rotkäppchen und Kinder stehen bald bevor. Sie lassen dort Leute zu Wort kommen, so genannte Jäger, die das Image des Wolfes absichtlich und heimtückisch negativ besetzen und die Leser gegen den Wolf einstimmen wollen. Das scheint das erklärte Ziel ihres Landesverbandes zu sein. Der weit verbreitete Hass auf den Wolf ist bei der Jägerschaft irrational und Ihr Blatt gibt diesem Irrationalismus eine Stimme.

Dabei sollten Sie als Journalisten wissen, dass in aufgeheizten Stimmungen, wie in der heutigen Zeit, jedes Hassobjekt geeignet ist, unkontrollierte Abwehrhaltungen bei der postfaktischen Bevölkerung zu generieren. Ich kann erwarten, rate Ihnen und bitte Sie, dass Sie diesen oben genannten Artikel in den nächsten Ausgaben relativieren und sich in der Berichterstattung zukünftig auf Probleme beziehen, die real von der Bevölkerung erlebt und wahrgenommen werden und einer ehrlichen objektiven Darstellung bedürfen.

Teilweise gelingt Ihnen das ja auch. Wenn schon erforderlich, berichten Sie über Geschehnisse rund um den Wolf realistisch und kompetent— der Wolf und dessen Probleme bei der Wiedereinbürgerung sind nicht beliebig und dürfen nicht lächerlich gemacht werden. Also bitte, lassen Sie diese zweifelhaften Medienkampagnen zum Thema Wolf, die geeignet sind, Zweifel in seine Existenzberechtigung in der Lausitz zu setzen.

Die Menschen werden bereits von genug Ängsten getrieben, da muss der Wolf nicht auch noch zu medienreißerischen Aktionen herhalten. Sicher, Sie können nicht alles bringen: zum Beispiel dass man als Schmerzpatient fünf Stunden beim Facharzt sitzt, um dann vom überforderten Arzt angebrüllt zu werden, dass längst Feierabend ist.

In der Brandenburger Sparpolitik bei Kommune und Gesundheit, oder den finanziellen Auswirkungen des KAG (Kommunalabgabengesetz d. Red.) — bei der Bevölkerung gibt es so viel Aufreißer zu berichten, ohne zu übertreiben(!).

Da kann man den Wolf in Ruhe und ihn im Stillen seinem Tagwerk nachgehen lassen. Mehr will er gar nicht.