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| 01:04 Uhr

Das Wetter schlägt Purzelbäume

Finsterwalde.. Das Jahr 2005 hatte noch gar nicht richtig begonnen und schon schlugen die meteorologischen Geschehnisse in unseren Breitengraden wieder einmal Purzelbäume. Hans-Günther Seyfert

Nicht nur aprilhaftes Wetter stellte sich ein, wie am vergangenem Montag von mir angekündigt, sogar der Frühling brachte sich bereits ins Gespräch. So lag das Temperaturmittel vergangenen Woche in Finsterwalde bei rund plus 5 Grad Celsius (C). Das entspricht einem Wärmeüberschuss zum langjährigen Mittelwert und bezogen auf diesen Zeitraum von etwa 6 Kelvin.
Vereinfacht ist das relativ kurz erklärt. Bereits Ende des vergangenen Jahres hat sich in der mittleren Troposphäre eine gut ausgeprägte und zonal ausgerichtete Frontalzone (Trennlinie zwischen kalter Luft im Norden und warmer Luft im Süden) weiter nördlich verlaufend, wie für diese Jahreszeit eigentlich üblich, ausgebildet. Sie reicht von Nordamerika über den Nordatlantik und Osteuropa hinweg bis fast nach Russland. Da das Zusammenprallen von kalter und warmer Luft im meteorologischen Geschehen nie gut ausgeht, kommt es zu gewaltigen Verwirbelungen, die zur Ausbildung umfangreicher Tiefdrucksysteme bzw. Zyklone führen. Durch die rasanten West-Ost-Strömungsverhältnisse werden diese dann meistens in sehr rascher Folge in diese Richtung gelenkt und beeinflussen damit in starkem Maß auch das Wetter, allerdings mit unterschiedlicher Intensität in unserer Region.
So geschehen in den vergangenen Tagen durch die Tiefdruckwirbel „Christian“ (ab 2005 erhalten Tiefs wieder männliche Namen), „Dimitri“ und am vergangenem Sonnabend durch den Orkanwirbel „Erwin“ . Wie dabei der Luftdruck rauf und runter geht (Sinuskurve) verdeutlicht dabei ganz besonders der Zeitabschnitt 7. Januar, 8. Januar, 9. Januar mit Werten von 1026 hPa; 1000 hPa und dann wieder mit dem kurzfristigen Einbruch der Kaltfront 1021 hPa (Hektopascal). So herrschten am vergangenem Sonnabend im ehemaligen Altkreis von Finsterwalde Sturmböen mit Spitzenwerten der Stärke 7 bis 8 nach Beaufort. Über Norddeutschland bis hin nach Südschweden wüteten schwere Orkanböen, die teilweise große Schäden anrichteten und Menschenleben forderten. All das kommt zustande durch die gewaltigen Luftdruckgegensätze (je enger die Isobaren auf den Wetterkarten um so heftiger die Luftbewegung), die sich zwischen Norden und Süden ausbilden. Dabei entsteht, begrenzt durch die Frontalzone, etwas bildlich ausgedrückt eine Art Korridor bzw. Schneise, in der dann - wie am vergangenen Sonnabend - in rasantem Tempo milde atlantische Meeresluft, zum Teil auch subtropische Luft in Richtung Osten gelenkt wird. Man spricht sogar davon, dass über Mitteleuropa eine Rennbahn der Wolken entstanden ist. „Väterchen Frost“ bekommt dabei bestenfalls kurzfristig eine Chance, seine Trümpfe vom Norden her auszuspielen. Ganz im Gegenteil, die außerordentliche rasche Luftbewegung bewirkt, dass die Warmluft durch ihren außergewöhnlichen Transport in Richtung Osten kaum die Gelegenheit erhält, sich in ihren unteren Schichten groß abzukühlen, so dass sie eben die noch fast frühlingshaften Temperaturen in ihrem Gepäck hat, und zugleich dafür sorgt, dass der Winter weit nach dem Norden und Osten zurückgedrängt wird.
So stieg die Quecksilbersäule am vergangenen Sonnabend in Finsterwalde auf den Maximalwert von plus 14,4 °C (in der Sonne sogar auf plus 21,5 °C) und in Doberlug auf 13,4 °C an. Der Temperaturrekord vom Jahre 1991 - etwa zur gleichen Zeit - mit 15,7 °C in Finsterwalde und 16,1 °C in Doberlug-Kirchhain wurde allerdings nicht geknackt.
Da der troposphärische Kältepol zunächst erst einmal weiter im Raum Ostkanada verharren wird und sich das sehr kräftige Hoch „Fridolin“ als Gegenpol über dem Mittelmeer kaum groß verlagern wird, besteht voraussichtlich für unsere Region bis in die zweite Wochenhälfte hinein kaum die Aussicht auf eine wesentliche Veränderung der Wetterlage. Zwar werden die Temperaturen nicht mehr ganz so hoch ansteigen, jedoch das leicht unbeständige und wechselhafte Wetter mitunter auch recht windige Wetter wird sicherlich bestehen bleiben.
Erst zum Wochenende hin bahnt sich verbunden mit stärker aufkommenden Niederschlägen voraussichtlich eine merkliche Abkühlung in unserer Region an, wo bei dann „Frau Holle“ durchaus ein Wörtchen mitreden könnte. Ob sich gar ein winterlicher Zeitabschnitt einstellt, ist vorerst noch nicht abzusehen.