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| 01:03 Uhr

Das Umfeld für Intier wird bereitet

Den Startschuss für die neue Straße gaben gestern Wilfried Klähr, Bürgermeister von Massen, Gottfried Richter, Amtsdirektor Amt Kleine Elster, und Johannes Wohmann, Bürgermeister von Finsterwalde (v. r.).
Den Startschuss für die neue Straße gaben gestern Wilfried Klähr, Bürgermeister von Massen, Gottfried Richter, Amtsdirektor Amt Kleine Elster, und Johannes Wohmann, Bürgermeister von Finsterwalde (v. r.). FOTO: Dietmar Seidel
Massen.. Die Zeiten des neidischen Argwohns zwischen Massen und Finsterwalde scheinen endgültig vorbei. Den Eindruck haben gestern Vormittag die Repräsentanten von Stadt und Gemeinde sowie Amt Kleine Elster im Gewerbe- und Industriepark Massen vermittelt. Gemeinsam gaben sie den offiziellen Startschuss zur weiteren Erschließung, um für Magna Intier, einen ansiedlungswilligen Automobilzulieferer, das Umfeld zu bereiten. Von Heike Lehmann

Die Nobelstraße im Massener Gewerbe- und Industriepark wird die Hauptzufahrt für den neuen modernen Produktionsstandort von Magna Intier Deutschland. Bis Ende des Jahres soll sie in Komplettleistung durch die Tief- und Wasserbau GmbH Doberlug-Kirchhain weiter erschlossen sein. Ein nächster Abschnitt sieht den Ausbau der Albert-Einstein-Straße vor - als zweite Firmenzufahrt für Intier und gleichzeitig zur Erschließung weiterer Grundstücke. Schließlich wird noch bis Ende Juni 2006 das Regen becken erweitert. Gesamtinvestition des Erweiterungsbauabschnitts: rund eine halbe Million Euro.

Finsterwalde hilft beim Eigenanteil
Die lukrative Ansiedlung - Intier will 200 Arbeitsplätze schaffen - bewog Massen und Finsterwalde, neue Wege der Zusammenarbeit zu beschreiten. Ausdrücklich bedankte sich gestern Massens Bürgermeister Wilfried Klähr bei seinem Finsterwalder Amtsbruder für die finanzielle Hilfe. Die Stadt steuert zur weiteren Erschließung 160 000 Euro bei (die RUNDSCHAU berichtete), denn „es wäre schwierig gewesen für Massen, den Eigenanteil für diese Baumaßnahme zusammenzukratzen“ , so Klähr gestern. Der „funktionelle Zusammenhang“ , so Wohmann, sei erkennbar, denn zu einem großen Teil werden auch Finsterwalder Arbeit im neuen Werk finden.
Gegenleistung für die Finanzspritze ist das Vorkaufsrecht für Finsterwalde für ein Grundstück im Gewerbe- und Industriepark. „Ein sehr eleganter Weg des Wertausgleichs“ , wie Wohmann einschätzte. Die Stadt wolle aber nichts „rauskaufen“ , sondern Wohmann sicherte zu, es im Sinne des Gewerbe- und Industriepark zu verwerten.
Schneller als Magna Intier es gedacht hätte, gab es vom Landkreis grünes Licht, was vor allem dem koordinierenden Handeln von Frank George vom kreislichen Bauordnungsamt zu verdanken sei, betonte Richter. „Schnell, kreativ und sachlich“ sei die Zusammenarbeit verlaufen. Durchaus nicht selbstverständlich, wie aktuelle Verhandlungen mit der envia bestätigen würden, die nicht so reibungslos verlaufen, erklärte er.
Amtsdirektor Gottfried Richter belegte mit Zahlen, wie sich das Gewerbegebiet „auf der grünen Wiese“ in den letzten Jahren entwickelt hat. 30 Gewerbebetriebe, davon zehn reine Produktionsbetriebe mit rund 270 Mitarbeitern, haben sich hier angesiedelt. Fünf Dienstleistungsfirmen mit 130 Mitarbeitern, acht Handwerksbetriebe mit 150 Mitarbeitern, fünf Handelsunternehmen mit 115 Mitarbeitern und zwei sonstige Firmen mit 15 Mitarbeitern. Unterm Strich seien dies rund 680 Arbeitsplätze. Hinzu kämen die 200 geplanten von Intier.

„Einzig wirkliches Mittelzentrum“
Aber auch die rund 35 Hektar der ehemaligen VEB Fimag, Tischfabrik und Drahtwerk bieten 33 Betrieben mit 710 Mitarbeitern Platz. Zehn Produktionsfirmen mit 400 Mitarbeitern, sechs Dienstleistungsunternehmen mit 66 Mitarbeitern, fünf Handwerksbetriebe mit 23 Mitarbeitern, fünf Handelsfirmen mit 15 Mitarbeitern und acht sonstige Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern. „Der Standort Massen ist also lukrativ, hat gegenüber anderen eine bessere Position“ und gehöre infrastrukturell zum Mittelzentrum Finsterwalde, dem „dominanten und einzig wirklichen Mittelzentrum im Elbe-Elster-Kreis“ , so Gottfried Richter. Diesen Aspekt der neuen Landesstrukturpolitik unterstrich auch Wohmann. Er ging noch weiter: „Es wäre denkbar, in Zukunft auch kommunalrechtlich deutlich zu machen, was zusammengehört.“

„Ein Geschenk des Himmels“
In Bezug auf die Neuausrichtung der Förderpolitik in Brandenburg sei die Ansiedlung von Magna Intier für die Branchenbündelung im regionalen Wachstumskern Westlausitz, bestehend aus den Städten Senftenberg, Lauchhammer, Schwarzheide und Finsterwalde, „wie ein Geschenk des Himmels“ , erklärte Wohmann. Mit den Schwerpunkten Energie, Metallindustrie, Automotive und Kunststoff industrie werde deutlich, „dass längst der Bedarf da ist, einen Fachkräftepool am Ort zu halten“ . „Wir werden weiterhin aktiv mitwirken“ , versprach Finsterwaldes Stadtoberhaupt, der seinerseits auf elf branchentypische Betriebe mit rund 800 Beschäftigten verweisen konnte. Die Finanzierungsvereinbarung zwischen Massen und Finsterwalde sei für ihn ein praktischer Schritt einer integrierten Entwicklung. „Wir greifen in die Zukunft ein“ , unterstrich Wohmann.