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| 18:41 Uhr

Mobil machen für Barrierefreiheit
Defekter Aufzug nervt Reisende

Am Freitag hat Uwe Werner vom Aufzughersteller Schindler eine neue Lichtschranke eingebaut (r.). Grund zur Freude für Winfried Scholz, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Finsterwalde. Mal sehen, wie lange der Aufzug nun funktioniert.
Am Freitag hat Uwe Werner vom Aufzughersteller Schindler eine neue Lichtschranke eingebaut (r.). Grund zur Freude für Winfried Scholz, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Finsterwalde. Mal sehen, wie lange der Aufzug nun funktioniert. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Seit seiner Inbetriebnahme im Herbst 2016 sorgt der Aufzug am Bahnhof Finsterwalde für Frust. Jetzt macht auch der VdK mobil. Das erzeugt Rückenwind für Rainer Genilke. Von Gabi Böttcher

Werner Burigk und Cornelia Hinz von der DB Agentur Rosenthal können ein Lied davon singen. Als Dienstleister für die Reisenden haben sie am Finsterwalder Bahnhof beileibe nicht nur Fahrkarten zu verkaufen und Fahrplanauskünfte zu geben. Dauerbrenner ist die defekte Aufzugsanlage. „Inzwischen rufen Reisende vorab bei uns an, ob die Anlage gerade funktioniert. Auch nach der Funktionsfähigkeit der Anlage in Doberlug-Kirchhain werden wir gefragt. Und wir werden aufgefordert, den Transport von Gepäck zu übernehmen“, erzählt Werner Burigk. Da sei es tatsächlich besser gelaufen, als das Bahnhofspersonal die Reisenden noch über die Schienen geführt habe. Dass die Angestellten des privaten Dienstleisters den Frust der Bahnkunden zu spüren bekommen, sind sie gewohnt. Der Aufzug sei eine glatte Fehlkonstruktion ist Werner Burigks Fazit. Erst vor wenigen Tagen seien Feuerwehr und Polizei wieder mit Sirene und Blaulicht angerückt, um eine steckengebliebene Reisende zu befreien.

Jetzt macht auch die Ortsgruppe des VdK in Finsterwalde mobil gegen die unhaltbaren Zustände. Winfried Scholz als deren Vorsitzender ist selbst Betroffener. Sechs bis sieben Mal in der Woche fährt er nach Cottbus oder Berlin und ist als zu 100 Proznet Gehbehinderter auf sein Fahrrad angewiesen. Er ist Besitzer einer Fahrradkarte und war schon gezwungen, sein Rad ins Auto zu laden und damit nach Doberlug-Kirchhain zum Bahnhof oder direkt nach Cottbus zu fahren. Der Ortsverband des VdK zählt aktuell 229 Mitglieder und viele von ihnen seien in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf Unterstützung wie den Aufzug am Bahnhof angewiesen. Der Finsterwalder Ortsverband unterstützt aus eigener Betroffenheit die bundesweit laufende Kampagne des VdK. Nach dessen Erhebungen ist nur jeder zweite Bahnhof in Deutschland barrierefrei. Umso ärgerlicher die Tatsache, dass Anlagen, die diese Situation eigentlich verbessern sollen, nicht zuverlässig funktionieren. Am Freitag hat  es eine Zufallsbegegnung zwischen Winfried Scholz und Uwe Werner von Aufzughersteller Schindler gegeben. Letzterer hatte eine defekte Lichtschranke ausgewechselt und das rot-weiße Absperrband am Aufzug entfernt. Er wusste auch von mutwilligen Beschädigungen der Anlage zu berichten, die deren Funktionstüchtigkeit zusätzlich in Gefahr bringen. So sei in den Schlüsselschalter an der Armatur im Innenraum Leim gefüllt worden. Auch würde die per Lichtschranke reagierende Tür des Aufzugs gewaltsam blockiert. Uwe Werner räumt ein, dass im Vergleich zu seinem eigentlichen Arbeitsbereich in Elsterwerda von den Reisenden in Finsterwalde doppelt so viele Treppen zu überwinden seien.

„Es wird höchste Zeit für ein barrierefreies Deutschland“, titelt der VdK auf seiner Homepage. Der Verband ist mit seinen mehr als 1,7 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband Deutschlands, der sich gleichzeitig als größte Behindertenorganisation versteht. Und erinnert daran, dass der erste Mensch vor fast 50 Jahren den Mond betreten hatte. Menschen mit Behinderung würden jedoch heute noch jeden Tag auf unüberwindliche Schranken stoßen. Der Sozialverband ruft deshalb dazu auf, ärgerliche Barrieren aller Art in eine Landkarte einzutragen, die auf der Internetseite des VdK installiert ist: http://www.weg-mit-den-barrieren.de/

Voll an der Seite der Bahnreisenden sieht sich der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke, der den Zustand der Bahnhöfe und Haltepunkte im Land im Hinblick auf die Barrierefreiheit seit Langem im Blick hat und dazu im Kontakt mit dem Konzernbevollmächtigten der Region Ost und Vorsitzenden der Region Nordost der DB AG, Dr. Jürgen Trettin, getreten ist. Dieser hatte Anfang Oktober versichert, dass gemeinsam mit dem Hersteller „Möglichkeiten der Modernisierung der Anlage geprüft“ würden. Eine Abwägung dazu finde auf zentraler Ebene der DB Station & Service AG statt. Seiner Ankündigung, weiter auf eine nachhaltige Lösung des Problems zu drängen, folgt Rainer Genilke an diesem Donnerstag.

Auf Antrag der CDU-Fraktion wird es in der Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur und Landesplanung einen Bericht des gleichnamigen Ministeriums zum Zustand der Bahnhöfe und Haltepunkte im Land Brandenburg im Hinblick auf die Barrierefreiheit geben. Die Sitzung beginnt um 10 Uhr im Raum 1.050 des Landtages.