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| 19:03 Uhr

Krimiautorin Zoe Beck zu Gast
Den Brexit schon vollzogen

 Zoe Beck während ihrer Lesung im alten Warenspeicher von „Ad. Bauer’s Wwe.“.
Zoe Beck während ihrer Lesung im alten Warenspeicher von „Ad. Bauer’s Wwe.“. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Finsterwalder Stadtgespräch mit politischem Krimi und beklemmender Zukunft. Von Jürgen Weser

Zum 32. Finsterwalder Stadtgespräch in der Kleinen Ringstraße in Finsterwalde will Gastgeber Sebastian Schiller dunkel-gruselige Krimiatmosphäre zur Begrüßung im dicht gefüllten alten Warenspeicher von „Ad. Bauer’s Wwe“ heraufbeschwören. Grund dafür ist der Gast des Abends: Zoe Beck, eigentlich Henrike Heiland, hat als erfolgreiche und vielfach ausgezeichnete Krimi-Autorin ihren neuesten Roman „Die Lieferantin“ mitgebracht.

Temperamentvolle Querflötenklänge haben den Thriller angekündigt, mit dem die 1974 geborene Autorin die Besucher nach London in die Post-Brexit-Zeit führt. Noch vor dem Referendum, so Beck im Gespräch, habe sie das Buch geschrieben. Dafür, so merken die Zuhörer beim Lauschen der gelesenen Textauszüge, ist Zoe Beck der jetzigen Realität, die bei ihr bereits Vergangenheit ist, verblüffend nahe gekommen. Sie führt zu kriminellen Machenschaften, die mit politischen Machtkämpfen zu tun haben. Die Hauptperson ihres Romans, die Lieferantin, finanziert eine politische Protestbewegung mit Drogenhandel per modernster Drohne, „die es heute noch nicht gibt“, schmunzelt Zoe Beck. Natürlich gibt es Morde und Erpressungen, aber für den Leser eröffnet sich in Becks Krimi auch ein beunruhigendes Bild auf ein England nach dem Brexit, der im Druxit mündet.

Augenzwinkernd verrät Zoe Beck, die auch einen eigenen kleinen Verlag betreibt und Übersetzerin ist, dass sie natürlich im Drogenmilieu und bei Drohnenexperten recherchiert habe. „Sie waren wohl alle noch nicht im Darknet?“ Das sei gar nicht so schlimm, versichert sie. Über die Schwierigkeiten des Schreibens und dass man, auch wenn sie fast in jedem Jahr ein neues Buch veröffentlicht, allein davon nicht leben kann, erzählt sie und beantwortet Fragen der Zuhörer zur Verlagsarbeit. „Wir schreibenden Frauen kommen eher im Taschenbuch vor, Männer eher im Hardcover“, schmunzelt sie.

Ja, sie sei von dem speziellen Ambiente des alten Warenspeichers beeindruckt und könne sich durchaus hier auch eine Krimihandlung vorstellen. Zunächst erfüllt sie zahlreiche Autogrammwünsche für die Besucher des Abends, die mit ihrer „Lieferantin“ unterm Arm in eine Krimi-Nacht eilen.

Mit Andeutungen macht Sebastian Schiller Lust auf das nächste „Stadtgespräch“ am 26. Oktober  mit einem „echten Finsterwalder“, dessen erste berufliche Station ihn nach Paris als letzten Botschafter der DDR führte und der auch heute noch viel reist.